Weihnacht (Wondratschek)

Weihnacht –
Weltkrieg der Wünsche,
Stichtag für Selbstmörder,
größte Einsamkeit.

Wer lag wo im Stroh?
Wie lange ist das her?
Ach so, so lange schon?
Na dann, kein Wunder,
daß keines geschieht.

Gute Nacht,
stille und heilige.
Ich bin vom Wünschen so müde
und müde vom Anschaun brennender
Kerzen, vom Warten auf
Schnee.

Ich könnte heulen –
und muß nur lachen.
Was soll man denn sonst
an Weihnachten machen?

© Wolf Wondratschek

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50 Kommentare zu “Weihnacht (Wondratschek)

  1. Sternchen sagt:

    man sollte Weihnachten auch nicht überinterpretieren…..ich könnte drauf verzichten:-) LG Ann

  2. ingeborgthoring sagt:

    … also einen kleinen Baum kaufen und die Kirche im Dorf lassen …

  3. Art of Arkis sagt:

    Wolf Wondratschek’s Sachen mochte ich schon als ich 20 war. Sehr treffend!

  4. ingeborgthoring sagt:

    Mit dem Tingeltangel zu Weihnachten bin ich diesmal ins Hintertreffen geraten.

  5. kowkla123 sagt:

    Einfach toll geschrieben, für alles, was du vorhast, wünsche ich gutes Gelingen.

  6. Karin sagt:

    Der nun wieder mit seinem trockenen lakonischem Humor -:))))

  7. Videbitis sagt:

    Wondratscheck hat mich eine zeitlang ziemlich genervt, als er andauernd im TV war und den provokanten bösen Machobuben gab, auf den die Frauen trotzdem – oder gerade deswegen – stehen, blöde Selbstinszenierung. Jetzt aber schon lange nicht mehr (lebt der noch?), und das Gedicht ist doch ganz rührend – son „starker“ Kerl, und fühlt sich einsam zu Weihnachten.Och jöö …

    • finbarsgift sagt:

      Interessant!
      Ja, er lebt noch, ist 73, hat sich wohl inzwischen all seine poetischen Hörner abgestoßen…

      Also hast du inzwischen deinen Frieden mit ihm geschlossen?

      • Videbitis sagt:

        Ja, ich habe ihn schon lang nicht mehr gesehen. Gerade mal geschaut im Netzt – weia, wir werden alle nicht jünger.;-) Ich erinnere mich, schon öfter Gedichte von ihm gelesen zu haben, die ich nicht schlecht fand, als Medienperson war er mir allerdings immer schon eher unsympathisch.

        • finbarsgift sagt:

          Du sagst es, definitiv ist das so und betrifft ihn wie dich wie mich, die Zeit bei uns allen gleich getaktet…
          Und was ihn als Person und seine Poesie angeht, da geht’s mir ähnlich wie dir.

  8. wunderbar!!
    … ich sehe das weihnachtsfest einfach als „fest der liebe“…
    aber auf das ganze brimborium könnte ich gut verzichten.
    ja, wondratschek, hat was.
    herzliche grüße an dich, lieber lu!
    diana

  9. waehlefreude sagt:

    Habe heute zwei Butterstollen gekauft; Weihnachten kann kommen!

  10. bruni8wortbehagen sagt:

    höchst interessant, den Kommis zu folgen, sich Herrn Wondratscheks Worte nochmal durch den Kopf gehen zu lassen und immer noch zu wissen, ich könnte zwar auch locker darauf verzichten, aber es ist wie ein Licht in der Nacht, ein Fest mitten in der kalten Jahreszeit und soooo schlimm ist es doch auch wieder nicht, einen kleinen Baum zu finden und ihn zu schmücken, wie man/frau es aus der Kindheit kennt.
    Wir sind selbst schuld, wenn wir es so bedrückend finden.

    Ich sehe es traditionell und nicht im Sinne eines christlichen Festes, denn es ist eigentlich ein Mittwinterfest.
    Unser Weihnachten wurde prakticherweise für die Kirche einfach darüber gestülpt…

    Herzlichst Bruni am Abend

    • finbarsgift sagt:

      Alsoooo….sooooo gesehen *schmunzel*
      Herzliche Abendgrüße vom Finbar

    • kat+susann sagt:

      Wintersonnenwende..Dunkel ohne das es das Helle nicht gegeben kann und umgekehrt.
      Mutter Erde ehren.. das neue Licht begrüssen..
      Weihnachten ? Geburt Jesu ? War vielleicht im Sommer, hat aber damals besser gepasst, das einfach drüberzustülpen .. was wissen wir schon… wenn ich an all die Plätze denke auf denen Kirchen stehen, wo vorher ganz was anderes war.. wo lines zusammenlaufen…tja..
      Gruss S.

  11. Ich habe jeden Tag Weihnachten

  12. Ich mag Weihnachten!
    Mit allem Drum und Dran
    Ganz ohne Pflicht nur die Kür
    Ohne Scheinheiligkeitda können schon mal Tränchen fließen
    vor lauter besinnlichem Glück

  13. Corona sagt:

    Weihnachten hat was trauriges für die Einsamen, Fröhlichkeit für die Gemeinsamen und Stress für den Rest.
    Mir geht die Schenkerei so ziemlich aufn Keks! Wer möchte was? Die Grübelei nach Ideen, das ewige Rumsuchen im Netz, Rennereinen durch Menschmassen in Einkaufscentern (ich werd da immer irre) , hat man alles beisammen? Einkaufen fürs große Essen, das braucht und dies und jenes…die Getränke nicht vergessen und mein Blick ins Portmonee…..halt Stopp! Schluss jetzt! Ich hab kein Geld mehr.

    Eigentlich ist es schön, wenn man zusammen sitzt und seine Überraschung auspackt, sich mal den Bauch vollschlägt, die Kerzen und Lichter brennen und überhaupt, wenn wenigsten einmal im Jahr alle zusammen kommen. Aber diesmal will bei uns niemanden wirklich Weihnachtsfeeling aufkommen.

  14. kat+susann sagt:

    Ich mag den Wondratschek..
    S.

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