Alternative (Domin)

Ein Mandelbaum sein,
eine kleine Wolke
in Kopfhöhe über dem Boden,
ganz hell,
einmal im Jahr.

Einer im kleinen Stosstrupp
des Frühlings,
keinem zu Leid als sich selber,
im Glauben an einen blauen Tag
vor Kälte verbrennen.

Ein kleiner Mandelbaum sein
am Südhang der Pyrenäen
oder im Rheintal,
der bleibt und wächst
wo er gepflanzt ist.

Aber entlang gehen
bei diesem Mandelbaum
oder ihn plötzlich sehn,
wenn der Zug
aus dem Tunnel kommt!

Lachen und Weinen und die unmögliche
Wahl haben
und nichts ganz recht tun
und nichts ganz verkehrt
und vielleicht alles verlieren.

Doch, mit Ja und Nein und Für-immer-vorbei,
nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

© Hilde Domin

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107 Kommentare zu “Alternative (Domin)

  1. kinder unlimited sagt:

    als Mandelbaum immer so herumstehen….nein, das wäre nichts für mich….aber sonst sind sie wunderschön…besonders deren Blüte (lies mal Rita, die kenne ich nämlich gut;-))

    • finbarsgift sagt:

      Bäume sind immer zu beneiden, denn sie ruhen so wundervoll in sich, wie es kein anderes Lebewesen sonst kann…

      Ach soooooo?! *g* die kennst du gut?! Na sowas!! *hehe*

    • finbarsgift sagt:

      Ps:
      Hier habe ich mal ein Poem verfasst, in dem ich auch mal kurz als Baum auftrete
      *lächeln*

    • Flowermaid sagt:

      … die Blumenbedienstete liebt Achtung vor Persönlichkeiten…

      • kinder unlimited sagt:

        Achtung vor dem Baum oder vor Dir……ich eher vor Dir 😉

        • Flowermaid sagt:

          … wie immer ist Liebe gefragt ohne entscheiden zu müssen… 😉

          • kinder unlimited sagt:

            dann lass Dich nicht bremsen 😉

            • finbarsgift sagt:

              jaja, die Liebe… immer bereit dazu…und überall…

              • kinder unlimited sagt:

                dazu sind wir ja konditioniert worden 😉

                • finbarsgift sagt:

                  Ja, leider, und beim Sex ist die Konditionierung noch übler…

                • finbarsgift sagt:

                  Ps:

                  Ad Liebe:
                  Hast du in unserer Gesellschaft keinen Liebhaber, bist du ein armer bedauernswerter Mensch zweiter Klasse – so ein Schwachsinn!!

                  Ad Sex:
                  Wir leben in einer sexuellen Leistungsgesellschaft!
                  Und das finde nicht nur ich furchtbar, denn sie macht auf Dauer Körper, Geist und Seele krank!

                  • kinder unlimited sagt:

                    Diese Entwicklung ist an mir vorbeigegangen 😉

                    • finbarsgift sagt:

                      Das klingt gut 🙂

                    • *lächel*, an mir auch und nicht nur an mir

                      Sexuelle Leistungsgesellschaft
                      wie schrecklich das klingt. Wird der Sex hier benotet, bewertet? Wer vergibt die Noten? Und wozu?
                      Ich kann es nicht ernst nehmen. Wer es ernst nimmt, wird nie den Sinn des Lebens begreifen und ich bedauere ihn sehr

                    • kinder unlimited sagt:

                      ich denke, es ist eine Strömung der Selbstfindung, die im Ansatz schon zum Scheitern verurteilt ist! Ich glaube, ein wirklich funktionierende Beziehung ist das wichtigste und schwierigste und gleichzeitig befriedigendste, was man in einem Leben erfahren kann…der Rest ist Spielerei, die einen dem Ziel nicht näher bringt , eher davon entfernt! Ich glaube, Dich auch so zu verstehen, liebe Bruni. Im Grunde beschreibt ja auch alle Poesie und Literatur diesen Zustand!

                    • finbarsgift sagt:

                      …ein wundervoller, menschlicher Kommentar…

                    • kinder unlimited sagt:

                      danke 😉 ich gehöre damit tatsächlich dieser Spezies an

                    • kinder unlimited sagt:

                      und Sex ist einfach die wunderbare Krönung, die diesem Zustand die Würze gibt. Isoliert zählt meine Meinung nach Sex nicht viel…aber das ist meine persönliche Meinung!

                    • und wie soll frau/mann sich selbst dann finden können? Das Finden geschieht über sehr andere Dinge, liebe Ann. Ich vermute, Du hast er auch erfahren im Laufe der Jahre.

                      Poesie beschreibt, nach was ihr der Sinn steht und manchmal steht ihr der Sinn nach dem, was man meist als Liebe bezeichnet und doch ist darin vieles enthalten, was von Liebe so weit entfernt ist, wie der Storch von der Libelle *g*

                    • kinder unlimited sagt:

                      Genau so sehe ich das auch. Ich verurteile aber andere Menschen nicht danach. Im Grunde sucht jeder seinen ganz eigenen Platz in diesem Leben, um sein besonders kleines Glück zu finden und das ist individuell.Ich mag den Weg und er sieht in jedem Lebensabschnitt anders aus. Mir gefällt auch die Ungewissheit…
                      Und bezueglich Poesie. Sicherlich liest auch jeder dann daraus, was in seinen Lebenstraum passt und das macht es interessant!

                      Du gehst Dinge so ganz anders an als ich und ich finde das spannend!

                    • oh ja, ich gehe sie anders an, liebe Ann, es kann gar nicht anders sein…
                      Ich geh immer mitten hinein und arbeite mich meist sogar zum Kern vor :-), der ja nicht unbedingt am Anfang zu erkennen ist (ubs, wenn Finbar das nun liest; ich sehe ihn sowieso beim Lesen schon sehr schmunzeln)
                      In der Poesie sind Dichter sehr unterschiedlich, so unterschiedlich wie alle anderen Menschen auch und die Persönlichkeit des Schreibenden zeigt sich darin, wie er die unterschiedlichsten Themen angeht *g*
                      Eines weiß ich genau, Glück ist so individuell wie der Mensch an sich und Glück liegt bestimmt nicht wirklich darin, Sex haben zu können, es liegt viel eher in den kleinen und oftmals sehr unscheinbar scheinenden Dingen des Lebens und dann können diese kleinen Dinge, die sehr großen sein…

                    • kinder unlimited sagt:

                      Die meisten menschen erfahren literatur aber erfahrungsorientiert, sie suchen sich das heraus, was zu ihnen passt, interpretieren etwas hinein, was in ihr Weltbild passt und je unpräziser ein Autor ist, desto mehr Freiraum lässt er dem Leser!

                      Ich stimme Dir auch bei Deiner Glücks Definition zu, nur Sex kann da meiner Meinung nach ruhig zugehören 😉 es ist halt nur nicht das wichtigste, das wertvollste…..aber die ultimate Nähe in einer funktionierenden Beziehung…..

                      Ich spüre nur, dass wir beide viele Dinge gleich sehen, aber doch mit völlig anderen Augen!

                    • *lächel*, liebe Ann, wir sind ja auch zwei sehr unterschiedliche Menschen.

                      Durch die Vielseitigkeit des Sehenkönnens kommt Farbe in die Welt und wenn sich die Gedanken tolerieren, ergibt sich oft eine haltbare Basis.

                      Sex ergibt vermutlich auf Dauer nie die Basis, auf der intensive Freundschaft oder auch Liebe aufbauen kann…

                      Lieber Finbar, was meinst Du dazu?

                      Aber jetzt wünsche ich Dir vor allem eine gute und ungestörte Nacht

                    • kinder unlimited sagt:

                      danke, das wünsche ich Dir auch. ich schaue mir gerade einen Film über Investmentbanking in den USA und die Machtlosigkeit der Staatsanwaltschaft 😉 Habe schöne Träume , Bruni und es war mir ein Vergnügen, ein wenig Gedanken auszutauschen. Ganz besonders liebe Grüße an Dich, liebe Bruni ….Ann

                      PS: Habe schnell das e nach an habe gesetzt, weil ich weiss, dass es Dir wichtig ist 😉 Träum schön !

                    • finbarsgift sagt:

                      Ich meine dazu, dass ihr zwei hier einen sehr feinen, klugen Dyalog geführt habt,
                      und dass ich euch hierfür sehr dankbar bin!

                    • bruni8wortbehagen sagt:

                      WAS ist mir wichtig? Meinst Du das e an habe? Liebe Ann, das ist mir piepegal *hih

                    • kinder unlimited sagt:

                      Bruni, dann habe ich dich damals missverstanden. Ganz am Anfang hatten wir einmal eine Diskussion über die deutsche Sprache. Ich dachte mich daran erinnert zu haben. Tschuldige, habe einen schönen Sonntag, Allerliebste Grüße, Ann

                    • bruni8wortbehagen sagt:

                      *lächel*, lieber Finbar, das freut mich jetzt sehr

                  • bruni8wortbehagen sagt:

                    Nix zu entschuldigen, liebe Ann. Es gibt Texte, da ist es wichtig und richtig, sich präzise und sehr genau nach den Sprachregeln auszudrücken, aber ich glaube nicht, daß es umgangssprachlich
                    genau so sein muß, wie z.B. hier im Blog oder auch auf einer Webseite, denn ich hab ja gar keinen Blog und ich drücke mich aus, wie es mir beliebt 🙂

                    Als Finbar vor Jahren mal etwas von seiner Kwerflöte schrieb, war ich sehr verwundert und ich glaube, ich fragte ihn sogar danach. Vermutlich dachte ich, er hätte einen Fehler gemacht 🙂 Wir dürften dann ja auch keinen Neologismus verwenden und um wieviele Wortschöpfungen wäre die poetische Welt dann ärmer…

  2. kowkla123 sagt:

    ist doch ok, schönes Wochenende

  3. hafenmöwe sagt:

    Danke für Domins Gedicht, wo das mit dem Wunder drin steht; diese Zeilen mit dem nicht müde werden tauchen kreuzen gerne öfter bei mir auf. Da freue ich mich schon drüber, wenn ich sie wiederentdecke…

    • finbarsgift sagt:

      Dankeschön für deine Worte…
      Ich wusste nicht, dass die berühmten Wunderzeilen, die ich vor kurzem extra einstellte, aus diesem Poem sind…
      Darauf wies mich Bruni von Wortbehagen hin…
      Lass es dir gut gehen, Lu

  4. bruni8wortbehagen sagt:

    Ach, da ist er ja, der kleine Mandelbaum, der Text, der ihr einfiel, als der Zug, in dem sie saß, aus dem Tunnel herausfuhr.

    Der Mandelbaum mit der Blütenwolke, die seine Krone schmückt – er ist ja für sich alleine schon ein Wunder und die Freude über ihn läßt mich ihm meine beiden Hände reichen und ich bin sehr vorsichtig, damit er bei der Berührung keine einzige seiner Blüten verliert.

    Am Ende gipfeln Domins Worte in diesen berühmten Zeilen vom Wunder, das scheu ist wie ein Vogel und zu dem wir doch so gerne gelangen wollen…

    Wie zart und behutsam sie schreiben konnte, war sie doch eigentlich eine energische und resolute Frau, aber mit einer großen poetischen Gabe

    Freudige Grüße von mir zu Dir

    • finbarsgift sagt:

      Herzlichen Dank, liebe Bruni, dafür, dass du mich auf dieses Poem von ihr aufmerksam gemacht hast, das ich bis auf das grandiose berühmte Ende bisher noch nicht kannte…

      Nun hat auch es seinen Platz hier in meinem Weblog zurecht gefunden…

      Herzliche Wintergrüße von mir zu dir, Finbar

  5. Flowermaid sagt:

    … die letzten beiden Verse sind so sensibelzart wie die Blüte des Mandelbaumes … ⭐

  6. bruni8wortbehagen sagt:

    Es ist wunderschön, lieber Finbar, es nun hier im Finni zu finden.
    Ich danke DIR dafür!

    Winterlich fühle ich mich auch noch, obwohl doch schon die ersten Frühlingsblümchen blühen und außer den Mandelbäumen auch noch andere sehr stolz ihren Blütenschmuck tragen.
    Ich blicke ja nie durch, welche Bäume es nun wirklich sind, die so dicht auf den Mandelbaum folgen. Selbst die Magnolie folgt ja erst später…

    Liebe Grüßle an Dich

  7. Zart und wundervoll, diese Zeilen…

  8. Gabryon sagt:

    Ein wunderbares Gedicht. Und dann noch schöne klassische Musik und ein Glas Wein …
    LG
    Gabriele

  9. sugar4all sagt:

    Ach…da hast du wieder etwas feines uns geschenkt…..mag ich sehr!!

  10. alleinsein1974 sagt:

    ich hab ein ähnliches Gedicht welches ich sehr liebe:

    “ Wenn ich tot bin,
    möchte ich immerhin
    so eine Laterne sein,
    und die müsste vor deiner Tür sein
    und den fahlen
    Abend über strahlen.

    […]

    In einer engen
    Gasse möchte ich hängen
    als rote Blechlaterne
    vor einer Taverne –
    und in Gedanken
    und im Nachtwind schwanken
    zu ihren Gesängen.

    […]

    Ja, ich möchte immerhin,
    wenn ich tot bin,
    so eine Laterne sein,
    die nachts ganz allein,
    wenn alles schläft auf der Welt,
    sich mit dem Mond unterhält –
    natürlich per Du.

    — Wolfgang Borchert – Laternentraum

  11. alleinsein1974 sagt:

    Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein, und die müßte vor deiner Türe sein und den fahlen Abend überstrahlen. Oder am Hafen, wo die großen Dampfer schlafen und wo die Mädchen lachen, würde ich wachen an einem schmalen schmutzigen Fleet und dem zublinzeln, der einsam geht. In einer engen Gasse möcht ich hängen als rote Blechlaterne vor einer Taverne – und in Gedanken und im Nachtwind schwanken zu ihren Gesängen. Oder so eine sein, die ein Kind mit großen Augen ansteckt, wenn es erschreckt entdeckt, daß es allein ist und weil der Wind so johlt an den Fensterluken – und die Träume draußen spucken. Ja, ich möchte immerhin, wenn ich tot bin, so eine Laterne sein, die nachts ganz allein, wenn alles schläft auf der Welt, sich mit dem Mond unterhält – natürlich per Du.

    Dieses ist der richtige Text

  12. Immer wieder schön … besonders der letzte Satz.

  13. maribey sagt:

    Sehr schön das ganze Gedicht hier zu lesen, von dem wir vermutlich alle die letzten Zeilen kennen. Ich freue mich, dass du auch die anderen dazu gepflanzt hast.

  14. sam sagt:

    Der letzte Absatz gefällt mir sehr gut…hoffen, dass immer wieder neue Hoffnung hofiert…

  15. calmkate sagt:

    Sorry but my Deutsche is too basic to be able to read your posts – do you ave any in English?

    Much thanks for following me!

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