duftende luft

 

 

ein feines sirren liegt in der luft

ein wundervoll betörender duft

geliebter, komm – sie mich ruft

und ich schwebe durch die luft

 

 

 

 

© finbarsgift

Lieben wir die Welt und unsere Kinder genug? (Arendt)

In der Erziehung entscheidet sich, ob wir die Welt genug lieben, um die Verantwortung für sie zu übernehmen und sie gleichzeitig vor dem Ruin zu retten, der ohne Erneuerung, ohne Ankunft von Neuen und Jungen, unaufhaltsam wäre.

Und in der Erziehung entscheidet sich auch, ob wir unsere Kinder genug lieben, um sie weder aus unserer Welt auszustoßen und sich selbst zu überlassen, noch ihnen ihre Chance, etwas Neues, von uns nicht Erwartetes zu unternehmen, aus der Hand zu schlagen, sondern sie für ihre Aufgabe der Erneuerung einer gemeinsamen Welt vorzubereiten.

© Hannah Arendt

Ist diese Welt wirklich eine gute Welt? (Gustafsson)

Wenn man sich beispielsweise die Naturfilme im Fernsehen ansieht, sagte der Dekan, sollte man ja, wenn man mit normalen intellektuellen Fähigkeiten begabt ist, ziemlich nachdenklich werden. Diese Welt kann keine richtig sympathische oder wohlwollende Welt sein! Was wir sehen, ist eine fast durch und durch böse Natur. Eine gigantische, sinnreiche Maschinerie, dafür eingerichtet, Schmerzen zu bereiten, immer aufs neue.
Wovon handeln diese Naturfilme? Kleine hilflose Tiere werden zu Tode gejagt. Von größeren und stärkeren, von schnelleren oder von listigeren Tieren. Sie werden zu Tode gejagt, und sie dürfen nicht ohne Schmerz, lähmende Angst, ja Erniedrigung sterben.

Und das Eigenartige ist ja, dass dies der Allgemeinheit als lehrreiches, nahezu erbauliches Programm präsentiert wird. Man kann den hechelnden, apologetischen Eifer dieser Naturenthusiasten förmlich hören, wenn sie uns zu erklären versuchen, wie raffiniert und reizend es ist, wenn der Hautflügler seine Eier in den hilflosen Körper der vollständig gelähmten Larve legt. Offenbar erwarten sie wirklich, dass wir das bewundern! Die Präzision, mit der diese scheußlichen kleinen Maschinen, kaum anders als Computerprogramme, ihren Legestachel an den richtigen Stellen in den Körper des armen Wirtstiers bohren, die Jagdtechniken des Raubtiers und die Grausamkeit des Neuntöters gegen die Feldmäuse. Die erbarmungslose, effektiv funktionierende Grube des Ameisenbärs, die dem Opfer keine Chance läßt, oder das kunstvolle Fangnetz der Spinne. Warum sollten wir das bewundern?

Kann man sich für die Entwicklung von Leben auf einem Planeten eine grausamere Methode vorstellen als die Evolution? Eine schmerzhaftere, eine brutalere, eine gleichgültigere!
Warum versucht man das zu vertuschen! Diese Welt ist keine sympathische Schöpfung. Und das einzig Versöhnliche am Menschen ist, dass er – bestenfalls – sehen kann, dass es so ist.
Das war etwas, worauf er oft zurückkam.

 

Es verläuft ein Riss zwischen dem Menschen und der Natur. Ja, es sollte mich nicht wundern, wenn er durch das ganze Universum verliefe. Was wäre dann unsere Aufgabe?
Unnatur zu sein, natürlich. In jedem Punkt, in dem es möglich ist, diese Natur herauszufordern, in Frage zu stellen, zu korrigieren. Der erste Mensch, dem es einfiel, dass man nicht alle Pflanzen akzeptieren muss, die in einem Land wachsen, dass man einige züchten und den Rest herausreißen kann, hat vermutlich etwas Moralischeres getan als diejenigen, die nach ihm kamen. Das ist der erste Schritt zur Verkünstelung. Und je mehr wir diese böse Natur verkünsteln, ihre Mittel gegen sie selbst wenden, um so mehr dienen wir einem göttlichen Ziel.
Was könnte das sein? Vielleicht, dass diese Schöpfung insgesamt verschwinden soll. Wäre das nicht ein moralisch viel befriedigender Zustand?

 

 

 

© Lars Gustafsson

 

traumraum

t
tr
tra
trau
traum
raum
aum
um
m

morgens
alptraumreste
mittags
tagtraumschnipsel
abends
tagtraumfetzen
nachts
alptraumnebel

und zwischen
mitternacht
und dem
frühen morgen
schlaflosigkeit
und dann
beginnt alles
wieder von vorn

t
tr
tra
trau
traum
raum
aum
um
m

 

 

 

© finbarsgift