wassererde

 

die erde war ein fester ball aus wasser
ich schwamm und tauchte und ruderte
mitten durch sie hindurch aber nirgendwo
war mehr land vorhanden ja nirgendwo

wir hatten sie doch tatsächlich sublimiert
diese vielen ländereien all diese inseln
die großen die wir kontinente nannten
aber auch die kleinen die urlaubsfeinen

die erde bestand nun doch tatsächlich
nur noch aus wasser nichts sonst mehr
nur noch ein rundkugeliges riesenmeer
in dem ich traumallein herumschwamm

 

 

 

 

 

 

 

© finbarsgift

Verwandlung (Kraus)

 

 

Stimme im Herbst, verzichtend über dem Grab

auf deine Welt, du blasse Schwester des Monds,

süße Verlobte des klagenden Windes,

schwebend unter fliehenden Sternen –

 

raffte der Ruf des Geists dich empor zu dir selbst?

nahm ein Wüstensturm dich in dein Leben zurück?

Siehe, so führt ein erstes Menschenpaar

wieder ein Gott auf die heilige Insel!

 

Heute ist Frühling. Zitternder Bote des Glücks,

kam durch den Winter der Welt der goldene Falter.

Oh knieet, segnet, hört, wie die Erde schweigt.

Sie allein weiß um Opfer und Thräne.

 

© Karl Kraus (1874-1936)

sommerreminiszenzen

 

wenn der glasklare ruf der grossäugigen schneeeule

durch die klirrende kälte der fernen weiten arktis schallt

und die kugelförmigen schneebeeren in meiner umgebung

die sommerliche liebe aus meckels licht gerade noch bezeugen

dann bilden sich plötzlich kristallin feingewebte reminiszenzen

in meiner gedankenwelt heraus den hochsommer wieder belebend

mein erdendasein am weiten blauweiss tosenden ozean des lebens

in sandiger dünenlandschaft entspannt vor mich hin träumend

von grünbraunen blauocker schimmernden schmetterlingsfaltern

umflattert die wie waldmeisterwackelpudding hin und her schaukeln

vom winde wie wild gelenkt bis zur milden beinahlebensohnmacht

auf nahrungssuche bei gelborangen strahlenden wiesenblüten

während meine traumgedanken allmählich gen himmel streben

immer weiter nach oben schweben wie die kleinen feldlerchen

die so wundervoll hinauf stürzend ihr lautes tirili trällern

während die zeit des in vollster blüte sich befindenden

orgasmus von mutter allnatur herrscht und so bewege auch

ich mich mit in ihrem wiegenden wonnigen wollüstigen rhythmus

solange bis es aus mir herauswogt und sich in ihren schoss ergiesst

und das kurze orgiastische leben in mir langsam wieder ermattet

und für eine kleine weile in eine schlappe erholende müdigkeit mündet

regen umtost mich allmählich wieder und zeigt mir den gedanklichen

weg zurück in die arbeitsame gegenwart voller hektischer umtriebe

und vertreibt meine tagträumerische stimmung erbarmungslos und

erfüllt meine blosse existenz im hier und jetzt wieder mit diesem

pulsieren des alltäglichen lebens und des sterbens und des todes

schön waren sie dennoch die eingefangenen sommertraumgedanken

diese reminiszenzen an einen gemeinsamen höhepunkt des sommers

von mutter allnatur und mir …

 

 

 

 

 

 

© finbarsgift

Symbol für schönewige Liebe

Angeregt durch einen dieser großartigen Fotoblogs in den Weiten des Netzes,
in dem ein sehr schöner, so finde ich, sogenannter C-Falter präsentiert wurde,
habe ich mich sogleich auf die weltweite Bildersuche gemacht nach noch anderen,
für mich bis heute total unbekannten Schmetterlingen mit Buchstaben oder gar
Zahlen (das wäre ja noch toller!!!) auf ihren Flügeln, falls es das überhaupt gibt…
und siehe da: ich habe einen unglaublich schönen, gelben Falter mit einer Zahl,
(eindeutig meiner Lieblingszahl sogar!!!) auf den Flügeln gefunden, ist das nicht irre?!

c-falter

Zunächst aber erst diese zwei herrlichen Fotos (oberhalb und unterhalb dieser Zeilen) des
mich ebenfalls so sehr beeindruckenden C-Falters, die ich da in den interessanten Weiten
des Internets schnell mal gemopst habe für diesen Eintrag (normalerweise ja nicht meine Art,
aber hier musste es sein), weil sich mir bisher ein solch außergewöhnlich schöner
Buchstabenschmetterling leider noch nie zum Fotografieren zur Verfügung stellte:

C-Falter-a

Und dann – wie bereits eingangs gesagt – gibt es da doch wirklich einen so verdammt, so sehr
schönen gelben Falter, der sozusagen eine goldene Acht als Zierde auf seinen Flügeln zur Schau
trägt, unglaublich! Das ist doch echt Wahnsinn und da ich so einen interessanten Zahlen-
Schmetterling in meinem Leben noch nie in echt gesehen habe und somit natürlich auch nicht
selbst für uns alle fotografieren konnte bisher, leider, und das voraussichtlich wohl auch niemals
mehr passieren wird, habe ich natürlich gleich nochmal in den Weiten des Internets herum-
gesucht und ihn zumindest dort gefunden, von einem beneidenswerten Menschen fotografiert:

golden acht

Dieser Schmetterling sieht wirklich sowas von schön aus – zauberschön sogar, jedenfalls
für so einen alten Mathematikuss wie mich, denn ist doch diese goldene Acht auch jederzeit
von mir als Symbol für eine unendlich große Zahl oder überhaupt als liegende Acht oder
auch Lemniskate als das weltweit gültige Symbol für die Unendlichkeit zu interpretieren,
das Unermessliche im Großen wie im Kleinen, stets eines der faszinierendsten Themen
weltweit, und nicht erst seit Pascal, und das verschafft mir Hobbyfilosofen ab jetzt - immer
wenn ich auf diesen Unendlichkeitsschmetterling gucke – so ein unendlich schönes Gefühl
in Seele, Körper und Geist, von nun ab symbolisch auch schönewige Liebe genannt:

golden eight

© finbarsgift (Text)