Der Morgen eines Neurotikers

Schon in der Früh vor dem Aufstehen überprüft er – noch auf der Bettkante sitzend – ausgiebig seinen Puls. Erwischt er dabei zufällig gleich mal eine gewaltige Extrasystole seines Herzens, dann ist die Aufregung groß. Er jammert sofort darüber los und fragt sich zum x-ten Male, ob heute etwa schon sein letztes Stündlein geschlagen hat.
Was natürlich wie zigmal zuvor nicht der Fall ist!
Aber es versetzt ihn in helle Aufregung und ist als Wachmacher oft wirkungsvoller als jeder noch so starke Espresso!

Nichtsdestotrotz steht er selbst nach einem solchen Herzstolperschock einigermaßen wacker und sortiert auf und geht in leicht gebückter Depressionshaltung in die Küche um Kaffee zu machen.
Ein paar wenige Schlucke wird er wie jeden Morgen auch dieses Mal hoffentlich – ohne eine fatale finale Panikattacke zu bekommen – überleben. Er kann dieses nervengiftige Zeugs halt einfach nicht lassen (den Alkohol und die Zigaretten dagegen sehr wohl), trotz Anratens seiner diversen Fachärzte, inklusive seines soliden Verhaltenstherapeuten.

Danach geht’s mutig unter die Dusche. Das muss sein, denn das verlangt nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Intimleben mit seiner Freundin, obwohl seine Klaustrophobie jeden Morgen ihr Veto einlegt. Denn viel zu eng sind die allermeisten deutschen Nasszellen – oft eben auch die Badezimmer, inklusive Duschen – auf dieser Welt konzipiert und geschnitten, insbesondere leider auch seine; zu spartanisch ist sein Gehalt, eine große Luxuswohnung liegt da in weiter Ferne.
So beeilt er sich mit dem Haare waschen und der expliziten morgendlichen Grundreinigung, insbesondere auch diverser heikler Stellen seines Körpers, der allerdings immer mehr zu zittern anfängt, je länger das wasserfallähnliche Duschen andauert. Seine Platzangst steigt exponentiell an.

Gottlob geht heute Morgen trotzdem alles durchschnittlich neurotisch über die Reinigungsbühne und er kommt auch ohne Herzattacke – schnell nochmal den Puls fühlen, prima, er scheint sich eingependelt zu haben – und auch ohne Ausrutscher (schon mehrfach passiert) wieder auf den fein-gekachelten, Kehrwoche-gesäuberten Boden des Badezimmers.
Danach muss er aber plötzlich dringend aufs Klo, auch noch groß, was ihn ärgert, denn anschließend muss er ja in einem solchen Fall nochmals kurz unter die Dusche.
Aber was soll man dagegen machen? Die Dinge des Lebens in unserer Welt kommen und gehen ganz genau so, wie sie nun mal der Fall sind, das schrieb schon der megakluge Ludwig Wittgenstein zu Beginn seines berühmten Tractatus logico-philosophicus.

So langsam muss er sich beeilen, der Neurotiker, denn die übernächste S-Bahn gen City muss er heute unbedingt erreichen (niemals mehr mit dem Auto dorthin, es ist die pure Hölle!).
Pünktlich um neun Uhr hat er einen wichtigen Projekttermin (fast alle Menschen sind heutzutage an Projekten beteiligt, er natürlich auch)!
Also schnell das Mini-Frühstück runterschlingen – verdammter Stress! – ohne sich zu verschlucken, das ist entscheidend am frühen Morgen, denn sonst käme er in eklatante Erstickungsnot, das hasst er, das würden seine zartbesaiteten Neuro-Sicherungen nicht alle aushalten, nicht in der Früh, und sofort einen gemeinen, angstvollen Panikalarm des vegetativen Nervensystems auslösen.
Aber er schafft es heute ohne dieses tachykarde Extrahusten-Herztheater, räumt rasch den Tisch wieder ab und begibt sich immer mehr in Eile zum Kleiderschrank.

Sofort raus aus dem mollig-warmen Bademantel und rein in die unfreundlichen Büroklamotten, leider heute wegen der wichtigen Sitzung unbedingt inklusive Krawatte, die er aber erst vor Ort bei der Arbeit richtig festziehen wird.
Was der Tag wohl so alles bringen mag? Ein Blick aus dem Fenster signalisiert ihm, was für Schuhe heute dran sind. Bevor er sie anzieht, megarasch noch ein kurzer Rundgang mit Socken durch alle Zimmer seiner Wohnung; dass auch ja kein Licht mehr irgendwo brennt oder sonst irgendein Gerät noch an ist (auch nicht im Stand-by-Modus), insbesondere aber die Klospülung sich absolut ruhig verhält und kein Tröpfelchen Wasser unnötig verbraucht wird, während er den ganzen Tag über beruflich unterwegs ist.

Die Arbeitsmappe mit dem Laptop wird unter den langen Arm geklemmt, der Schlüssel vom Brett genommen, die Wohnungstüre von innen erst auf- und dann von außen wieder abgeschlossen. Danach geht der vorsichtige, tapfere Neurotiker die Treppen hinab – auf keinen Fall stürzen! – und verlässt das Haus.
Nach circa fünfzig Schritten ist er sich nicht mehr ganz sicher, ob er auch wirklich alles zuhause nochmals kontrolliert hat, bevor er wegging, und ob er auch wirklich die Wohnungstüre zweimal abgeschlossen hat. Er überwindet (strikte Anweisung seines Verhaltenstherapeuten!) dieses immer stärker werdende, sehr unangenehme Gefühl, je weiter er sich zu Fuß (gottlob regnet es heute nicht) von seiner Wohnung entfernt und es gelingt ihm heute tatsächlich, nicht seinem Kontrollzwang nachzugeben.

Mit Müh‘ und Not schafft er es gerade noch rechtzeitig in die S-Bahn gen City, in der er mit aller Konzentration, Vorsicht und Kraft dabei ist, absolut nichts anzufassen, insbesondere was zuvor von irgendwelchen Nießhänden anderer Menschen berührt worden sein könnte.
Dabei wird ihm während der Fahrt sowieso immer unwohler, je mehr Leute ziemlich nah um ihn herum husten, nießen oder schneuzen.
Bevor er dem Impuls des Übergebens nachgeben muss, fängt er an, in der S-Bahn immer unruhiger hin und her zu gehen.

Meistens hilft diese ihm vom Therapeuten verordnete Gehmeditation. Und er hat Glück: heute beginnt der Tag ohne das Hervorholen seiner Kotztüte, das ist doch schon mal was!
Endlich erreicht er seine S-Bahn-Station mitten in der Innenstadt. Der Neurotiker steigt einigermaßen erleichtert aus und geht relativ gelassen zur Arbeit, wo er sich auf dem WC erst einmal ausgiebig seine Hände wäscht. 
Danach kann ein neuer, frischer und sauberer Arbeitstag beginnen – carpe diem!

 

 

 

 

© finbarsgift

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Texte.

70 Kommentare zu “Der Morgen eines Neurotikers

  1. Antje sagt:

    Ach je, der Arme!
    Frage: Kennst Du ihn persönlich? 😉

  2. lesenbiene sagt:

    Und sicher ist das kein Einzelfall, genug solcher Menschen gibt es und irgendwie vergessen sie dabei zu Leben und sich an den Kleinigkeiten des täglichen Lebens zu freuen.

  3. Corona sagt:

    Klingt sehr anstrengend.
    Okay, in Bus und Bahnen fühl ich mich oft auch nicht wohl, dass sind die reinsten Keimzellen. 😂
    Und diese Gedanken, hab ich alles ausgemacht? Herd aus? Brennt kein Licht? Abgeschlossen? , kenn ich zu gut, meist, wenn man in Urlaub fährt.
    Aber für einen Neurotiker muss das ja Dauerstress sein, immerzu auf alles zu achten .

    • finbarsgift sagt:

      So ist es, Dauerstress pur, von früh bis spät!

      Und sich kurz vor dem Urlaub nochmal von einigen wichtigen Sachen zu überzeugen, das halte ich für völlig normal 🙂

  4. bruni8wortbehagen sagt:

    Was für ein toller, meiner Meinung nach sehr stimmiger Text über einen mann,den man einen neurotiker nennen könnte, wenn man es wollte.
    Aber ich will nicht, dazu muss ich mir diesen ausführlichen Text nochmal genau durchlesen .
    Ich finde auf die schnelle so vieles, was sich in meinen Augen sehr normal anhört und absolut nicht neurotisch.
    Aber ich sitze im Moment in einem Wartezimmer und um mich herum ist der übliche wartezimmertrubel, gefüllt mit allen Menschengedanken und die können ganz schön laut sein 😊, lieber finbar

  5. milonga sagt:

    Was mich sehr fasziniert, ist die im Text enthaltenen Spannung. Die uns bekannten „normalen“ Abläufe sind eben nie so ganz normal, und interessant wird es, wenn die vorstellbare Identifikation mit dem Protagonisten kleine Risse bekommt. Bin sehr neugierig, ob es eine Fortsetzung gibt. Sei gegrüßt vom Blaupausenblog

  6. Flowermaid sagt:

    Den Text habe ich jetzt 3mal gelesen und mich weggerollt vor Lachen… als Zwangsstruckturierte habe ich auch ein paar Macken, die mein näheres Umfeld in die Knie zwingen kann 😅 Die ernste Seite dahinter sehe ich sehr wohl. Wenn ein Mensch all diese Neurosen in sich vereint würde er wohl nicht mehr das Haus verlassen können. Herzliche Grüße vom Blumenmädchen 🤗

    • finbarsgift sagt:

      Es gibt viele Fälle von starken Neurosen, endogenen Depressionen (verbunden oft mit starkem täglichen Alkoholkonsum), wo das in der Tat so ist, also neurotische Ängste so gravierend sind, dass der Neurotiker das Haus nicht (mehr alleine) verlassen kann…

      Was spricht gegen eine vierte Lesung?! *g*
      Herzliche Frühlingsgrüße vom Lu

  7. kowkla123 sagt:

    ist ein ganz besonderes Beispiel, recht extrem, aber wohl möglich, ein schönes Wochenende wünsche ich

  8. Mion sagt:

    Steckt nicht in uns allen ein wenig Neurotiker?
    Schöne Geschichte, ich habe Mitleid mit diesem Mann der nicht EINFACH leben kann…
    Grüne Grüße
    Mion

    • finbarsgift sagt:

      Oh, mit Sicherheit!

      Dankeschön…
      Oh ja, mit diesem Neurotiker muss mann/frau ja Mitleid haben — was für ein anstrengendes Leben, ohne viel Freude, dafür mit viel Ängsten…

      Dir ein schönes Wochenende wünsche, liebe Frühlingsgrüße vom Lu

  9. wederwill sagt:

    Man leidet ja teilweise richtig mit und möchte dem Neurotiker gut zureden. Aber der scheint sich ja selbst viel zu gut zu kennen, um überhaupt Zuspruch zu benötigen 🙂
    Ganz herzliche Grüße an dich von
    Marlis

    • finbarsgift sagt:

      Er ist sozusagen in vollständiger Kenntnis von sich selbst *lächel*

      Wer kann das von sich schon behaupten?! 🙂

      Herzliche Frühlingsgrüße zu dir von mir, Lu

  10. chris sagt:

    Ich hoffe, Du sprichst nicht aus eigener Erfahrung… 😉
    Die Fahrt in die Stadt konnte ich allerdings gut nachempfinden.
    Ich habe das Auto nämlich schon vor Jahren abgeschafft.
    Allerdings ist es mit Rad nicht minder heikel in der Stadt. 😀

    • finbarsgift sagt:

      Dann hätte ich den Text in der ICH-Form verfasst, das mache ich immer so…

      Gratuliere zur Abschaffung des Autos! Ich bin auch fast soweit!

      Oh ja, Radfahren in der Kesselstadt ist lebensgefährlich!

      • chris sagt:

        Ich fahre immer meine Umwege (hält fit)!
        Einerseits kann man den Main als Korridor benutzen.
        Oder den Grüngürtel – dann muss man sich aber
        irgendwann ins Getümmel stürzen. Was meinst
        Du, warum ich seit Jahren nicht mehr krank
        war – weil ich Sommers wie Winters auf
        dem Rad sitze. In der U-Bahn holste
        dir nur irgendwelche Viren ab… 😉

        • finbarsgift sagt:

          Du machst das alles richtig!

          Als ich noch deutlich näher an der Kesselstadt lebte, da machte ich das ähnlich wie du.
          Erst den Neckarradweg entlang,
          dann von der Wilhelma aus durchs Grüne U bis zum Arbeitsplatz Stadtmitte…

          Nun geht’s winters mit der S-Bahn und sommers mit dem Töff 🙂

  11. bruni8wortbehagen sagt:

    Tja, so könnte das Bild eines *normalen* Neurotikers, oder was wir so landläufig darunter verstehen, aussehen. Es liegt aber ja auch viel Humor, sehr leiser und sehr ehrlicher, in Deinen Worten…
    Er hat es schwer mit sich, der Neurotiker, diese vielen Gedanken, die ihn bedrängen, das Unwohlsein, das er bei den Alltäglichkeiten empfindet, der Alltag, der ihm mehr abverlangt, als er eigentlich zu geben bereit ist, und doch unterliegt er täglich dem gleichen Streß, weil es nicht anders geht, weil er sich zu den vielen anderen Neurotikern begeben muß, die ihm gleich begegnen werden, wenn er aus dem Haus tritt, denn er ist nicht alleine mit all seinen Zwängen, mit all seinen Ängstlichkeiten.
    Er befindet sich in Gesellschaft von so vielen, die ihre Zwänge nicht mal erkennen, die meinen, sie seien frei davon, die ihre Umgebung nerven und ihnen die Schuld zuweisen an den eigenen Befindlichkeiten.

    Hier beschreibst Du wunderbar einen, dem es sehr bewußt ist, was und wie er ist, einer, der seine Zwänge erkannt hat und mit diesen leben muß, tagein und tagaus…, denn ändern kann er sie nicht, aber er kann sie anerkennen und sie vielleicht sogar zu seinen Nichtmehrfeinden machen?
    Da bin ich unsicher, aber kann man mit Feinden leben?
    Und was ist überhaupt ein Feind?
    Das wäre man ja selbst in diesem Falle, sein eigener Feind.
    Nein, das darf nicht sein, also muß man sich mit ihnen zusammernschließen und mit sich selbst über die eigenen Zwänge lächeln und sie Macken nennen *lächel*.
    Dann lebt es sich vielleicht ein wenig besser…

    • finbarsgift sagt:

      Viele feine zusätzliche und zutreffende Gedanken zu meinem Neurotiker-Post hast du dir noch gemacht, dafür erst mal sehr herzlichen Dank!

      An der Stelle mit dem Ändern möchte ich gerne einhaken und sagen: doch, es lässt sich etwas ändern, nur allein wird es kaum gelingen, selbst mit Partner/in in derselben Wohnung wird das schwierig sein, da muss schon viel Einfühlungsvermögen bestehen, und zwar langanhaltend…
      Zumeist macht erst mal ein einmonatiger Klinikaufenthalt Sinn, und danach ein bis zwei Jahre Therapie, am besten bei und mit einem Verhaltenstherapeuten, es kann aber auch eine Tiefenpsychologische Behandlung angesagt sein, das muss je nach Fall entschieden werden.
      Voraussetzung für all das: der Neurotiker muss das alles SELBST wollen; ist er nicht „einsichtig“ oder sperrt er sich, dann wird ihm weder ein Klinikaufenthalt, noch eine Therapie bei dieser Symptomatik langfristig helfen können.

      Dir ein schönes Wochenende,
      herzlich, Finbar

      • bruni8wortbehagen sagt:

        dieses Selbstwollen ist das Entscheidende!
        Genau das bekomme ich ja gut mit – von mehreren Seiten

        Da eine meiner Töchter psychisch Kranke (verschiedener Art) beruflich betreut, ist mir dieser eigene Wille mehr als bewußt geworden…
        Sinn macht jede Therapie dann, wenn der Klient/Patient selbst aus seiner eigenen Hölle herausmöchte und die Schwierigkeiten damit habe ich in letzter Zeit leider gut miterleben können…

        Den Alkohol als hilflosen Versuch der erkrankten Menschen, eine tiefe Langzeitdepression zu bekämpfen, kann ich nur bestätigen, lieber Finbar. Es hört sich seltsam an, aber so ist es wirklich. Und dabei ist es nur der Weg nach unten…

        Für einen in der Psyche einigermaßen gesunden Menschen ist das alles kaum vorstellbar.

        • finbarsgift sagt:

          Wie auch, liebe Bruni, das wird dir ja in der Schule in keinem der Fächer erklärt, nicht mal drauf aufmerksam wirst du dort gemacht, und wenn nicht in der Schule damit angefangen wird, wo dann??
          Später sind die (unangenehmen) Überraschungen dann oft fatal und machen zumeist hilflos…

          • bruni8wortbehagen sagt:

            in der Schule würde es wohl jeden Unterricht sprengen…

            Das Leben selbst zeigt so allerhand.
            Manchmal hat man Glück und kommt ohne jegliche psychische Störung, durch das oft unglaubliche Geschehen, doch manchmal erträgt die Psyche weniger und wird krank.

            Leider kommt man schnell in den Ruf eines Simulanten, eines hypochondrisch Kranken und das trägt natürlich nicht zur Gesundung bei… Es macht alles schlimmer, bis es total unerträglich geworden ist und nur noch schnellstmögliche fachliche Hilfe evtl. Besserung verspricht…
            Die muß aber erst noch gefunden werden.
            Ein schwieriger Weg.

            • finbarsgift sagt:

              …und dennoch ist die globale Zunahme, vor allem in den reichsten Ländern der Erde, zum Beispiel der G9-Staaten, absolut KRASS, was Krankheiten wie Depressionen, Neurosen, Psychosen und auch starken Alkoholismus angeht…

              mann/frau geht dbzgl immer noch nicht offen(herzig) miteinander um!
              Funktionierst du nicht rund um die Uhr „ordentlich“, dann stehst du sehr rasch am Rande der mitleidlosen brutalen Leistungsgesellschaft!

              • bruni8wortbehagen sagt:

                Die Neuzeit hat es in sich. Sie schleppt auch noch diese psychischen Krankheiten an, als hätten wir keine anderen Sorgen… *g*

                Ja, ich weiß, daß es so ist oder habe ich früher nicht genug aufgepasst?

                Dieser Druck, den jeder anders empfindet, kann fürchterlich sein und bis einer zugibt, daß ihm alles über den Kopf wächst, ist es oft schon fast zu spät…

                Jeder arbeitet still oder auch * laut brüllend* vor sich hin und wenn da nicht einer ist, der auf seine Mitarbeiter aufpasst, ihm Lasten von der Seele nimmt, dann kann viel Unglück geschehen… Meist sind auch den Chefs die Hände gebunden, weil dieses Budget im Hintergrund alle drängt und drängt.
                Falsch, alles fasch, was da läuft. So sollte es nie sein.

                Wenn ich daran denke, wieviele Gespräche mit meinen Mitarbeitern ich hatte und dann wurde die Stelle ersatzlos gestrichen, bis einem auffiel, so geht es doch nicht weiter und nun gibt es wieder jemanden, der ein Ohr für diese oft so klein scheinenden Sorgen der Leute hat.
                Es muß nur bemerkt / erkannt werden. Vieles kann dadurch vermieden werden.

  12. Ich bin fix und fertig! Nach diesen (sehr unterhaltsamen) Zeilen, muss ich mich erst mal wieder aufladen… Sehr eindrücklich geschrieben! Lieben Dank für dieses ‚Schmankerl‘! Lg, Nora

  13. kinder unlimited sagt:

    Irgendetwas davon wird sicher jeder auch in sich selbst wiederfinden, nur in der Bandbreite bei einem Menschen klingt es schon beängstigend. Mich hat beeindruckend, wie spannend Du doch den täglichen banalen Lebensablauf beschreiben konntest. LG Ann

    • finbarsgift sagt:

      Das klingt schön und freut mich, Ann!

      Tja, der sogenannte tägliche banale Lebensablauf, der Alltag, erfreut nun mal nicht groß die Herzen der Menschen, aber im Grunde ist das zu einem Großteil unser Leben, garniert mit ein paar sogenannten Highlights dann und wann…

      Dir ein schönes Wochenende wünsche, liebe Sturmregengrüße vom Lu

  14. gkazakou sagt:

    ich lese immer Text plus Kommentare, so brauche ich an vielen Stellen nur noch zustimmend zu nicken. Hier besonders zu Brunis wunderbar menschlichen Anmerkungen. Mir bleibt nur eine Ergänzung: Ich liebe es nicht, Menschenverhalten unter medizinische Fachwörter zu subsummieren, auch wäre dein Zeitgenosse korrekter Weise nicht als Neurotiker, sondern eher als Hypochondriker (Depressiver) mit psychotischen Syndromen (Waschzwang, Kaustrophobie) zu bezeichnen. Neurotiker für Alltagsverhalten zu verwenden, ähnelt dem früheren Gebrauch von Kretin für Menschen, die ein bisschen langsamer denken. ABSOLUT falsch ist auch, lieber finbar, deine Verwendung des Begriffs endogene Depression. Die hat absolut nichts mit Alkoholmissbrauch zu tun. Es handelt sich um eine schwere Erkrankung, die durch „innere Ursachen“ (im Gegensatz zu äußeren, exogenen Depressionen nach Kopfverletzung etc) ausgelöst wird und unbehandelt oft zu Selbstmord führt. Heute wird der Begriff kaum noch verwendet.
    Ich weiß natürlich, dass du keinesfalls die Absicht hattest, kranke Menschen zu veralbern. Sei daher bitte im Gebrauch der Wörter vorsichtig. Liebe Grüße von Gerda

    • finbarsgift sagt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Gerda,

      schade nur, dass du mich da wohl etwas falsch verstanden hast, denn ich kenne den Begriff der endogenen Depression sehr wohl sehr gut und ich kenne auch Menschen sehr gut, die sich in einer solchen befinden,
      UND ich habe auch einschlägige Erfahrung mit Alkoholiker/innen und kenne auch sie sehr gut…
      und weder das eine hat mit dem anderen – da hast du natürlich recht – etwas zu tun,

      doch sehr oft ist es eben so, dass sich diese beiden Krankheitsbilder immer mehr durchdringen, d.h. depressive Menschen immer mehr trinken, oft heimlich, und oft zusätzlich zu Medikamenten (was ich als sehr gefährlich einstufe) UND starke Trinker/innen immer mehr in Depression verfallen, ob endogen oder nicht, das sei mal dahingestellt…

      Natürlich ist der hier etwas übertrieben dargestellte Neurotiker auch Hypochonder, Zwangskranker, Herzneurotiker, vielleicht sogar Psychotiker, zu weit wollte ich das hier jetzt nicht ausführen …

      Selbstverständlich habe ich absolut keine Absicht gehabt, kranke Menschen hiermit zu veralbern! Wenn das so „rüberkommt“, dann tut es mir leid und bitte um Entschuldigung!
      Liebe Sturmregengrüße vom Lu

  15. Karin sagt:

    Was für ein Kraftakt, so in die Gänge zu kommen, zum Glück hat mir meine Fee an der Wiege solche morgendlichen Qualen nicht zugedacht ;mir würde nur das Herz stolpern, wenn ich KALT duschen müsste-:)))
    So einen Menschen an seiner Seite zu haben, da gehören starke Nerven und viel Galgenhumor dazu, denn diese Ich-Bezogenheit würde mir zu schaffen machen.

    Lieber Lu, habe trotzdem ein schönes Wochenende und ich musste an Deinen Text vom Albtraum mit dem Stolpern im nächtlichen Zimmer denken, stand der bei Mono oder hier?

    aprilige Grüße vom Dach
    Karin

  16. refoexac sagt:

    Und ich dachte, als Asperger wäre es schwer… Aber da sind viele Gemeinsamkeiten. Stichwort: Zwänge. Da hab ich ganze Systeme, wie ich kontrolliere ob alle Schalter am Herd exakt auf der 12-Uhr-Position stehen, ob alle Sicherungen im Kasten auf aus stehen und die Türfalle ist schon fast kaputt vom vielen nachkontrollieren, vorm schlafengehen ist es meist am schlimmsten, da kann dann schon gut ne halbe bis ne dreiviertelstunde vergehen, bis ich alles 2-3 mal durchgezählt habe. Aber ja nu, notwendiges Übel halt.

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