Mittagessen

Das Kleinkind wirft
Andauernd Gegenstände
In der Gegend herum

Mama Oma und Opa
Freuen sich darüber wie
Kleine Kinder

Ihnen gegenüber
Nehme ich gerade mein
Mittagessen ein

Plötzlich landet ein
Plastikspielzeug des Kindes
Mitten in meinem Teller

Mein leckeres indisches
Currygericht spritzt im hohen
Bogen auseinander

Ich will darüber lächeln
Doch meine Gesichtsmuskeln
Versagen kläglich

Sofort unterbreche ich
Mein feinindisches Mittagsmahl
Und warte erst mal ab

Eine Weile geschieht
Überraschenderweise gar nichts
Es herrscht Betroffenheit

Nur das Kind lacht und
Scherzt immer noch weiter in
Bester Werflaune

Schließlich stimmen
Wir alle mit ein und lachen
Mit ihm zusammen

Opa holt mit Entschuldigung
Das Spielzeug seines Enkelengele
Mitten aus meinem Essen

Ich schaffe es nun
Nicht mehr weiterzuessen
Vor lauter Lachen

Stehe auf und entsorge
Teller samt Leckerinhalt und
Verlasse den Essraum

Erst die kalte Frischluft
Draußen vor der Tür kann meinen
Lachanfall abkühlen

© finbarsgift

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Poesie.

40 Kommentare zu “Mittagessen

  1. simonsegur sagt:

    Interessante Form, gefällt mir: eine Erzählung in Versformat, ganz „unkünstlerisch“ nur per Dreizeilen-Gruppen und Majuskeln am Zeilenanfang fast zwängend-zwingend zu einem Gedicht gemacht. Spannend.

  2. Anna-Lena sagt:

    Ach, lieber Lu, eigentlich sollte man nicht mit einem Lächeln hinweg gehen. Müssen Kinder sich überall benehmen wie zu Hause? Ich habe oft das Gefühl, dass Eltern überfordert sind und Kindern nicht die Grenzen aufzeigen. Ich bin auch nicht dafür, dass sie auf ihren Stühlen kleben und sich langweilen müssen, wie wir es früher erlebt haben, aber die Freiheit hat auch Grenzen, wenn sie die der anderen so tangiert.

    Liebe Grüße und heute bzw. morgen hoffentlich ein ruhiges Mittagessen 🙂 .

  3. Karin sagt:

    Greifst Du etwa den Ereignissen auf dem Dach vor? -:)))) Aber Spielzeug gibt es beim Essen nicht, Wutzerei ab und an trotzdem -:))), wenn der Knabe satt ist, werden die Fingerchen gewaschen und er darf spielen, langes Sitzen am Tisch bleibt ihm erspart. Aber was ich bisher im Sommer mitbekommen habe, ißt er erstaunlich manierlich.Ich werde berichten. Mußte aber beim Lesen Deiner Currybescherung auch lachen.
    Vorfreudige Grüße, sie sitzen schon im Zug, von mir an Dich.

  4. Mitzi Irsaj sagt:

    Die wohl beste Reaktion.
    Geschehen ist es ja schon. 🙂
    Dennoch ein wenig schade um das leckere Curry.

  5. ingeborgthoring sagt:

    … etwas wie Fernsehen: einschalten, sich amüsieren, ausschalten. Und beim nächsten Mal vielleicht einen anderen Sender wählen.

  6. maribey sagt:

    Herrlich. Lachen ist eine wunderbare Reaktion.

  7. Corona sagt:

    Da haben Omma Oppa Mamma wohl erst mal das Schlimmste befürchtet. Dein Lachen war entwaffnend, herrlich. Der Resthunger vergessen.

  8. Flowermaid sagt:

    … Schock und Humor liegen oft nah beieinander, gut gewählt und schön geschrieben…

  9. Also Lu, ich verstehe dich nicht.
    Du hast *nur* gelächelt.
    Du hättest doch wenigstens noch Beifall klatschen koennen,
    für so einen hervorragenden Wurf und den Großeltern noch kurz gratulieren,
    … zu was auch immer …!
    Segen dir!
    MM.

  10. bruni8wortbehagen sagt:

    Eine feine Geschichte, die alle Eltern kennen.
    Sind die Kleinen noch im Hochstühlchen oder Kinderwagen oder Buggy
    git es kein einziges Kind, das dieses Herunterplumpsenlassen nicht ausprobiert.
    Es ist gespannt, wie die Eltern reagieren.
    Knausgard kann auch ein Lied davon singen. Wie beiläufig klingt es bei ihm und ausführlich
    erzählt er davon. Hat er Dich inspiriert, lieber Finbar?

    Lächelnde liebe Grüße von Bruni, die gleich wieder im Wohlfühlbettchen verschwindet, an Dich

  11. Hast du gut gemacht lieber Lu, denn was wissen Kleinkinder schon vom erwachsen sein und sich benehmen 😉

  12. troganer sagt:

    Großeltern haften für ihre Enkel! Ich hoffe, dass Dir die alten Herrschaften während des gemeinsamen Lachanfalls einen Hunni für Lunch und Reinigung der Kleidung zugesteckt haben. Davon abgesehen eine wunderschöne Beobachtung.

  13. San-Day sagt:

    Danke Dir für ein herzerwärmendes Lachen im Wortbild zur Nacht.

  14. quersatzein sagt:

    Tja, das ist zum Lachen und Fluchen zugleich. Gut dass der kleine Schlingel noch unmündig ist und nicht haftbar gemacht werden kann… 😉

    Herzlichen Sonntagsgruss,
    Brigitte

  15. Clara HH sagt:

    Da Essen aus Restaurantküchen eventuell noch mit schlimmeren Sachen als Bausteinen in Berührung kamen, hätte ich vielleicht keinen Grund gesehen, mein Essen zu beenden – Bauklotz raus, den Großeltern so schmutzig, wie er ist, auf den Schoß geworfen und zu Ende gegessen. – Wäre doch auch ein Weg, oder nicht?

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