Wahrheitsfindung und Vergangenheitsbewältigung

Das gleichmäßige Schweben im Gedankenstrom meiner stets hellwachen Erinnerungen treibt mich immer weiter voran, und während die Zukunft in der Gegenwart Tropfen für Tropfen einfällt und dann kristallin ausfällt und somit zu einer ersten, noch wachsweichen Vergangenheit wird, leuchte ich mit meiner Stirnlampe der Wahrheitsfindung und Vergangenheitsbewältigung in ihre längst festzementierten, diamantharten, teils sehr gut versteckten und oft dunklen Teile und Ecken und fürchte mich vor keiner der dort gemachten Entdeckungen mehr, auf der langen Reise ins Innere meiner ganz eigenen Welt, damit auch sie alle endlich auf der für mich offenen Landkarte meines Lebens ihren gebührenden Ort zugewiesen bekommen und eventuell als weitere Sehenswürdigkeiten festgehalten und markiert werden, ihren genauen Stellenwert erhalten, endlich, frei von erlittener Tragik und irgendwelcher Komik und der fatalen Tücke der zeitnahen, aber immer viel zu stark verzerrten Wahrnehmung, bei der losgelösten, menschlich entspannten Betrachtung aus dem notwendigen, gebührenden Abstand im immer weiter voranschreitenden Raumzeitkontinuum.

© finbarsgift

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Ruhe, seid endlich ruhig (Denis)

Und jetzt Ruhe,
ihr Mikrofonlutscher,
Heulbojen aus den Tonstudios,
ihr faden Wisperer,
Playbacksänger,
ihr Bercy-Großkonzertpilger,
Kreativ-DJs für hippe Analphabeten und abgedrehte Snobs durchgemachter Nächte,
ihr abgewrackten Rocker,
ihr abgerissenen Rapper,
ihr geblufften Bluffer, Kuschelmusiksänger ohne jeden Charme und
ihr vollgedröhnten stimmlosen Woodstockschreihälse,
ihr Hitparadensieger von Radio Kakerlake,
Improvisatoren billiger Lieder,
ihr hohlen Rapper der multikulturellen mediatisierten Vorstadtpseudorevolution,
ihr elektrifizierten Klampfenklimpferer,

Ruhe, seid endlich ruhig,
ihr auch, stocktaube Hörer des dauernden Geplätschers,
kreischende Fans unhörbarer Konzerte,
ihr jungen Diskodeppen,
ihr alten Neoklassiker aus den Vorstandsetagen,
ihr debilen Ideologen der Jugendmusik
und der rappenden Postmoderne,
ihr ministeriellen Musik-ist-gleich-Musik-Demagogen,
ihr Sturköpfe der niederbretonischen Folklore
und des Bantu-Singsangs,
ihr widerlichen Einheitssoßenmoderatoren,

Ruhe, seid endlich ruhig,
wer nicht ohne Mikro singen kann, soll gehen,
wer auf Englisch plärrt, soll den Mund halten,
wer behauptet, er würde in Diskotheken und auf Rave-Partys Musik hören,
soll bei Tagesanbruch für immer verschwinden,
wer Schlagzeug spielt, soll abhauen,

Ruhe, seid endlich alle ruhig,
Rockerinnen und Rocker,
Rapperinnen und Rapper,
Fummler und Zapper,
ihr Wanderer ohne Wanderung und
ihr Spaziergänger auf Rollen,
ihr Musikjogger und Läufer im Lärm,
Träger von Handys mit der Kleinen Nachtmusik
oder den ersten Takten der Fünften Symphonie,
taube Ohren, schreiende Münder,
Radio-Fernsehen, Musik für Moneten,
Kaufhaushintergrundmusik und
die von Flughäfen und von überall,
es reicht, zu viele Töne, zu viele Trommeln,
zu viel Zeugs aller Art,
es reicht,

seid endlich ruhig,
basta la musica,
Stille, nichts als Stille
und nur Stille…
der Vorhang öffne sich,
das Klavier präludiere,
und Herrmann Prey
beginne zu singen.

© Ariel Denis

Changes (Phil Ochs)

Sit by my side, come as close as the air,
Share in a memory of gray;
Wander in my words, dream about the pictures
That I play of changes.

Green leaves of summer turn red in the fall
To brown and to yellow they fade.
And then they have to die, trapped within
the circle time parade of changes.

Scenes of my young years were warm in my mind,
Visions of shadows that shine.
Til one day I returned and found they were the
Victims of the vines of changes.

The world’s spinning madly, it drifts in the dark
Swings through a hollow of haze,
A race around the stars, a journey through
The universe ablaze with changes.

Moments of magic will glow in the night
All fears of the forest are gone
But when the morning breaks they’re swept away by
golden drops of dawn, of changes.

Passions will part to a strange melody.
As fires will sometimes burn cold.
Like petals in the wind, we’re puppets to the silver
strings of souls, of changes.

Your tears will be trembling, now we’re somewhere else,
One last cup of wine we will pour
And I’ll kiss you one more time, and leave you on
the rolling river shores of changes.

Sit by my side, come as close as the air,
Share in a memory of gray;
Wander in my words, dream about the pictures
That I play of changes.

© Phil Ochs

Both Sides Now (Joni Mitchell)

Bows and flows of angel hair
And ice cream castles in the air
And feather canyons everywhere
I’ve looked at clouds that way

But now they only block the sun
They rain and snow on everyone
So many things I would have done
But clouds got in my way

I’ve looked at clouds from both sides now
From up and down, and still somehow
It’s cloud illusions I recall
I really don’t know clouds at all

Moons and Junes and Ferris wheels
The dizzy dancing way you feel
As every fairy tale comes real
I’ve looked at love that way

But now it’s just another show
You leave ‚em laughing when you go
And if you care, don’t let them know
Don’t give yourself away

I’ve looked at love from both sides now
From give and take, and still somehow
It’s love’s illusions I recall
I really don’t know love at all

Tears and fears and feeling proud
To say „I love you“ right out loud
Dreams and schemes and circus crowds
I’ve looked at life that way

Oh but now old friends are acting strange
They shake their heads, they say I’ve changed
Well something’s lost but something’s gained
In living every day

I’ve looked at life from both sides now
From WIN and LOSE and still somehow
It’s life’s illusions I recall
I really don’t know life at all

© Joni Mitchell

Reise ins Innere

Vielleicht ist es ja so,
dass wir dann zu unserer
wahren Lebensaufgabe gelangt sind,
zu unserer wahren Bestimmung,
zu unserer wahren Icharbeit,
zu unserem wahren Herzkern,
zu unserem wahren Seelensinn,
wenn wir nicht mehr wissen,
was wir jetzt noch tun sollen
in Anbetracht dessen,
was sich alles bereits ereignet hat,
was schon implodiert ist,
was schon explodiert ist,
was sich schon sublimiert
und transzendiert hat,
und dass wir erst dann
endlich unsere wahre Reise
antreten werden können,
die Reise ins Innere
unserer Gefühle,
unseres Selbst,
unseres Ich,
unserer hellen Seite
sowie vor allem
auch der dunklen,
wenn wir gar nicht mehr wissen,
wohin wir sonst noch gehen,
rennen, fahren, fliegen,
fernreisen sollen.

© finbarsgift