Gedankensprung zum Ozean

Sie gleiten im heranströmenden Wind hin und her,
diese farbigen Großmenschendrachen des Abends,
der glitzernd helle Pazifische Ozean zu ihren Füßen
das Licht der untergehenden Sonne reflektierend.

Meine Gedanken des vergehenden Tages fokussieren
sich in aufblitzend hellen Geistesbrennpunkten
und bewirken einen hurtigen Erinnerungszeitsprung
zurück in ein wichtiges Jahr des letzten Jahrtausends,
als ich zum ersten Mal inmitten dieser grandiosen
Kulisse stand und Mutter Allnaturs Werk bestaunte.

Inzwischen sind viele, sehr viele Jahre vergangen,
teilweise auch verlorengegangen, aber nicht nur,
auch in den Weiten des Ozeans dahingetragen
und vom rebellischen Wind davongeweht worden.

Lediglich meine Gedanken, diese stets wilden,
eigentlich niemals wirklich zu zähmenden,
sich immer weiter und weiter drehenden,
sind immer bei mir geblieben, ganz ganz nah,
mit all ihren hellen und dunklen Schattierungen,
fokussieren sie sich mitten hinein in die immense
Anzahl an Brennpunkten meines regen Geistes:

Blitzschnelle Erinnerungssprünge,
zumeist seelengeboren,
oft auch körperinitiiert,
manchmal sehr diskret,
fast immer zuerst hauchzart,
selten im Kontinuum dahinfließend:

das Leben, ein virtuoser Drahtseilakt,
pendelnd zwischen Aufflug und Abgang,
zwischen lauschigem Himmel und jener
kakofonen Hölle explodierender Bomben,
ein lustvolles Schweben und Schwimmen,
launisch-lebendigen Delfinen vergleichbar,
die immer und immer wieder versuchen,
sich spielerisch gegenseitig zu übertrumpfen,
im Weitsprung über gewelltem Wasser,
oder auch wie diese Drachenmenschen,
die – Riesenmöwen gleich – lässig in der
wehenden Ozeanluft hin und her gleiten,
Tier wie Mensch, jederzeit bereit nach
unten abzutauchen oder hochzufliegen.

 

 

 

 

 

 

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