Tsunamis des Lebens wegtanzen

Gestern Abend war mal wieder Tanzen angesagt, trotz wilder Windstürme,

die mir tagsüber den Atem nahmen und hoher Wasserwellen des Lebens,

die mir ausreichend hart ins Gesicht peitschten!

Mit letzter Kraft schaffte ich an der Hand meiner entzückenden Tanzpartnerin

den Weg in den Tanzclub und ließ mich fast ohne Antrieb von der gerade

noch für mich hörbaren Musik einfangen und leicht dahintreiben.

Es ist schon erstaunlich, wie so ein Tanzabend dann diese übermächtigen

Windstürme und Tsunamis des Lebens so nach und nach kleiner und ungefährlicher

werden lässt, immer wieder entrückend dies zu spüren, zu erleben!

Die Arme meiner Tänzerin mussten am Anfang ganz schön mächtig mich durch

die Massen der Tanzenden führen, doch allmählich kam auch der Führungswille

in mir selbst wieder zurück und sie lächelte mich an, als sie merkte, dass sie mir das

Tanzsteuerrad bald wieder überreichen konnte ohne Tanzschiffbruch mit mir

zu erleiden.

Und nach ca. einer tanzenden Stunde kam auch mein Humor, den sie so sehr

an mir schätzt, wieder zurück und ich fing an sogar meinen Hasstanz zusammen

mit ihr zu zelebrieren, diesen Foxtrott mal wieder nach Strich und Faden

lachend zu verhonepiepeln und durch die Gegend dabei zu hoppeln wie ein

Häschen auf der Flucht;

wir mussten schliesslich den Tanz abbrechen und laut schallend lachen

über mich Möchte-Gern-Tanz-Marlon-Brando, und das taten auch mit uns

mitlachend die Paare neben uns.

Das Leben hatte mich wieder, ich bekam wieder ausreichend Luft und

konnte befreit den Rest des Abends bis hin zur mitternächtlichen Stunde

ausdauernd den geliebten Sambatango tanzen.

Am Ende waren wir total erschöpft und schweissgebadet, aber glücklich und

zufrieden mal wieder die Tsunamis des Lebens besiegt zu haben.

 

 

 

 

 

© finbarsgift

Tsunamis des Lebens

Manchmal wirst du vom Leben so arg in die Zange genommen,

dass du wie hilflos jaulend von einer Ecke des Zimmers in die

andere rennst, auf der Suche nach irgendeinem eleganten

Ausweg, doch so wie das Zimmer keinen hat, sondern nur

einen ganz normalen, gilt es auch, das ganz normale Leben,

jede Sekunde davon, zu leben, zu durchleben, nichts davon

kann übersprungen oder gar verhindert werden, in der Hoffnung,

dass sich diese immer wiederkehrenden Tsunamis des Lebens,

die gerade um dich herum toben wie wild gewordene Pferde,

über dir, unter dir, neben dir, und dir die Atemluft abschnüren,

dich schier erstickend, ersäufend, dich mit kapitaler Gewalt

niederwerfen und hinwegschwemmen, dass die auch mal wieder

erlahmen könnten, sich beruhigen und auch irgendwann dich

wieder loslassen und du dann noch genügend Kraft hast, mit

dem übriggebliebenen zauberschönen Leben fortzufahren.

© finbarsgift

gefährlicher lebensgrat

unser lebensgrat ist gefährlich holprig
er gleicht einer vertracktschwierigen wanderung
auf dem schmalen rande eines aktiven vulkans

erstaunlicherweise gelingt dieser
einmalige lebensliebesrundweg ohne
irgendeine probe unglaublich vielen

denn nur ab und zu stürzen mal ein paar
leute nach innen in die tödliche glut oder
nach aussen in den mitreissenden abgrund

vor ihrer zumeist überraschenden
sublimen individuellen
transfiguration

© finbarsgift