Herbstblattwerk

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© finbarsgift

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Sommer ade

Überall dort, wo ich lesend in den diversen Blogwelten hinsehe, herrscht schiere Einigkeit in der Trauer darüber, dass der Sommer nun wohl endgültig vorüber ist, nur bei mir nicht, Sommer ade.

Denn ich freue mich jedes Jahr darüber, vor allem, weil mir die beiden extremen Jahreszeiten, Sommer und Winter bei weitem nicht so liegen wie die beiden gemäßigteren, aber vor allem – weil ich auch von Geburt her ein Herbstkind bin und weil ich außerdem den Herbst einfach sehr, seeeehr liebe, also Sommer ade.

Natürlich ist es vor allem auch der herbstliche Change of Colours, der dann zunehmend über Wochen meine Sinne – alle – so betören kann wie es ansonsten nur musikalische Klänge vermögen.

Denn was gibt es berauschenderes als die Blätterfarbenherbstpracht in der Natur anzusehen und zu bewundern mit stockendem Atem schier zum Klang der ersten oder vierten Brahmssinfonie, vor allem deren Schlusspassacaglia, einem der zauberschönsten Musikstücke, die jemals von einem Menschen komponiert wurden.

Irgendwie ist mir heute danach, dies einfach mal mit ein paar sehr wenigen Worten hier in meinem Weblog festzuhalten.

Und nun hinaus in den goldenen Septembertag — wie ein realgewordener Glückstraum ist es gerade draussen hier im wilden Süden der Republik, und in ihm möchte ich nun wandeln und jede Ecke davon erkunden… also Sommer ade;

und du, mein lieber Herbst, komme nun so nahe wie du kannst in meine warmen Arme, ja an meine sonnengewärmte Brust und auch noch gaaanz nahe – so nahe wie möglich – meinem Herzen!

 

 

 

 

 

 

© finbarsgift

Bewältigung (Paoli)

 

Und weil ich einst in dunkelsel′ger Stunde
Dir weihte meines Lebens Lust und Gram,
Weil gottbegeistert ich von deinem Munde
Der Liebe süß bestrickend Wort vernahm,

Weil meine Brust an deiner hat gelegen,
Weil einst dein Haupt geruht in meinem Schooß,
Und weil als frommer, heil′ger Liebessegen
Auf deine Stirne meine Thräne floß;

Weil du verstanden meiner Pulse Beben,
Weil einst mein Kuß geglüht auf deiner Hand,
Weil ich ein Theil einst war von deinem Leben
Und weil du mich einst deine Braut genannt: –

So wird fortan in allen künft′gen Tagen
Hoch über allem Schmerz und aller Lust,
Dein Bild als ew′ge Pyramide ragen,
In der Sahara meiner tiefsten Brust.

Wohl oft verhilft der Zeit zu grausen Siegen
So manches Herz durch schnöden Selbstverrath;
Doch meines wird ihr nimmer unterliegen –
Es hat mehr Flammen, als sie Asche hat!

Wohl oft erstirbt an bittrer Nichterhörung
Die Liebesglut in einer Thräne Naß;
Doch meine lebt gesichert vor Zerstörung,
Denn noch viel stärker ist sie, als dein Haß!

© Betty Paoli (* 30.12.1814 , † 05.07.1894)

Wer machte dich so krank? (Kerner)

 

Daß du so krank geworden,
Wer hat es denn gemacht? –
Kein kühler Hauch aus Norden
Und keine Sternennacht.

Kein Schatten unter Bäumen,
Nicht Glut des Sonnenstrahls,
Kein Schlummer und kein Träumen
Im Blütenbett des Tals.

Kein Trunk vom Felsensteine,
Kein Wein aus vollem Glas,
Der Baumesfrüchte keine,
Nicht Blume und nicht Gras.

Daß ich trag‘ Todeswunden,
Das ist der Menschen Tun;
Natur ließ mich gesunden,
Sie lassen mich nicht ruhn.

 

 

 

 

 

 

© Justinus Kerner

 

Stille Tage in der Kesselstadt (3)

 

So, 2.8. – Sa, 8.8.

 

In der Nacht zum Sonntag hatte noch meine Frau angerufen und sich lieb danach erkundigt, wie denn die ersten beiden Tage mit den Kids waren. Und ich erzählte ihr kurz und bündig von meinen Erlebnissen und all unseren intensiven Gefühlen dabei.
Ich konnte vor meinem geistigen Auge ganz genau sehen, wie sie dann über meine Schilderungen am anderen Ende der Leitung (Telefonfunknetze waren damals noch reine Utopie) lächelte. Es war sehr lieb von ihr mich um Mitternacht herum noch anzurufen. Und dann teilte sie mir noch kurz mit, dass es unserem gemeinsamen süßen Kleinkind sehr gut ging, zusammen mit ihr, im niederländischen Land bei guten, alten Freunden, und dass es nur ab und zu „wo ist denn der Papa?!“ fragte und sie ihm dann sorgsam zu erklären versuchte, was sich gerade ereignete.

Die Besuchswoche meiner drei USA-Kids verlief ansonsten nach einem ziemlich ähnlichen, täglichen Muster: sie schliefen relativ lang, dann frühstückten wir relativ kurz und danach machten wir vormittags immer einen kleinen Ausflug in die nahe Gegend, und am Nachmittag verzogen wir uns allesamt – wegen der anhaltenden riesengroßen Affenhitze – so lange wie möglich in verschiedene Schwimmbäder, einmal in das Neckar-nahe Inselbad in UT, dann natürlich in eines meiner Lieblingsbäder, dem Mineralwasserbad Leuze in Bad C., das weit ausladende Freibad in F. unterhalb des schönen Kappelberges und einmal sogar an einen kleinen See im zauberschönen Schwäbisch-Fränkischen Wald.

Zwischendrin trugen wir auch immer mal wieder eine Tetris-Meisterschaft aus, die stets mit einem Höllenlärm vor dem PC verbunden war – wer wird heute siegen?! Das war eine der wichtigsten zu klärenden Tagesfragen – oder computerspielten diverse Jump ’n‘ Run Games, der Renner aller Kids in jenem Alter.
Oder aber – was besonders schön für mich war – der kleinste meiner Kids zeigte ein großes Interesse an meinem damaligen Synthesizer. Und dann zeigte ich ihm, wie er genau funktionierte, was die vielen Knöpfe und Tasten und Buttons usw. alles bewirkten und was für elektronische Sounds und Tricks und Gimmicks er drauf hatte (ach war der süß, da in meinem Schoß, der kleine Sohn, auf meinen Knien beim begeisterten Gucken und dann natürlich auch beim Selber(herum)spielen am Wundergerät, herrlich!)

Natürlich kam auch die damals gerade laufende Olympiade nicht zu kurz und eine Reihe wichtiger Entscheidungen sahen wir uns mit großem Interesse zusammen am TV an, oft bis spät in die Nacht hinein, bevor dann alle der Reihe zum Duschen ins Bad und anschließend – stets todmüde – ins Bett verschwanden.
Bei dieser sengenden Hitze von zumeist über 35 Grad im Schatten tagsüber, hätte ich mich ja zig Mal immer wieder und immer wieder unters erfrischende Nass stellen können, egal wo, um einigermaßen fit mit diesen äußerst lebendigen Kids energetisch mithalten zu können.

Das mittelalte Kid saß relativ oft allein vor dem PC – wirkte irgendwie ein wenig verloren in meiner Wohnung ohne seine Mutter – und computerspielte oder las in seinen mitgebrachten Comic-Heften; ich bemerkte natürlich sehr bald, dass er sich absonderte, nicht wirklich etwas „mit mir zu tun“ haben wollte, während dieser einen Woche, wohl einfach nur abwartete, bis sie endlich für ihn vorbei war, und dann auf ewiges Nimmerwiedersehen, du sogenannter fast immer abwesender Vater.
Einmal entwischte ihm dieser Spruch hier, den ich nicht mehr vergessen konnte: „Ein Papa, der am Abend nicht zusammen mit Mama und seinen Kindern gemeinsam Zähne putzt, der ist kein richtiger Papa.“

Irgendwann dann gab ich es auf, ihn während dieser nur einen Woche, diesem äußerst kurzen Zeitraum – in familiären Anwesenheitskategorien gedacht – für mich (wieder) zu gewinnen; ich musste einfach erkennen und schlucken und akzeptieren, dass all meine Bemühungen damals bei ihm so gut wie nichts (mehr) fruchteten…
manchmal ist es eben genau so hier:
„du kannst im Leben nicht erzwingen, dass dich ein anderer Mensch liebt; auch bei den eigenen Kindern ist das so.“

 

 

 

 

© finbarsgift

 

Fuchs und Rabe (Ougenweide)

 

Ein vuhs zuo einem rappen sprach
der hoch uf einem boume saz
und truoc ein kaese in sinem snabel
her rappe, ir sint gar kluoc.
So schönen vogel ich nie gesach,
nie lerche noch galander baz
gesang dan ir sus ich niht zabel,
ich horte es gerne gnouc.

 
Der rappe dur den valschen pris
mit luter stimme im sinen sanc erborte.
des viel der kaese im underz ris
in krift der vuhs, den sanc er gerne horte.
Sus gent guot toerscher herren vil
dur valschez lop, dur smeichen liegen triegen
wol fougt den affen toren spil,
ez gent die narren gerne ir guot den giegen.