schrei der schneeeule

den schrei der schneeeule
kann ich hören
– ein tiefes bellendes hu –
von den weiten der tundrischen
arktis tönt er bis zum turm
auf dem roten berg

zartleise kommt er hier an
dem flügelschlag eines
tagpfauenauges klangverwandt
beim flugschweben von
sommerblüte zu sommerblüte

der schrei der schneeeule
ergreift mein herz viel mehr
– verursacht keinen herzschmerz –
als das unerträglich laute gelärme
der menschen in ihrer erbärmlich
selbstherrlichen arroganz
bei der künstlichen unterteilung
der absolut kontinuierlich
dahingleitenden raumzeit des
kosmos in sogenannte jahre

© finbarsgift

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Poesie.

45 Kommentare zu “schrei der schneeeule

  1. Sternchen sagt:

    Ich habe mir gerade den Schrei der Schneeeule angehört…..und dann dein Gedicht noch einmal gelesen…..einfach wunderbar, wie Du es umgesetzt hast…..und anstatt die Unabhängigkeit anzuerkennen, setzen wir Menschen uns eigene Grenzen…..es ist wirklich erbärmlich.

  2. sugar4all sagt:

    Lieber Lu! Ich habe deine Zeilen mehrmals gelesen und sie gehen gedanklich sehr tief…Danke dafür ❤
    Lieben Gruß – Karin

    • finbarsgift sagt:

      Ja, liebe Karin, das habe ich in der Tat versucht…

      Es geht mir dabei auch um unser „gehör-brutales“ Geböllere , das wir den zig Millionen Tieren um uns herum mit der sinnlosen Knallerei zum Jahreswechsel zufügen!

      Liebe Neujahrsgrüße vom Lu

  3. karfunkelfee sagt:

    Eulenschreie wie Schmetterlingsflügelschläge Deine Worte der leiseste Sturm im langen Atem der geduldigen Sterne.

    Ich les Deine Verse gerne…✨👌

  4. Alle Achtung lieber Lu, du bist in Topform zu Beginn des Jahres!

  5. bruni8wortbehagen sagt:

    Ich mochte die Schneeeule schon immer, sie ist so wunderschön und sie im Flug zu sehen,
    ist wie ein Gedicht, aber DEINE Schneeeule mag ich nun noch viel mehr.

    Eine schneehelle Eule, gut verpackt in ihr dichtes Federkleid und doch klingt ihr Ruf so kurz und dunkel verhalten, fast still in der Nacht.
    Doch sie kann auch anders, durchdringend und erbost, wenn ihr die Jagd mißlingt *lächel*
    Zur Arroganz bleibt IHR keine Zeit, die hat nur der Mensch und ich weiß nicht, wofür.
    Ja, kümmerlich ist unsere Zeiteinteilung, wie recht Du doch hast.
    Vielleicht habe ich ja deshalb den Jahresbeginn geschwänzt? *schmunzel*

    Sie sind so gut, Deine Zeilen, lieber Finbar, und endlich ist die tiefe Stille im Finni Deinen Worten gewichen

  6. Wunderbar, Lu. Ganz einfach wunderbar. Ich muss gerade denken, wie oft ergreifen uns und unser Herz doch so ganz andere, viel leisere, weitaus unscheinbarere Dinge. Echtes. Viel mehr und nachhaltiger als all das, was einem um bloße Wirkung heischend um die Ohren gepfeffert oder anderweitig aufgezwängt wird. Viel äußerst inhaltsarmes Remmidemmi, entstanden nicht selten durch die von dir auch erwähnte „selbstherrliche Arroganz“, die bei zahllosen Anlässen ihre dicken Spuren hinterlässt.

    LG Michèle

    PS: Frohes neues Jahr, lieber Lu! Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für 2017!

    • finbarsgift sagt:

      Wundervoll, Michèle, herrlich passend, deine Worte zu meinem Post,

      ich empfinde das genauso, denn der Ruf einer Schneeeule bedeutet mir mehr als das abartige Geldverbrennungsritual der Menschen zum Jahreswechsel…

      Dir auch ein schönes, glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr wünsche! 🙂
      Liebe Neujahrsgrüße vom Lu

  7. wunderbar, lieber lu.

  8. Anna-Lena sagt:

    Und wieder scheitern wir Menschen kläglich, wenn wir meinen, alles in Raum und Zeit einteilen zu können. Die Natur hat uns immer eines Besseren belehrt.

    Topform – meint Arno – recht hat er!!

    Liebe Grüße aus dem noch frischen Jahr, lieber Lu,
    Anna-Lena

  9. chris sagt:

    sehr gut geschrieben !

  10. Flowermaid sagt:

    … deine Worte gleiten wie Schwingen durch fliessende Raumzeit und trotzdem haben sie den Widerhall einer weit entfernten Detonation…

  11. wunderbar,herzlichsten Dank für diese herrlichen Worte,die so besinnlich sind.Ich wünsche Dir einen fabelhaften Tag

  12. Beim Lesen höre ich für einen verlangsamten Moment den Schrei, den Schmerz der Schneeeule, dann werde ich in den Sog der schnelllebigen, sorgenvollen Menschen gezogen. Wunderbare Gegenüberstellung.
    Liebe Grüsse. Priska

  13. disputnik sagt:

    Wir Menschenwesen haben ein unangenehmes Talent dafür, den Ruf der Schneeeule und so viele andere Wunderklänge mit unserem Lärm zu übertönen… Ein wunderbarer, berührender Text, lieber Finbar!

    • finbarsgift sagt:

      So ist es, lieber Disputnik, wir drängen der Natur leider immer mehr unseren Stempel auf, erbärmlich und erbarmungslos, egal wo…

      Dankeschön *freu*

      Liebe Mittagsgrüße vom Finbar

  14. gkazakou sagt:

    Sehr schön deine Zeilen. Den Schneeeulenruf hatte ich noch nie Gelegenheit zu hören. Den der Schleuereule hörte ich vor vielen Jahren. Ich höre ihn noch als Echo in mir.-

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