Elefantenrunde

Da habe ich doch vorgestern nach sehr langer Zeit der Fernsehabstinenz mich mal wieder durch eine ganz besondere Ankündigung in der ZEIT-Online dazu verführen lassen, eine Sendung einzuschalten, die auch noch zuvor in der Landesschau als unbedingt sehenswerte Elefantenrunde angekündigt wurde.

Als langjähriger, großer Fan von Mutter Allnatur, insbesondere auch der wichtigsten Meetings ihrer Tiere, hatte ich erwartet, eine sozusagen Best-of-Auswahl der klügsten und schönsten Elefanten des Ländles, versammelt am Runden Tisch im SWR-TV-Studio, zu einem hochinteressanten Palaver präsentiert zu bekommen.

Doch dem war leider nicht so. Gleich zu Beginn der Sendung wurde ich maßlos enttäuscht, da sich die angekündigten, herrlich langrüsseligen Dickhäuter als menschliche Polit-Tiere entpuppten.
Also leider wieder keine interessante Tiersendung aus der Fauna-Hall-of-Fame im Fernsehen, sondern stattdessen eine Debatte von parteiischen Politikern über Gott und die Welt im Automusterländle.

Einer, der von allen schwarzer Wolf gerufen wurde, machte dabei eine besonders komische, ja witzige Figur, fand ich, er sah ja auch eher aus wie Mickimaus und so gar nicht wie ein großer, starker Leitwolf der demokratischen Christen im Ländle.
Und immer dann, wenn er den Redestab erhielt, amüsierte ich mich megaköstlich, und die anderen parteiischen Menschenelefanten im Fernsehstudio am Runden Tisch auch.

Insbesondere beherrschte dieser eigentlich lammfromme Wolf aber diese bekannte politische Kunst perfekt, mit sagenhaft vielen Worten kaum irgendeinen sinnvollen Inhalt in Richtung Zuhörerschaft zu kolportieren, was echt aber wohl ein tolles Gefühl sein muss, für den, der das tut. Denn entsprechend zufrieden schaute dieser demokratisch-christliche Unionswolf in die Runde, wenn er nichtssagend sein Wolfsmaul wieder geschlossen hatte.

Recht wie ein großer roter Maulheld verhielt sich dagegen einer, der wohl von Beruf eher Schmied sein musste denn Politiker, da er des öfteren sein Pendant am Runden Tisch, offenbar von der Partei der Affen für Deutschland, des Rassismus bezichtigte und ihm immer wieder mit seinen sozialdemokratischen Gerätschaften, Hammer und Amboss, an den Kragen wollte, hätte nicht die kluge und adrette Fragen-stellende Reporterin sich jeweils sehr mutig dazwischen gestellt und dadurch ziemlich sicher gehöriges Blutvergießen des Affen für Deutschland verhindert, der im übrigen nahezu kaum zu Wort kam, da seinen ganz speziellen Affendialekt einfach keiner der Anwesenden verstehen konnte oder wollte.

Ich hatte dafür vollstes Verständnis, denn mir ging’s ja auch so.
Aber immer wenn ein etwas älterer, irgendwie wohl noch trotz des fortgeschrittenen Alters etwas grün hinter den Ohren wirkender Herr mit einer graublonden Igelfrisur das Wort ergriff, fingen alle anderen anwesenden Maulhelden, inklusive der beiden die Smalltalk-Runde ganz gut leitenden Fernsehjournalisten, an, sich sogleich zu beruhigen bei ihrem Streitgespräch (oft redeten alle zur gleichen Zeit und es entstand ein völliges Durcheinander an politischen Behauptungen), schwiegen nach einer kurzen Weile gar und lauschten, was schon irgendwie bemerkenswert und sogar beeindruckend zu beobachten war.

Denn seine stets sehr bedächtig und ausgewählt vorgetragenen Worte wirkten auf alle wohl eher wie eine starke Schlaftablette, denn einer politischen Diskussion förderlich.
Selbst ich wurde plötzlich vor dem TV-Bildschirm immer müder, je länger er so salbungsvoll daherredete.
Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen, war ich mir total sicher: dieser Herr da musste einfach unser inzwischen anscheinend so berühmte Landesvater, der ehemalige Gymnasiallehrer Grünigel sein!

Und solange ihn selbst alle politischen Gegner vor laufender Kamera so immens deutlich anhimmeln, wie vorgestern im Fernsehen, sozusagen in Ehrfurcht schier vor ihm zerfließen und keiner wirklich ihm zu widersprechen wagt, wird hier bei uns im sagenumwobenen Ländle, im wilden Südwesten der Bundesrepublik, auch mit Sicherheit kein anderer Politiker zum Leithammel aller gewählt werden, natürlich erst recht nicht morgen bei der Wahl, da bin ich mir nach dieser sogenannten Elefantenrunde inzwischen absolut sicher.

 

 

 

 

© finbarsgift

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Texte.

86 Kommentare zu “Elefantenrunde

  1. Herrlich! Rüsseltiere eben! ;-). War ein reines Lesevergnügen!

  2. Was soll ich sagen… ich habe Gespräche mit Politikern des Vereins wegen geführt und tatsächlich wirken viele wie leere Hüllen, abgeschliffen und ohne wirkliche Begeisterung, einer unter ihnen sogar recht roboterhaft… Dagegen sind Tiere ja quasi das sprühende (und vor allem ehrliche) Leben 🙂

  3. borretsch sagt:

    Hört sich eher nach Dschungelcamp an. Elefanten sind weise, genügsam und schweigsam.

    • finbarsgift sagt:

      Du sagst es! 🙂

      Die anderen aber sind das glatte Gegenteil der Elefanten:
      äußerst unklug, sich mit nichts zufriedengebend und
      andauernd am schwätzen! 😦

  4. waehlefreude sagt:

    Guten Morgen.

    Eigentlich ist das seit „Animals-Farm“ bekannt.

    Mir hat vor x Jahren einmal eine damals frisch gebackene MDL gestanden, daß die Politik einen ab einem bestimmten Karrierepunkt so verbiegt, daß man nicht mehr man selbst ist und aus der Nummer auch nicht mehr rauskommt.

    Die Schweine wechseln; die Tröge bleiben. Also; was erwartest Du?

    Liebe Grüße,
    Frank

  5. Tierpark hin oder her (übrigens köstlich beobachtet und beschrieben), hoffentlich gehen wenigstens viele zu Wahl.
    LG Erich

  6. gartenkuss sagt:

    Wurde bereits alles gesagt. LG von gartenkuss 💚

  7. lesenbiene sagt:

    Was soll man dazu noch sagen, Reden um den heißen Brei herum, es wird immer mehr und Wahlen stehen an, da müssen die Hammel, Tschuldigung, die Bürger zur Wahlurne gelockt werden. Und danach geht alles so weiter…

    • finbarsgift sagt:

      …wie bisher…ja, liebe Biene, damit hast du leider wohl recht 😦
      Liebe Frühlingsgrüße von mir zu dir,
      verbunden mit der Hoffnung, dass
      es dir gut geht 🙂
      Herzlich, Lu

  8. gkazakou sagt:

    gut, dass du es dir angetan – und auch mir das Großtiergehege von Stuttgart vorgestellt hast. „Affen für Deutschland“ war mir neu. 🙂

    • finbarsgift sagt:

      So kurz vor der Wahl wollte ich mir die einzelnen Lokalmatadoren der wichtigsten Parteien hier vor Ort mal bissle näher unter die Lupe nehmen,
      aber wie bereits geschrieben, der 90-minütige niveaulose Streit über diverse Inhalte zu Themen wie „Flüchtlingen, Polizei, Schulen“ usw. war nicht wirklich sehens- und hörenswert!
      Liebe Frühlingsgrüße von mir zu dir…
      Lu

  9. Corona sagt:

    Ich hab auch mal versucht, so einer Runde zuzuhören. Für mich schwingen sie nur ihre Reden. Reden und reden und reden, reden sich um Kopf und Kragen , reden um ihr Leben, während die Welt um sie herum zu Grunde geht. Selbst wenn die Welt in Schutt und Asche liegt, würden sie immer noch da sitzen und reden.
    Und wenn sie nicht gestorben sind, so reden sie noch heute.

  10. bruni8wortbehagen sagt:

    Leider habe ich diese Elefantenrunde nicht gesehen, lieber Finbar, und bereue es jetzt bitter, sonst hätte ich mich noch mehr amüsieren können über Deine leise ironisch treffenden Vergleiche der einzelnen Wölfe, die zum Teil im dicken winterlichen Schafspelz agieren.

    Das Reden ohne zu Sagen beherrschen alle gleichermaßen viel zu gut. Es ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen und wenn sie keine Hülsen finden, um ihre Worte hineinzustopfen, dann werfen sie sie einfach wie Brocken in die Runde.
    Alle beginnen durcheinander zu reden und ich verstehe dann gar nichts mehr von dem wenigen, das ich vorher noch auffangen konnte.

    Diese Affen beunruhigen mich; sie geben sich handzahm, wenn sie sich vom Zoobesucher betrachtet fühlen, aber geht er dann einfach weiter, weil sie immer nur das gleiche Gesten- und Wortgezappel von sich geben, dann schneiden sie gemeine Fratzen hinter seinem Rücken und werfen mit glimmenden Fackeln, die sich später entzünden.

    Der schwarze Wolf, der auch mich an einen kindlichfröhlichen Comic erinnert, hat mich sehr amüsiert und der Grünigel hat mich dann noch viel mehr erheitert.

    So wortfein satirisch, ironisch die elefantische Menschenrunde in Form gebracht, haben Deine Zeilen mein Bruni-Herz mehr als erfreut.

    Herzlichen Dank für diesen Text, lieber Finbar

  11. Clara HH sagt:

    Und der Wolf steht nicht alleine da mit seiner Nichtssagerei oder der Belanglossagerei – wäre es denn nicht schön, wenn man alle momentanen PolitikerInnen gegen fähige Leute austauscht, die nicht nur nach Macht und Wiederwahl gieren?

  12. Anna-Lena sagt:

    Deine Schilderung ist lehrreicher, als es das Programm gewesen wäre 🙂 .
    Liebe Grüße zum Wochenende,
    Anna-Lena

  13. kowkla123 sagt:

    ich schaue es mir gar nicht mehr an, mache es gut

  14. Wenn die einen nur noch wählen gehen, um Schlimmeres zu verhindern, die anderen, um ihren Protest auszudrücken, wer vertritt dann eigentlich unsere Interessen?

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