Travellin Light (Cale)

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Katathymes Meererleben

Neben meiner täglichen Erdmeditation praktiziere ich ab und zu auch noch eine andere sehr wohltuende Entspannungsmethode, das katathyme Bilderleben bzw. meine Variante davon, katathymes Meererleben.

Dazu setze ich mich ziemlich bequem in einen möglichst angenehmen Sessel oder lege mich auf ein Sofa oder direkt auf den Boden und schließe meine Augen.

Nach einer Weile Atemfokussierung und ruhiger werden, wenn das Gähnen kommt, dann lasse ich es einfach geschehen, beobachte ich das Kommen und Gehen meines Gedankenmülls im Kopf solange, bis sich die Gedankenfrequenz (und in Folge dann meistens auch die Herzfrequenz) deutlich erniedrigt hat.

Dann versetze ich mich in Gedanken z. B. an einen meiner absoluten Lieblingsorte auf dieser Erde, heute ist das ein langer Meerestraumstrand, wo ich eine Zeit lang mal fast jeden Tag mich getollt habe, nämlich die Torrey Pines Beach in La Jolla, nahe San Diego, Südkalifornien.

Wichtig ist, das katathyme Bilderleben an einem Ort zu praktizieren, an dem mann/frau vermutlich für mindestens eine halbe Stunde getrost die Augen zumachen kann und
aller Wahrscheinlichkeit nach ungestört bleibt.

In Gedanken beame ich mich also nach La Jolla, das kann aber auch wie in einem Flug über den weiten Ozean hinweg passieren, über das beeindruckende Festland von Nordamerika, Bilder wie zum Beispiel im Film Koyaanisqatsi von Godfrey Reggio und Philip Glass ziehen dann während meines Gedankenfluges, meines Schwebens durch Raum und Zeit bis dorthin dicht über Land oder auch in Wolkenhöhe an mir vorbei.

Irgendwann, wenn es Zeit wird für mich und meine Meditation durch katathymes Bilderleben, bin ich dann dort gedanklich angekommen, vielleicht noch nach einem kleinen Gleitflug über San Diego und dann raus in den schönen Vorort La Jolla, wo auch meine amerikanische Alma Mater, meine Uni aus Studienzeiten steht.

Die geistige Landung dort vor Ort auf dem großen breiten Strand fühlt sich dann an, wie wenn ich als eine weiße Feder herunterschwebe, ganz langsam an der großen,
hohen ockerfarbenen Felsmauer vorbei, bis ganz nach unten zum riesigen, meist menschenleeren Strand; meine gedanklichen Füße freuen sich dabei sofort über den
so angenehm weichen, unglaublich weißen Sand.

Nach meinen alten Freunden, den Delphinen, halte ich dann sofort Ausschau, denn sind sie da, dann habe ich keine Haie in dieser Traummeeresbucht zu befürchten und kann mich ein wenig in Toter-Mann-Stellung in den sanften pazifischen Wellengang legen, (ich stelle mir heute das Meer total ruhig dort vor), solange wie es mir gefällt.

Dabei kann es vorkommen, dass ich manchmal sogar das Plätschern des Wassers wahrnehme, dort vor Ort natürlich, in meiner Einbildung sowieso, aber auch hier Zuhause auf dem Sofa, dem Boden oder im Sessel.

Ich komme somit nun in eine Phase der tiefen Entspannung und Meditation, die ich solange sein lasse, mit mir geschehen lasse, wie ich mich wohl dabei fühle,
meist sind das aber nur wenige Minuten bis sich schon wieder das Pflichtgefühl in meinem Kopf, meinem Körper insgesamt wieder meldet und ich gedanklich zurückkehre.
Das geht meist viel schneller als das Hinfliegen zum Bilderbuchstrand.

Bin ich dann auch in Gedanken wieder zuhause auf dem Sofa, Boden oder im Sessel, so wie es mein Körper natürlich die ganze Zeit über war, dann öffne ich nach einer Weile sehr behutsam meine Augen (um mich nicht zu erschrecken), atme ein paar Mal tief durch, stehe langsam auf und lebe weiter mein Leben, nun allerdings wunderbar erholt und irrsinnig frisch, was Körper, Geist und Seele angeht.

Es ist schon immer wieder äußerst erstaunlich,
diesen unvergleichlichen Erholungseffekt
so hautnah nach dem praktizierten
und mich jedes Mal sehr erfüllenden
katathymen Meererleben
zu spüren…

© finbarsgift

Hamster im Riesenrad des Lebens

…endlich ist es wieder milder draußen vor der Tür, ich töffe und töffe und fühle mich immer wohler, egal wohin meine Gedanken während der Fahrten dann dabei auch abdriften, ob nach Nargon oder Jao e-Tinukai’i, Tübingen oder Heidelberg, NY oder Lancaster, die Sonne geht auch über dem Teutoburger oder Odenwald wundervoll auf, hab ich mir sagen lassen, erblüht, durchfurcht den weißlich bläulichen Himmel – mein Gott, wie viele Flieger dort inzwischen kreuz und kwer herumbrausen – und versinkt jeden Tag dann im wilden Westen, ein Merry-go-around-Mirakel, Mutter Allnatur erfreut sich dabei in sich selbst, und mein Herz verstolpert sich in gekonnt heftig erfrischenden, aber routiniert abgefangenen Extrasystolen vor lauter Lebensbegeisterung, manchmal kommt es dabei sogar zu einem absoluten Gedankenstopp, oder ist das eine jener Synkopen, ein kurzer Blick ins Nirwana, ins zauberschöne Nichts, warum ist eigentlich nicht nichts statt etwas, das kommt mir dann natürlich wieder mal in den Sinn, und der Klassespruch vom alten Sokrates auf dem Markt von Athen, was es doch alles so gibt, was ich nicht brauche, und so geht es mir ja auch meistens, wenn ich mal zufällig in einen Karstadt oder Kaufhof oder Mediamarkt gerade mich hineinverlaufe, Jesus Christ Super Star, tausende verschiedener LCD-Displays und Flachbild-TVs und mp3-player bis zum Abwinken und Handys soweit das Auge reicht und die Füße dich ohne Töff tragen, und dann diese immer wiederkehrende bange Frage in mir, las palabras negras, wo soll das denn bloß noch alles hinführen?!, danach der Blick auf eine der Billionen Zeitungen und Zeitschriften am Kiosk: die Hälfte der Arbeitnehmer/innen fühlt sich massivst gestresst, immer mehr Menschen versinken in ihren endogenen Depressionen und erholen sich davon zumeist niemals mehr, nachdem sie ihr totales Burn-Out-Syndrom gerade mal noch so überlebt haben, Herzinfarkt-geschädigt zwar oder Schlaganfall-versaut, kaum mehr sprechen, sich bewegen könnend, fast tierisch nur noch grunzend, kaum mehr wirklich lebendig, nur noch halb unter uns Lebenden, doch der Tag ist neutral, ihn kümmert all das nicht, und auch die meisten Leute scheren sich den Teufel darum, machen irgendwie das alles mit, müssen halt wohl das alles mitmachen, sparen eine Weile, wenn es reicht, um dann gekonnt und mit Freude touristisch das Geld zu verjubeln (nach mir die Sintflut), was soll mann/frau auch anderes tun, wozu ist das, was mühsam an Kohle verdient wird denn sonst überhaupt gut?, es ist schon alles gut so wie es ist, oder?, wie sollte es denn auch anders gehen?, irgendwie muss doch das Lebensrad sich weiterdrehen können, warum also nicht so?, sozusagen monetär geregelt, naja, mir geht’s ja selber auch mehr oder weniger so, zu viele Abhängigkeiten als armer kleiner Hamster im Riesenrad des Lebens, das sich völlig erbarmungslos – zusammen mit dir und deiner Rennerei – immer weiter dreht, und erst durch deinen Tod plötzlich angehalten wird…

© finbarsgift

Erdmeditation

Die von mir so getaufte Erdmeditation ist eine hervorragende – zumindest für mich, weil maßgeschneiderte – Methode, die beste und einzige, die ich kenne, die wirklich bewirkt, dass die tagsüber verbrauchte Lebensenergie zumindest zum Großteil relativ rasch in mich zurückströmt und mich wieder mit flottem Lebenselixier versorgt.

Die Erdmeditation besteht aus mehreren Komponenten und ist durch das Werk dreier wundervoll humaner Menschen inspiriert, die mir stets sehr nahe sind und die ich sehr schätze: Da wäre einmal Jon Kabat-Zinn, ein wichtiger Vertreter der modernen Achtsamkeitsphilosophie und -psychologie, dessen Bücher „Zur Besinnung kommen“ und „Im Alltag Ruhe finden“ ich inzwischen beinahe komplett verinnerlicht habe, dann der wunderbare Dalai Lama und dessen Buch „Die Regeln des Glücks“ sowie natürlich last but really not least Marc Aurel mit all seinen lebenswichtigen Gedanken in „Wege zu sich selbst“.

Kabat-Zinn definiert in seinen Büchern eine Seemeditation so: sich ausgestreckt auf den Boden legen und sich dabei einbilden, als „toter Mann“ auf einem ruhigen See zu liegen und zu meditieren. Ich habe dieses Sinnbild für mich abgewandelt, da mich die Vorstellung rücklings auf einem See zu liegen eher unruhig werden lässt, zur sogenannten Erdmeditation, einfach statt dem See die Erde, Boden, fester Boden unter meinem Rücken, Erdverbundenheit, das passt viel besser zu mir, als einer der im Sternzeichen Jungfrau geboren wurde. Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht das wie folgt aus.

Wenn ich nach der täglichen Arbeit erschöpft, etwas angeschlagen und ziemlich groggy endlich wieder zuhause in meinen vier Wänden bin, sich alle Körperteile und vor allem auch das leitende Prinzip der Seele matt und schlapp anfühlen und tatsächlich auch sind, dann schnappe ich mir eine blaue oder rote Decke, nicht zu dünn und nicht zu dick, breite sie auf dem Boden aus zu einem Zwei-auf-ein-Meter-achtzig-Rechteck und lege mich rücklings passend – entkleidet bis auf die Unterhose und das T-Shirt – darauf und strecke alle viere von mir: die Erdmeditation kann losgehen.

Zunächst liege ich für ca. 5 Minuten regungslos – sozusagen wie tot – mit geschlossenen Augen und beobachte konzentriert meinen Atem wie er – am Anfang noch ziemlich hektisch – durch die Nase ein- und ausströmt. Ich versuche mich in dieser Phase immer und noch ausschließlich auf meinen Atem zu konzentrieren, auch wenn die wilden verrückten Gedanken wie ein Beelzebub andauernd im Quadrat herumspringen (so wie auch mein Herz), Gedanken, dieser zumeist nur Müll des Gehirns.

Kaum merklich wird nun allmählich – innerhalb weniger Minuten nur – mein Atem, mein Quell des Lebens, langsam ruhiger; selbst die Gedanken, diese oft quälenden, beruhigen sich nun langsam, wenn gleich sie immer noch wie leuchtende Blitze durch meinen Kopf schießen, aber in deutlich geringerer Frequenz. Es ist in dieser ersten Phase der Erdmeditation immens wichtig, die Gedanken, alle die da kommen mögen, einfach nur geschehen zu lassen, sich absolut nicht darum zu kümmern, sie kommen und gehen, einfach vorbeiziehen zu lassen, das ist sehr wichtig, wenn auch sehr schwierig, also i.d.R. erst nach viel Übung erreichbar, wenn überhaupt.

Auf dieser, meiner Decke zu liegen fast wie ein Toter, absolut erdverbunden und ohne die alltägliche Last der Schwerkraft zu spüren, beruhigt (mich) enorm, so dass ich oft schon nach lediglich so ca. 5 Minuten – während ich weiterhin meinem Atem mit Aufmerksamkeit folge – bereit bin für den nächsten Schritt der Erdmeditation, den sogenannten Körperscan.

Der Körperscan setzt bei mir immer bei der rechten Hand ein, danach wandere ich gedanklich den rechten Arm hinauf bis zum Hals, alles an der Oberseite meines fest auf der Erde liegenden Körpers, alle Arme und Beine sind von mir gestreckt (etwa so wie bei Leonardo da Vincis berühmter Manpower-Zeichnung); vom Hals geht der Körperscan zunächst über das Gesicht, bis zum Scheitel des Kopfes und dann über dessen Rückseite, den Hals und dann den Rücken gedanklich hinunter bis zum Gesäß; dabei versuche ich überall, wo ich an meinem Körper gedanklich ankomme, sozusagen mich näher hinzoome, genau und ausführlich zu spüren, wie dort die Lage ist; d.h. sind Schmerzen da oder Verkrampfungen, und falls dies so ist, dann verstärke ich mein dort Hineinspüren (halte den Körperscan also kurz an), lenke meinen lebenspendenden Atem mit voller Konzentration und Kraft genau dorthin, genau an diese mich plagende Körperstelle, solange, bis sie sich wenigstens etwas besser anfühlt.

Was hier rasch nacheinander aufgezählt wird, sozusagen als Reiseweg meinen Körper entlang, rauf und runter, geschieht in Wirklichkeit ganz langsam, bloß keine Eile beim Körperscan – das ist oberstes Gebot -, sondern nach dem Motto „Verweile doch, es ist so schön (an jeder Stelle des Körpers)“ muss das gehen, das ist das wichtigste, bloß keinen Stress, keine Hektik auch hier noch!.

Vom Po aus geht der Körperscan dann weiter den unteren Teil des rechten Oberschenkels entlang über die Unterseite des Knies bis zu rechten Ferse, vor zu den Zehenspitzen, von dort zurück auf der Vorderseite des rechten Beins, nun über die untere Mitte meines sich nun immer weiter entspannenden Körpers, bis zu den Geschlechtsteilen, hinan die Unterseite des linken Beins bis hinunter zur Ferse, dort Drumherum und dann über die Zehen, auf der Oberseite des linken Beines Richtung Kopf zurück und weiter den Körper hinauf bis zum linken Oberarm, hinab über den Ellenbogen bis zur linken Hand: Ende des Körperscans.

Je nach dem Ausmaß an Zeit, die mir für die Erdmeditation zur Verfügung steht, mache ich entweder nur den gedanklichen Körperscan (so wie gerade beschrieben, d.h. ohne meinen Körper dabei zu bewegen) oder den etwas aufwändigeren Muskel-an-und-entspannung-Körperscan nach Jacobson (auch PME genannt), wobei jeder der gerade aufgeführten Körperteile dann jeweils auch noch kurz angespannt und nach einigen Sekunden wieder entspannt wird. Hierdurch ist es möglich, einen noch tieferen Entspannungsgrad zu erreichen als mit dem puren gedanklichen Körperscan, deshalb mache ich diesen immer dann, wenn ich genügend Zeit habe oder sie mir einfach schenken will oder muss, wenn ich z. B. akute Schmerzen irgendwo habe.

Nach dem Körperscan liege ich noch so lange wie ein Toter mit geschlossenen Augen am Boden, bis ich spüre, dass mein Lebensakku sich – das geschieht ausschließlich in diesem tiefen Entspannungszustand, in dem ich mich nun befinde – rasch wieder auflädt.
Das Signal „aufgeladen“ ertönt plötzlich wie von selbst nach einer gewissen Tiefenentspannungszeit und ist der Impuls, den ich verspüre mich dann wieder zurückzunehmen, also diesen sich unvergleichlich wohlig anfühlenden, wundersamen magisch warmen Prä-Todes-Zustand wieder zu verlassen und ins alltägliche Leben (nun wieder mit großer Freude und Kraft!) zurückzukehren.

Der Impuls dazu lässt mich räkeln, gähnen und strecken nach Belieben und die nächste Phase setzt ein und besteht aus einem vorher genau festgelegten und individuell auf den jeweiligen Übenden maßgeschneiderten kleinen Programm an Yoga-Übungen, die zunächst langsam, dann immer rascher ausgeführt werden; ca. 10 Minuten langen. Bei mir sind als Übungen immer mindestens dabei: Kobra, (diagonale) Katze, Hund, Baum, Sonnengruß, aber da variiere ich nach Lust und Laune.

Danach sind mein Körper, mein Geist und meine Seele wieder bereit, das weitere Leben ebenso genussvoll zu leben, und das mit zurückgewonnener optimaler Lebensenergie in nur insgesamt ca. einer halben Stunde (täglicher) Erdmeditation.
Der Abend kann frisch und munter nun folgen und auch eine ruhelose, selbst schlaflose Nacht (dann allerdings mit viel Lesen!) kann diesem abendlichen Regenerationsprozess kaum Schaden zufügen, denn ich bin nun wieder fit wie ein Turnschuh und lebensfroh bis mindestens zum Mittag des nächsten Tages, bis dann nach einem erneut langen, mühevollen Arbeitstag  meine Erdmeditation mir dann erneut ermöglichen wird, mein mir noch verbleibendes Leben auch tatsächlich bewusst und kraftvoll weiterzuleben.

© finbarsgift