Zeit, zu ernten (Hauge)

Die milden Sonnentage im September.
Zeit, zu ernten. Noch gibt es Buckel
mit Kronsbeeren im Wald, Hagebutten röten
sich entlang der Steinwälle, Nüsse fallen
und schwarze Trauben von Brombeeren
glänzen im Gestrüpp, die Drossel sucht
nach den letzten Johannisbeeren, und
die Wespe saugt die süßen Pflaumen aus.

Am Abend stell ich die Leiter weg und hänge
meinen Korb in den Schuppen. Magerer Firn
hat schon eine dünne Lage von Neuschnee.
Im Bett liegend höre ich das Tuckern der Sprottenfischer, sie fahren aus.
Die ganze Nacht, weiß ich, gleiten sie mit starken Scheinwerfern suchend über den Fjord.

© Olav H. Hauge

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33 Kommentare zu “Zeit, zu ernten (Hauge)

  1. Karin sagt:

    Vielleicht intereressiert es Deine Leser, was ich im Netz über ihn gefunden habe:

    http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/jon-fosses-lehrmeister-1.18603713

    Lieber Gruß in Deine baldige Abendmuße -:)))

  2. Corona sagt:

    Die Wespen saugen nicht nur Pflaumen aus, sondern sind auch sehr angriffslustig.

  3. teekay1st sagt:

    Schöne Zeilen, die ich bei Dir lesen darf. Danke

  4. teekay1st sagt:

    War ein Gefallen, den ich jemanden machte… weniger Business-mäßig, mehr cool und Base-Cap. Sie liebt das… 😎

  5. bruni8wortbehagen sagt:

    Ich mußte auch mal nachsehen, lieber Finbar, denn ich kannte nicht mal seinen Namen…

    Seine Worte gefallen mir sehr. Sind sie doch genau in der Art und Weise geschrieben, wie ich die Lyrik so liebe, einfach und doch von Aussage. Nicht von weltbewegender, oder vielleicht gerade doch – in ihrer Schlichtheit – die die konstante immer wiederkehrene Wahrheit enthält.

    Das fand ich und es gefiel mir:

    *Er veröffentlichte acht Gedichtbände, mehr nicht. Er war ein schüchterner, selbstkritischer Autor, kein Mann des Literaturbetriebs. Wiederholt versuchte er, Buchmanuskripte kurz vor der Veröffentlichung zurückzuziehen, zwei Manuskripte verbrannte er. Er gilt heute als zentrale Gestalt der norwegischen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.*

    Und das alles unter einem relativ unbekannten Namen
    Danke dafür, daß Du ihn für uns gefunden hast, lieber Finbar!

  6. wie wunderbar, das gefällt mir sehr!
    olav h. hauge kannte ich bisher auch nicht.
    eine ganz feine entdeckung!

  7. Wunderbar. 🙂
    Ich hab‘ hier noch eine schöne Ergänzung – genau dieses Gedicht im Originalton gelesen von Olav H. Hauge:

  8. Flowermaid sagt:

    … Impressionismus mit Worten gemalt…

  9. kinder unlimited sagt:

    und mich interessiert, welche Frau das Herz dieses so introverierten feinfühligen Mannes mit 70 Jahren berühren konnte und ihn zur Heirat überzeugen konnte 😉

  10. zeilentiger sagt:

    Ein schöner Ausschnitt.

  11. ventisqueras sagt:

    il dolce settembre
    scala luci sonore nei prati
    tintinnare di foglie nel vento
    uva nei folti filari
    il dolce settembre è anima di vino
    in un sorriso tentatore

    buona giornata Lu

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