Souvenir de Brahms

 

 

Selbst gegen Mittag ist der sonnige Tag noch recht frisch
Ich wandere das Grüne U hinab zum feinen Rosensteinpark
Entspannt gehe ich entlang eines kleinen mäandernden Bachs
und lausche der zauberschönen zweiten Sinfonie von Brahms

Unfassbar unwirklich kommt es mir heute wieder einmal vor
dass ein riesiges großartiges Orchester nur für mich allein spielt
beim laxen Dahinschlendern in dieser großen langgestreckten
immergrünen Parkanlage inmitten der ansonsten lauten Stadt

Meine Gedanken wandern langsam zurück in meine eher
unglückliche Kindheit als sensibles musikalisches Findelkind
einer damals noch sehr jungen und armen Flüchtlingsfamilie
Wenigstens war ich schon wieder mit den Eltern vereint

Es hat lange gedauert bis ich meinen Vornamen akzeptierte
den sie mir vor vielen Jahren zu einer Zeit gaben als noch kaum
irgendwelche Muzak fast überall unsere armen Ohren beschallte
damals im tiefen Osten des ehemals brutal zerteilten Deutschlands

Den ersten Satz der Zweiten finde ich überirdisch zauberschön
Ich kann ihn immer und immer wieder anhören und seine Musik
wird mich jedes Mal und wahrlich für immer und ewig verzaubern
Diese Musik führte sogar mal dazu auf Brahms‘ Spuren zu wandeln

Meine Erinnerungen von heute führen mich während ich immer
weiter das Grüne U hinuntergehe bis fast zur Wilhelma gedanklich
bis nach Lichtental wo er sicherlich einst mit der Zigarre im Mund
friedlich spazierte während in seinem Kopf Wunderklänge entstanden

Geht man heutzutage die Lichtentaler Allee ganz bis zum Ende vor
dann kann man dort ein kleines Häuslein besuchen wo der geniale
Komponist diese Sinfonie für seine Verhältnisse relativ rasch in einer
prächtigen Klavierfassung notierte und seinen Freunden vorspielte

Diese waren total begeistert und applaudierten dem Meister der Töne
sodass ihm die Orchestrierung leicht gelang und aus heutiger Sicht als
ein feines Musikwunder zu sehen ist ähnlich Maurice Ravels kongenialer
Instrumentierung von Mussorgskis Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung

 

 

 

 

 

© finbarsgift

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59 Kommentare zu “Souvenir de Brahms

  1. das ist ein wunderbarer spaziergang, lieber lu!
    was für ein reiches und schönes gedicht – voller musik.
    gefällt mir sehr!
    liebe morgengrüße
    von diana

    • finbarsgift sagt:

      Das ist ja eine wunderbare Kurzzusammenfassung meines musikalisch-verbalen Souvenirtextes, liebe Diana,

      herzlichen Dank dafür!
      Liebe Morgengrüße
      vom Lu

  2. kinder unlimited sagt:

    „Nirgends fällt das Leben leichter als hier, der Streit geht nur um die Jahreszeit, in der Baden-Baden sich am schönsten gibt.“

  3. Karin sagt:

    Eine Sinfonie, die mir immer wieder tief unter die Haut geht und ich fiebere, obwohl schon so oft gehört, jeder neuen Konzertsaison entgegen, bei der sie wieder auf dem Programm steht. Soll ich sie in einer Aufnahme des Rundfunkorchesters vom August letzten Jahres in der AO hier als Link anfügen? Ich möchte erst fragen.
    Mit der Sinfonie lauschenden Grüßen Karin

  4. kinder unlimited sagt:

    so stelle ich mir Lustwandeln vor, was Du hier beschrieben hast, lieber Lu.

  5. bruni8wortbehagen sagt:

    Ein wundervoll entspannter Spaziergang mit Lieblingstönen im Ohr, der feinen Umgebung der Kesselstadt um Dich her…, kann es noch Schöneres geben.?
    Wenigstens in diesen Momenten *lächel* nicht.

    Ich höre die harmonische Stimmung aus allen Deinen Worten heraus, sie klingt bis zu mir und ich versuche, in deinen Spuren zu Brahms zu wandern und ich weiß, daß ich meine helle Freude daran habe, denn ich fühle schon, wie Ton in Ton sich in meine Gedanken drängt und ich freue mich jetzt auf DIESE Bilder einer Ausstellung;
    den Rahmen hast Du mir ja nun schon geliefert, lieber Finbar

    • finbarsgift sagt:

      Und das habe ich sehr sehr gerne gemacht, liebe Bruni!!

      Ich finde schon, dass mann/frau ab und an mal eine kleine Lanze brechen sollte für eine Art Musik, die heutzutage eher als altmodisch und längst vergangen und schon „totgehört“ (übles Wort) angesehen wird…

      Statistisch gesehen ist ja diese sogenannte klassische Musik, oder auch E-Musik („Ernste Musik) tatsächlich eindeutig vom Aussterben bedroht, was die Zuhörer/innen weltweit gesehen angeht…

      • bruni8wortbehagen sagt:

        ich kenne diese Statistiken nicht, lieber Finbar, ich vermute aber, sie könnten recht haben und doch gibt es auch immer wieder junge Menschen, denen sie nahe ist und dann diese etwas älteren Menschen, die sie immer ausklammerten und dann doch über jemanden dazufanden, der sie ihnen nahebrachte und sie denken dann immer wieder mal darüber nach, was sie doch alles verpassten in den vielen Jährchen ihres mit Alltäglichem ausgefüllten Lebens.

        Da kommt dann plötzlich eine Besonderheit auf nicht immer leisen Sohlen zu ihnen, die sie nicht mehr missen möchten… *schmunzel*

        • finbarsgift sagt:

          Natürlich ist das so, liebe Bruni,

          aber summa summarum bleiben der klassischen Musik immer weniger Anhänger/innen und das finde ich sehr betrüblich!

          Natürlich hat das einerseits damit zu tun, dass die Musik es sich im 20. Jahrhundert mit vielen Klassikliebhabern verscherzt hat, mit einer i.w. unerträglichen Musik, die unter dem Deckmantel der Avantgarde grassierte und eigentlich die klassischen Musikfreunde nur vergrämt und verjagt hat!

          Immer mehr wechseln andererseits also hin zur sogenannten populären Musik und ihren diversen Spielarten, die seit 1950 herum immer mehr das musikalische Sagen hat, vor allem durch den massiven Einsatz von Strom!

          Ohne Strom gäbe es keine Hitparadenmusik!

          • bruni8wortbehagen sagt:

            Die Hitparade verursacht mir schon vom Wort her bauchgrimmen. Ja,kann sein ,daß die Avantgarde viele in andere Richtungen treiben liess. Meist sind es da die Insider,die sie verstehen und das ist ein geringer Teil der hörenden. Dabei steckt hier so ungeheuer kreatives, für das man aber eine Anleitung braucht,wenn man sie das erste mal hört *g*

  6. Ulli sagt:

    Lieber Lu, du bist wahrlich ein Musikbeseelter, wie ich das schätze! Denke gerade an einige Schriftsteller bei denen die Musik und ihre Verbundenheit damit immer Teil ihrer Romane sind, ja auch `t Haart!
    herzliche Grüsse
    Ulli

  7. maribey sagt:

    Sehr schön geschrieben, lieber Lou, ein besonderer Spaziergang, der zeigt, dass du dich von Natur und Musik ummanteln lässt. Ich finde, das ist ein ganz wunderbarer Mantel.

  8. disputnik sagt:

    Ich bin dir nachgegangen, lieber Finbar, mit Brahms im Ohr. War ein sehr schöner Spaziergang; danke dir dafür…

  9. kowkla123 sagt:

    toller Spaziergang, beste Grüße an dich

  10. Flowermaid sagt:

    … wie weit dich die Töne gedanklich getragen haben ist faszinierend zu lesen und wir alle hier auf deinem Blog haben dich mit Freuden begleitet… LG vom Blumenmädchen 🙂

  11. Poeta sagt:

    Finbar mit sich, dem Tag und der Musik im Einklang – das ist schön zu lesen. Auch die versöhnlichen Blicke ins Vergangene. Anmerken würde ich gern, dass Elektronik und Klassik sich in meinen Augen sehr gut ergänzen können. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist Olafur Arnalds, der gerade sein Chopin-Projekt heraus gebracht hat und das ist eine wunderbare CD.

  12. drnessy sagt:

    Lieber Fin, danke, dass Du uns auf diesen Spaziergang mitgenommen hast! Das erinnert mich an meine Kindheit, in der ich oft in Stuttgart bei meinen Großeltern war… Mein Opa war Musiker im Staatsheater. So war ich nicht im Kino, sondern im „großen und kleinen Haus“… gibt es die eigentlich noch? Und wenn ich heim kam, übte „Großvati“ und manchmal musizierten wir auch ein wenig zusammen, wobei er meine linkische Art geflissentlich übersah…Dann sah er mich von der Seite an und sagte: „Die Form deiner Hände eignet sich sehr gut zum Cellospielen… Du mußt sich die Töne nur richtig formen lassen…“ Tja, das fällt mir ein,während Brahms mich im Hintergrund inspiriert… Alles Liebe, Nessy

    • finbarsgift sagt:

      DAS klingt aber schöööön, liebe Nessy, soooooo einen Großvati hätte ich auch nur zu gerne gehabt 🙂

      Dankeschön für deine Worte des Erzählens!
      Sie haben mich wirklich seeeehr gefreut *lächel*

      Have a pleasant and happy day, dear happinessgirl,
      lots of greetings from Lu

  13. kowkla123 sagt:

    auch heute kommt ein Gruß von mir, schönen Donnerstag wünsche ich dir

  14. Arabella sagt:

    Eine wunderschöne Musik, die wie für dich gemacht scheint.

    Einen herzlichen Gruß zu dir.

  15. karfunkelfee sagt:

    Lieber Lu. Deinen Text konnte ich sehr gut nachfühlen. Ich weiß wie es ist, wenn man so fantastische Musik hört und gleichzeitig die Natur erlebt. Es ist wie ein Freiluftkonzert, das man in Bewegung erleben darf. Mache ich auch immer wieder gern. 🙂
    Brahms…den mag ich so sehr.
    Darum das kleine Korollar für Dich.
    Ein leicht euphorisch verschwärmfrühter Frühlingslocker und ein versiges Dankeschön für Deinen poetischen Text.
    Liebe Grüße von der Korollier-Fee (fängt auch mit k wie Karfunkel an)

    Ein Brahmsgesang

    Lieben Sie Brahms?
    eulaliet es in meinem Kopf:
    Ja, denn mit ihm
    kann man sich verführen
    bis zum völligen Durchdringen
    rührt sich tiefes tragendes Schwingen
    durch Noten hindurch
    wirkst du textliche Beschreibung
    wie melodisches Gewebe
    dessen Fühlen lautet: Lebe!
    Jahreszeit singt sich sinfonisch
    Duft wird Note, Blüte Klang
    du bist
    der lieben Botschaft Bote
    ein Frühlingslied
    ein Brahmsgesang

    • finbarsgift sagt:

      Ach du liebe Korollarfee,

      da lacht mein Herz und das Gesicht erfreut sich im Glanz deines Gedichts zu Ehren eines der drei großen B der Musikklassik,

      feine Zeilen hast du für ihn und mich komponiert, herzlichen Dank dafür!

      Liebe Frühlingsgrüße vom darüber hocherfreuten Lu

  16. Corona sagt:

    Ein wunderschöner Spaziergang. Als ginge ich neben dir, sehe den Park und das Bächlein, höre die laute Stadt und dann dazwischen die Klänge wunderbarer Musik.

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