Herbsttag (Rilke)


Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

© Rainer Maria Rilke

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43 Kommentare zu “Herbsttag (Rilke)

  1. Anna-Lena sagt:

    Dann wollen wir uns, ganz nach Rilkes Empfehlungen, wappnen.
    Einen herzlichen Gruß zur Wochenmitte, lieber Lu 🙂 .

  2. Der HERBST ist immer l u s t i g ,
    f l a t t e r h a f t
    f a r b i g

  3. einfachtilda sagt:

    Das hat Rilke gut ge…beschriebem. Ich mag es immer wieder gerne.

    LG Mathilda ❤

  4. schifferw sagt:

    Ein wunderbares Gedicht! Ich wundere mich nur immer noch darüber, dass der Herr die Winde los lassen soll – ich kenne den Ausdruck auch in einem durchaus profaneren Zusammenhang!

  5. Christiane sagt:

    Mag ich immer wieder gern, auch wenn es mir eigentlich schon zu den Ohren rauskommen müsste …
    Regengruß
    Christiane

    • finbarsgift sagt:

      Genauso geht’s mir auch, liebe Christiane!

      Aber gerade dieses Poem von ihm ist so verdammt gut, dass ich es schon einmal pro Jahr vertragen kann *schmunzel*

      Herzliche Herbstgrüße vom Lu

  6. dieMondin sagt:

    Ich freu mich da besonders auf die „südlicheren Tage“. Die tun uns alle gut 😉
    Entspannte Regengrüße
    Ulrike

  7. lesenbiene sagt:

    Ist immer wieder schön zu lesen!

  8. kowkla123 sagt:

    ja, der Rilke wusste es in Worte zu fassen, schönen Wochenteiler

  9. Herr Ärmel sagt:

    Neben dem Gedicht von Hermann Hesse ist René Rilkes Herbsttag geradezu ein lyrisches Immergrün geworden.
    Beim Lesen der letzten Strophe fühle ich mich immer an jenes seltsame Gebäude versetzt, in dem Rilke seine letzte Lebenszeit verbrachte. Im Schatten des Turms von Muzot würde einem dieser Text wahrscheinlich zu jeder Jahreszeit einfallen…

    Nachmittagsgruss unter ziehenden Grauwolken,
    Herr Ärmel

  10. Videbitis sagt:

    Ein Wortkünstler, geradezu ein Zauberer – menschlich aber eine eher schwierige Persönlichkeit, wie man in Klaus Modicks Worpswede-Roman „Konzert ohne Dichter“ nachlesen kann, übrigens ein sehr gutes, empfehlenswertes Buch.

  11. bruni8wortbehagen sagt:

    Wie schön, eines meiner Lieblingsgedichte vom Herrn Rilke, lieber Finbar,
    das ich immer wieder hören könnte und das mir auch immer im Gedächtnis bleibt

    Es kommt mir nie zu den Ohren heraus,im Gegenteil, meine Ohren freuen sich, wenn sie es hören dürfen *lächel*

  12. Mitzi Irsaj sagt:

    Ich liebe dieses Gedicht.

  13. Corona sagt:

    Schön. So ist der Herbst.
    🎼 🎶Buuunt sind schon die Wäääälder, gelb 🎶 die Stoppelfeeeelder und der Herbst 🍂 beginnt 🎶🎶

  14. carmen sagt:

    Herzliche Herbstgrüße lieber Lu!

    ❤ carmen

  15. So ein Ach-Gedicht. Eins zum Seufzen, aber auch eins zum Bewundern.

  16. Flowermaid sagt:

    … so sind sie die Zeiten der Gezeiten im Rhythmus der Natur, was nicht für uns Menschen heisst, es gibt keine wärmende frische Zweisamkeit… Seelenfindung steht über Jahreszeiten…

  17. ellilyrik sagt:

    Ein wunderbares Gedicht von Rilke!
    Ich lese es immer wieder mit der gleichen Freude, lieber Lu!
    Danke dafür und herbstliche/herzliche Grüße, Elke

  18. …darum ich mich der letzten Süsse des Weines widmete, in der Ruhe die Stille genösse, damit die Blätter nicht trieben und sich vielleicht noch jemand dazugeselle… 🙂

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