​Finsternisse (Tendrjakow)

Finsternisse gehen vorüber. Soll sich doch erst mal einer finden, der keine durchlebt hätte.
Die Menschen sind untereinander durch viele Bande verbunden. Durch viele viele Bande sind sie miteinander verwachsen.
Das einfachste, das kürzeste menschliche Band – ER und SIE – ist der Anfang von allem. Darin liegt die Beständigkeit unseres Seins.
Da aber reißt es am häufigsten.
Da durchläuft jeder das Examen des Eindringens in den anderen – er in sie, sie in ihn! Begreife einen Menschen und erkenne ihn an, den einzigen von allen, der bestimmt ist, mit dir den Weg zu teilen. Begreife ihn! Nein, das ist schwer.
Wahrlich: gegenseitiges Verstehen bezahlen die Menschen mit Blut und mit Stücken ihres Lebens. Wir beide hatten reichlich bezahlt.

© Wladimir Tendrakow

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46 Kommentare zu “​Finsternisse (Tendrjakow)

  1. Poeta sagt:

    Oh das trifft. Man bezahlt mit Blut und Stücken seines Lebens. Und doch…

  2. Paleica sagt:

    großartige worte. danke.

  3. Corona sagt:

    Wer liebt, der leidet.

  4. Anna-Lena sagt:

    Keine leicht Kost und das zum Frühstück, lieber Lu.
    Aber nachdenkenswert…

  5. Manchmal wird mit zunehmender Nähe auch der Abstand grösser. C’est la vie… 🙂

  6. kowkla123 sagt:

    echt gute Erkenntnis, alles Gute zum heutigen Mittwoch

  7. Sternchen sagt:

    es ist aber das Risiko wert!

  8. Wer ist dieser Tendrakow, ich kenne ihn noch gar nicht. Ist das aus einem längeren text?

  9. Videbitis sagt:

    Das sind Liebesvorstellungen, von denen wir uns eigentlich trennen sollten, auch wenn sie (seit der Romantik) weit verbreitet sind: „… den einzigen von allen, der bestimmt ist, mit dir den Weg zu teilen …“ – den gibt es doch nicht, wir wissen es beide, oder? Auch, wenn es einem so erscheint in den Momenten großer Leidenschaft.
    „… gegenseitiges Verstehen bezahlen die Menschen mit Blut und mit Stücken ihres Lebens …“ – weia, das klingt ein wenig wie aus einer Metzgerei, und es stimmt ja auch, so fühlt man sich manchmal, wenn die Fetzen fliegen in einer Liebesbeziehung. Allerdings hat das mit der Liebe nicht viel zu tun, sie ist vielleicht der Auslöser, aber das, was destruktiv ist oder wird, kommt imer hinzu (Eifersucht, Zurückgewiesenwerden usw.), die Liebe selbst ist nie destruktiv.
    Und das gegenseitige Verstehenwollen „bezahlt“ man nicht mit Lebensstücken, sondern das IST das Leben – das ganze Leben (oder das halbe, wenn man Ruhezeiten abzieht;-) verbringen wir mit dem Versuch, unsere Mitmenschen zu verstehen, und besonders intensiv natürlich bei denen, die wir lieben.
    Die Liebe, die funktioniert, ist für die Literatur natürlich ziemlich uninteressant: Wer möchte davon lesen, daß sich zwei ohne Hindernisse lieben, 300 Seiten lang? Kein Mensch, das ist einfach zu langweilig. Wenn aber das Hauen und Stechen anfängt, die Leidenschaften auflodern und äußere oder innere Hindernisse beseitigt werden müssen, da wird es interessant. Aber – das Leben ist gar kein Roman.:-)

  10. Flowermaid sagt:

    … die Liebe ist in allem… was oft gelebt wird sind Muster von Verletzungen, die zu nichts führen ausser Schmerz…

  11. refoexac sagt:

    Das trifft es genau auf den Punkt. Ohne diese kleinen Schnitte verändert man sich nicht und doch sind diese kleinen Schnitte öfters sehr schmerzvoll und nicht immer nimmt man sie gerne an.

    LG
    Joe

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