Ein Anruf (Bukowski)

Liege in der Badewanne
Und lese wieder einmal
Célines Reise ans Ende der Nacht.
Das Telefon klingelt.
Ich steige raus,
schnappe mir ein Handtuch.
Es ist einer von Smart Set,
er möchte wissen, wie es
in letzter Zeit in meinem
Briefkasten aussieht, und
in meinem Leben.
Gähnende Leere, sage ich,
im Briefkasten wie im
Leben.
Er denkt, ich verschweige
Ihm etwas. Hoffentlich hat er
recht.

© Charles Bukowski

Advertisements

27 Kommentare zu “Ein Anruf (Bukowski)

  1. chris sagt:

    Guter alter Charlie – wie es ihm wohl im Schriftstellerhimmel geht ?

    • finbarsgift sagt:

      Tja, das habe ich mich auch gerade gefragt, und dem Céline…
      Komisch, Schriftsteller sterben…
      Und dann auch wieder nicht.

      • Die, die beeindruckten sterben (so glaube ich wenigstens) nicht;
        sie sind uns oft so nahe und fühlen sich lebendiger an,
        als manchmal das Leben um uns – wenigstens, während wir aus
        ihrem Gedankengut lesen und alles um uns herum vergessen

        • finbarsgift sagt:

          Na ja, physisch gesehen, sterben alle, liebe Bruni, und „beeindrucken“ klingt für mich seeeehr relativ…

          Beispiel: das Gedankengut eines Marc Aurel begleitet mich tagtäglich, die meisten Menschen auf Erden kennen aber nicht mal seinen Namen (mehr)…

          • bruni8wortbehagen sagt:

            Physisch ja klar.
            Aber ist es nicht wichtig, dass wir sie in unserer Erinnerung behalten?
            Jeden beeindrucken andere,aber ich glaube, den Marc kennen sehr sehr viele, lieber finbar.

            Einen schönen morgen wünsche ich dir

  2. ..höchste Zeit was in die Welt zu versenden ;-).

  3. brandy99 sagt:

    Ich habe früher mit Begeisterung diesen „Kerl“ gelesen ;-))

  4. kinder unlimited sagt:

    ich kenne ihn eigentlich nur „deftiger“….dieser Text gefällt mir sehr gut!

  5. bruni8wortbehagen sagt:

    Ein sehr ehrliches Gedicht eines Mannes, der wußte wie er war. Hart und knapp geworden im unbewältigten Leben und er steht dazu, gibt zu, daß er nur noch am Rande steht.
    Der Ewigkeit? Oder des Lebens?

    Er erkennt die Leere in sich, um sich herum, und endlich denkt er darüber nach, besäuft sich nicht mehr, um zu vergessen… sieht glasklar, wie es ist…

    Vielleicht sollte ich es doch mal wieder mit ihm versuchen. Noch weiß ich´s nicht.

  6. Flowermaid sagt:

    Ein schönes Bild ist Bukowski in seinem Text gelungen, dem Vergleich seines Lebens mit einem Postkasten. Allerdings spielt es wohl keine Rolle ob er Tatsächlich angeschrieben wird, vielmehr ist es ihm gleichgültig weil das was ankommt keine Resonanz in seinem Ich findet…

  7. Flowermaid sagt:

    … einen feinen Text hast du da gefunden… sonnige Grüsse an dich Lu 🙂

  8. gkazakou sagt:

    Wer oder was ist „einer von Smart Set“? Und welche Position räumt ihm B ein, dass von seinem Denken irgendeine Hoffnung ausstrahlen könnte auf B’s Leben? Das frage ich mich.

    • finbarsgift sagt:

      Smart Set war früher mal eine literarische Zeitschrift…
      Etwas moderner aufgemacht gibt es sie aber auch heute noch als Online Magazin für Kultur und Ideen, Kunst und Wissenschaft (nur auf englisch)…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s