Finbars Makel (Marillier)

“Du führst das Leben eines Geschöpfs, das sich verbirgt; das ist vielleicht weise, aber auch traurig für einen jungen Mann, der einmal glühte vor Leidenschaft, die Welt zu verbessern. Was ist aus diesem Feuer geworden, dass du es hier unter der Erde verschließt?”

Ich hatte ihn zweifellos verblüfft. Wahrscheinlich hatte noch nie jemand so mit ihm gesprochen. Tatsächlich bedauerte ich es sofort. Er war freundlich zu mir gewesen, und ich dankte es ihm schlecht.

Finbar schob den abgetragenen Umhang zurück, um mir das weiße Gefieder an seiner Seite zu zeigen. Er schaute auf den Flügel hinab, als wäre er sowohl eine Last als auch in gewisser Weise ein vertrauter Freund.

“Ich kann nicht in die Welt der Menschen hinausgehen”, sagte er leise. “Eine solche Verunstaltung bringt nicht nur unwillkommene Aufmerksamkeit, sondern Verachtung und Spott mit sich; vielleicht einen Platz irgendwo auf dem Jahrmarkt, wo die Leute mich anstarren und ihre Kinder fauliges Obst werfen lassen. Ich wäre ein Mühlstein am Hals meiner Familie, ich würde alle nur in Verlegenheit bringen. Hier kann ich das, was ich weiß, mit einigen wenigen teilen, und ich kann den meisten anderen Menschen aus dem Weg gehen. Das ist besser so.”

“Unsinn!”, sagte ich scharf. “Was du als Verunstaltung bezeichnest, ist ein Ehrenzeichen. Es ist ein Zeichen deiner Kraft und deines Durchhaltevermögens. Und es zeigt, dass du auserwählt wurdest, große Dinge zu tun. Wenn du die Träume dieses Jungen, der du einmal warst, sterben lässt, wenn du vergisst, was du einmal warst, dann hat sie tatsächlich über ihren alten Feind triumphiert. Hier verbirgst du dich nur vor dem Leben. Und dennoch sagst du mir, ich sollte hinausgehen und die Vision selbst verwirklichen. Was ist mit deiner Vision? Wir gehören derselben Familie an. Wir haben doch sicher alle einen Anteil daran.”

Er schwieg lange. Dann schaute er mich an, und mir fiel jetzt erst so richtig auf, wie dünn er war, beinahe geisterhaft. Unter seiner bleichen Gesichtshaut zeichneten sich die Knochen deutlich ab. Seine seltsamen, hellen Augen waren von dunklen Schatten umgeben, und sein schwarzes Haar war verfilzt und wirr, als hätte er nie daran gedacht, sich darum zu kümmern.

“Ich bin ein alter Mann”, sagte er schließlich.
“Vielleicht den Jahren nach. Du siehst nicht danach aus. Du hast vor, schon in deinen besten Jahren dahinzuschwinden. Eine schreckliche Verschwendung.”

Er gab mir keine Antwort. Ich hatte ihn zweifellos verärgert. Meine Worte waren wohl kaum der angemessene Dank für seine Geduld und sein Verständnis.

© Juliet Marillier

inselworte des windes und der liebe

eng nebeneinander auf unseren rücken liegend beobachten wir wonnig zufrieden die grünen palmwedel wie sie unermüdlich den tiefblauen himmel streicheln angetrieben vom gesang des windes der zudem noch ununterbrochen mit den anrollenden wellen des meeres unweit unserer schweissgebadeten körper spielt

erschöpft vom ausdauernden intensiven tanz der liebe unter freiem himmel lächeln wir glücklich vor uns hin den warmen sand der düne wohlig unter uns spürend während in der nahen erinnerung die weichen rhythmen unserer lust langsam weiter in uns harmonisch verklingen und die immer noch strahlendheisse sonne unsere haut beinahe verbrennt

am horizont bilden sich erste sanft schimmernde wolken die über nacht dieser insel der trockenheit ein paar wenige wassertropfen bescheren könnten vorausgesetzt wir verharren ausreichend lang und zufrieden in unserem meditativen liebeseinklang bis der einsetzende regen auch unsere sandigen körper in der mitternachtsluft wieder reinigt und entsalzt

© finbarsgift

Cosmic oceans

High waves of dreadful mutilation
Are rising from the eternal oceans
Enwrapped by dense cold nebulae
While twilights shock the royal sun

© finbarsgift

Traum und Wirklichkeit

Bald wird mich das Meer empfangen
Fliegend werde ich dorthin gelangen
Der Ozean wird meine Seele streicheln
Die Wellen meinem Körper schmeicheln

Muscheln werde ich gelassen suchen
Kleine Inselerkundungsfahrten buchen
In den Bergen dort werde ich wandern
Gemächlich von einem Ort zum andern

Salzige Luft wird meine Lungen säubern
Meinen Organen guttun nicht beräubern
Salziges Wasser wird meine Wunden heilen
Genügend lange werde ich so verweilen

Eines Tages wird auch dieser Traum enden
Dann werde ich mein Wesen zurücksenden
Direkt mitten hinein in die Arbeit werfen
Aber niemand wird mich dann mehr nerven

© finbarsgift