Dasein (Lasker-Schüler)

Hatte wogendes Nachthaar,
Liegt lange schon wo begraben.
Hatte Augen wie Bäche klar,
Bevor die Trübsal mein Gast war,
Hatte Hände muschelrotweiß,
Aber die Arbeit verzehrte ihr Weiß.

Und einmal kommt der Letzte,
Der senkt den hohlen Blick
Nach meines Leibes Vergänglichkeit
Und wirft von mir alles Sterben.
Und es atmet meine Seele auf
Und trinkt das Ewige.

© Else Lasker-Schüler

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29 Kommentare zu “Dasein (Lasker-Schüler)

  1. bruni8wortbehagen sagt:

    In all seiner Traurigkeit sind auch diese Zeilen von ihr wie ein ewiges Werk, das niemals seinen Zauber verlieren wird.
    Bei Lesen könnt ich weinen vor Freude über die Schönheit der Verse und weinen über das, was sie beschreibt – und doch weiß ich um das, was immer geschieht – unausweichlich –

    am Ende unseres Lebens, das soooooooooo weit entfernt liegt, lieber Finbar

  2. pgeofrey sagt:

    Wirklich wundervoll!

  3. ellilyrik sagt:

    Wunderbare Zeilen, lieber Lu,
    und sehr berührend.
    Einen guten Tag und alles Liebe,
    Elke

  4. seufz… wundertraurigschön.

  5. dieMondin sagt:

    Ich darf mich dem hier geschriebenen anschließen. Wundervolle Zeilen, die unter die Haut gehen. Der Weg dahin darf sich gerne noch etwas ziehen.
    Hab einen wundervollen Sommerabend lieber Lu.
    Herzlichst Ulrike

  6. Karin sagt:

    Jetzt „Da sein“, sich nicht von der Melancholie anstecken lassen, auch wenn die Worte berührend sind.
    Später Abendgruss vom Dach in Hanau Karin

  7. kinder unlimited sagt:

    Da hat sie wohl recht, aber so ist es nunmal. Melancholisch empfinde ich es nicht, eher anschaulich! Und wunderbar in Worte gefasst!

  8. gkazakou sagt:

    wer so das Altern und Sterben nehmen kann, der ist gesegnet, denn er kennt den Tod nicht.

  9. kowkla123 sagt:

    da hast du was ganz Schönes heraus gesucht, schönes Wochenende wünsche ich dir

  10. Ulli sagt:

    Schön, lieber Finbar, dass du an Else Lasker-Schüler erinnerst, die ewig Wehmütige, als junge Frau habe ich ihre Verse verschlungen, da war ich ähnlich sinnlos verliebt 😉
    herzlichst
    Ulli

  11. gkazakou sagt:

    Ich las es jetzt wieder, und nun nimmt das Lächeln ihrer Totenmaske auch dieses mit auf: „und es atmet meine Seele auf und trinkt das Ewige“.

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