Zwiefaches Herz (Sertorius)

 

Hier zu sein, gefangen im Winter, hart und
Klein wie ein Eiskristall, an den starren Boden
Angefroren, über den Augen des Herzens
Diese blaue Eisschicht, in der das Licht sich
Bricht wie in Tränen;

Und zu warten, dass Sommer wieder
Alles wandelt und dass die Erde
Wieder, ein kleiner Edelstein, inmitten
Dieses großen singenden Weltalls kreist
Und die Liebe, nicht meine, eine andere
Spricht: O Herz, du unendliches Zelt! –

Dieser angstvolle Wechsel, ungewisser
Als der Regen, der gelbe Blüten
Im Geröll weckt, und ungewisser
Als der Wind, der den bittern Nebel
Leicht wie im Spiel auseinander treibt –
Dieser Wechsel ist meine Welt.

 

 

 

 

© Lili Sertorius (1901 – 1972)

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32 Kommentare zu “Zwiefaches Herz (Sertorius)

  1. Hat fast etwas vom Sprachbild Hesses und gefällt mir sehr gut…

  2. Anna-Lena sagt:

    Ein Wechsel ist immer eine spannende, aber auch bedenkliche Angelegenheit, solange die Richtung nicht eindeutig ist.
    Hab einen schönen Sonntag, lieber Lu.

  3. bruni8wortbehagen sagt:

    oh, was für eine Sprache ist es… Mich friert ein bisschen.

    Ich muß es sickern lassen, dann wieder lesen, lieber Finbar.
    Wie hast Du es gefunden? Ich finde nichts Ausführliches über sie.

    Und wieder gelesen und wieder. Der Schreck vergeht, die Gedanken kommen wieder,
    einer nach dem anderen

    Ein Herz, das friert, in der Kälte friert? In der Kälte menschlicher Eiszeit?
    Und doch ist da der Gedanke an einen Wechsel der Gefühle, die sie für sich aber schon ausschließt… weil es zu spät scheint – wie sie meint. Im Moment des Schreibens…

    Wieder lese ich ihre Zeilen und erkenne in meinen eigenen sehr anderen Zeilen von heute
    eine merkwürdige Ähnlichkeit, wenn ich mich tief hineindenke

    Das sollte ein gutes Gedicht immer können: Zum intensiven Denken anregen
    Hier ist es sehr der Fall!

  4. kinder unlimited sagt:

    das Gefallen am Wechsel, dem Risiko, der Ungewissheit…ist nicht nur Lilis Welt 😉 wunderbare Zeilen

  5. Lilith sagt:

    Touched mich nicht, liest sich aber schön.

  6. Flowermaid sagt:

    … sie weiss wovon sie spricht… und stirbt jedes mal ein bisschen mehr… kristallene Herzensnaturzeilen…

  7. kowkla123 sagt:

    sehr schön und immer prüfen, wünsche eine gute kommende Woche

  8. Diese Sehnsucht immer nach dem Sommer … nach dem, was gerade nicht ist …
    „Angstvoll“? … Wenn die Erwartung groß ist … vielleicht.
    Ich bin so versöhnt – dieses Jahr mit diesem Winter (ich staune selbst) …
    und sogar die Nebel erschienen mir lieblich.

  9. Poeta sagt:

    Das hast Du gut ausgewählt lieber finbar, für diese Tage, die den Wechsel anzukündigen scheinen. Die Vögel, die noch vorm ersten Lichtstreif überm Waldsaum anschlagen und die alle Nacht lang jammernden Katzen und dann wieder völlig sinnfreie Schneeflocken, die vom grauen Wolldeckenhimmel rieseln… Ich freue mich aufs googeln. Die Dichterin kannte ich noch nicht, aber was sie da schreibt, trifft tief und wunderbar…

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