schön wär’s ja!

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© finbarsgift

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Der See (Beatrice von Stein)

Schimmernd im Abendlicht

spiegelt er die kahlen Äste der Bäume und eine blasse Sonne,

erhebt Tod und Vergänglichkeit zur Kunst,

und blendet das Auge mit Schönheit –

Oberflächlichkeit.

Rosen umranken seine Rundungen,

verhüllen die üppige Ausdehnung,

die Tiefe –

den Abgrund,

und irgendwie ähnelt er
manchmal

mir!

© BvS (Text)
© finbarsgift (Foto)

Die Ehre dieser Welt (Fontane)

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.

© Theodor Fontane

Erst später begreift man alles (Williams)

„Wolltet Ihr sie damals heiraten?“
„Ich glaube schon. Es ist viele Jahre her, Junge. Eins ist jedenfalls sicher: Ich wollte sie mitnehmen. Aber sie wollte nicht.“

Eine Weile sprach keiner von beiden. Um die dicken Burgmauern heulten die Sturmwinde wie von ihrem Herrn vergessene Hunde. Kerzenwachs tropfte und zischte.

„Wenn ihr noch einmal entscheiden könntet“, fing Simon schließlich wieder an, „wenn Ihr noch einmal dort sein könntet“, er rang mit dieser schwierigen Vorstellung, „würdet Ihr… würdet Ihr sie ein zweites Mal zurücklassen?“

Zuerst kam keine Antwort. Erst als Simon schon den Arm ausstrecken und Strupp sanft schütteln wollte, regte sich der alte Mann und räusperte sich.

„Ich weiß nicht“, meinte er dann langsam. „Es sieht so aus, als habe Gott alles nach seinem Plan geschehen lassen; aber wir müssen wählen dürfen, wie, Junge? Ohne eine Wahl gibt es nichts Gutes. Ich weiß nicht – ich glaube nicht, dass ich die Vergangenheit soweit aufrollen möchte. Besser, es bleibt, wie es ist, ob die Entscheidung damals nun richtig oder falsch war.“

„Aber hinterher kann man sich doch immer viel leichter entscheiden“, wandte Simon ein und richtete sich langsam auf. Strupp blickte starr in die flackernde Kerzenflamme. „Ich meine, in dem Augenblick, in dem man den Entschluss fassen muss, weiß man nie genug. Erst später begreift man alles.“

Auf einmal fühlte Simon sich mehr erschöpft als betrunken, von einer Welle von Müdigkeit erfasst und fortgespült. Er bedankte sich für den Wein und sagte dem alten Narren gute Nacht. Dann ging er hinaus in den verlassenen Hof und den schräg herabfallenden Regen.

© Tad Williams