​kein ausweg mehr

brütende hitze liegt schwer über der stadt
kapstachelbeeren beginnen fein zu reifen
ein paar wenige menschen springen herum
wie der wilhelma entsprungene glücksaffen

wir aber liegen im stadtgarten auf dem grün
beobachten das blau des heiteren himmels
lassen unsere unruhigen gedanken kreisen
bis sie in unseren köpfen heisslaufen

sollte es wirklich aus sein mit uns beiden?
haben wir alle möglichkeiten ausgeschöpft?
sind wir denn schon so lange zusammen?
ist unser liebesende bereits dermaßen nah?

keiner von uns spricht auch nur ein wort!
doch inwändig herrscht verbale kakofonie!
warum findet keiner von uns einen ausweg!
es muss doch irgendwie weitergehen können!

wir liegen im weichen gras mitten in der city
hören die singenden vögel in den bäumen
lassen unseren regen gedanken freien lauf
bis sie schier zu verrückten geistern werden

brütende hitze liegt schwer über uns beiden
lavendelgräser sind aschefarben am verblühen
einige menschen schleppen sich mühsam dahin
wie verstörte zombies aus dem dunklen jenseits

© finbarsgift

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Damit Literatur entstehen kann (Knausgard)

Jahrelang hatte ich versucht, über meinen Vater zu schreiben, es aber nie geschafft, wahrscheinlich, weil dies meinem eigenen Leben zu nahe kam und sich dadurch nicht so leicht in eine andere Form zwingen ließ, die doch Voraussetzung für Literatur ist.

Das ist ihr einziges Gesetz: Alles muss sich der Form unterordnen. Ist ein anderes Element der Literatur stärker als die Form, etwa der Stil, die Handlung, die Thematik, gewinnt eins von ihnen die Oberhand über die Form, ist das Ergebnis schwach.

Deshalb schreiben Autoren mit einem markanten Stil so häufig schwache Bücher. Deshalb schreiben auch Autoren mit einer markanten Thematik so häufig schwache Bücher.

Damit Literatur entstehen kann, muss das Markante in Thematik und Stil niedergerissen werden. Dieses Niederreißen ist es, was man >>schreiben<< nennt. Beim Schreiben geht es eher ums Zerstören als ums Erschaffen.

© Karl Ove Knausgard

​Die Natur erfahren

Bei diesem traumhaft schönen und völlig stabilen Hochsommerwetter mit dem geliebten Töff einfach so mal ein paar Stunden in der Gegend herumzufahren, dabei sozusagen wortwörtlich die Natur erfahren, das ist ein geradezu wundervolles Unterfangen.

Die Kesselstadt, mit ihren sie weiträumig direkt umgebenden Mittelgebirgslandschaften, wie dem Schwäbisch-Fränkischen Wald und vor allem der grandiosen Schwäbischen Alb, bietet dafür wahrlich ein herrliches Umfeld, tatsächlich sanft eingebettet zwischen Wein, Wald, Wiesen und Hügeln, für mich eine traumhaft schöne Gegend.

Ein paar meiner Lieblingstöfftouren führen zum Beispiel durch das nahe Siebenmühlental im Süden der Großstadt, inklusive das feinkurvige Tal der Aich, dann die herrlich gelegenen Ortsteile der Gemeinde Berglen im Norden, verteilt auf mindestens sieben wohlgeformte Hügel, sowie natürlich der mich immer wieder faszinierende Albtrauf, von Nordosten bis Südwesten, also vom Ipf bei Bopfingen bis in die Gegend der zehn Tausender bei Rottweil.

Wenn es so gewaltig heiß ist wie derzeit, dann ist das mit der Motorradkleidung immer so eine Sache. Ziehe ich Stiefel und Lederkluft an, sowie Handschuhe und verschmachte dann schier unterwegs bei der Fahrt, aber fühle mich sicher und im Falle eines Sturzes wenigstens einigermaßen geschützt?!

Oder setze ich quasi nur den Helm auf und düse mit kurzem Hemd, kurzer Hose und Halb- oder Walkingschuhen ohne Handschuhe die Serpentinen ab Neuffen zur Burg Hohenneuffen hoch?

Der Kontakt zur Natur ist in diesem Fall natürlich eindeutig intensiver, aber wenn ich dann doch mal wieder auf Rollsplit oder einer Ölspur ausrutschen sollte, dann ist auch die Gefahr mich ziemlich übel zu verletzen schon um einiges größer.

Die meisten der Albtraufstrecken kenne ich in- und auswendig, bin sie schon zigmal gefahren, bei jedem Wetter, bis auf bei Eis und Schnee, da geht dann nichts mehr.
Ich liebe dort in der Gegend, vor allem zwischen Neidlingen (Ruine Reußenstein) und dem Klippeneck, jede einzelne Kurve – es sind Tausende -, rauf und runter, immer wieder, ein absolutes Paradies für Motorradfahrer/innen.

Am Wochenende werde ich mich dort wieder einmal ein wenig tummeln, die Natur so hautnah wie mit dem Töff möglich erleben und zwischendrin, direkt auf der Strecke liegend, in wundervollen Bädern am Albtrauf und auf der Albhochfläche, wie zum Beispiel in der Panorama Therme Beuren oder im Badkap von Albstadt, mir den Kopf und restlichen Körper herrlich erfrischend kühlen.

Wundervolleres gibt es kaum auf dieser Erde, bis auf den jährlichen Urlaub auf meiner geliebten Windinsel im weiten Ozean.

© finbarsgift