Lautverschiebung

Vor einigen Jahren wanderte ich von Westdeutschland in die USA aus, mit einer ganz normalen Green Card, die ich zuvor völlig problemlos beim Generalkonsulat in München beantragt und wenig später ausgehändigt bekommen hatte.

Damals hatte ich die Nase von den beiden Deutschen Staaten gestrichen voll, insbesondere der nicht nur nervtötenden innerdeutschen Grenze, dieser menschenverachtenden, brutalen Mauer in Berlin, und überhaupt von der gesamten unfassbar üblen Nazivergangenheit!

Als ich schon circa einen Monat lang in den USA lebte, und zwar in einer kleinen Stadt an der amerikanischen Ostküste zwischen New York und Philadelphia, da fragte mich eines Tages – nach einer meiner Mathematics-Lectures an der Uni – einer meiner Undergraduate-Studenten plötzlich: You are from Sweden, right?!

Ich zögerte ein wenig mit meiner verbalen Reaktion, lächelte und antwortete dann wahrheitsgemäß:
No, I am from Germany.
Daraufhin sagte mein Student:
Isn’t that the same? One can hear your European accent clearly, but your English is nevertheless quite good.
Thank you, sagte ich und verzog mein Gesicht etwas.
Especially your „th“ sounds pretty neat, fügte er noch selbstbewusst hinzu.

Ungefähr zwei Jahre später, als ich schon einige Wochen in Kalifornien lebte, direkt an der Westküste, am Rande des gigantischen, unvergleichlichen Pazifiks, in der Nähe einer zauberhaft schön gelegenen Uni inmitten riesiger Felder voller Golden Poppies, da sprach mich eines Tages wieder einer meiner Studenten an und sagte:
You are from the East Coast, right?!

Ich lächelte ein wenig, erinnerte mich an den Studenten der Uni an der Ostküste, zögerte noch kurz und antwortete dann aus purer Lust und Laune:
No, I am from Sweden.
Innerlich musste ich dabei schon ein wenig kichern, während ich äußerlich vollkommen cool blieb.

Daraufhin sagte mein Student: Incredible, your English is great and sounds pretty native.
Thank you, sagte ich und verzog hocherfreut mein Gesicht.
Especially your „th“ is absolutely gorgeous, fügte er noch hinzu.
Da musste ich schier lachen, doch ich wollte ihn in seinem Beurteilungseifer nicht brüskieren.

Wäre ich nun in einem dritten Schritt noch weiter nach Westen, also nach Hawaii gezogen und hätte meine Mathematics-Lectures an der Uni in Honolulu gegeben, dann hätte mich sicherlich irgendwann einer meiner Studenten gefragt:
Are you from the West Coast?
Und ich hätte dann postwendend geantwortet:
No, I am from the East Coast, where I was born in a little town between New York and Philadelphia.

Aber dazu kam es nicht (mehr), denn auf Dauer wäre ich in den USA (the American way of life is not at all my way) sicherlich im Laufe weiterer Jahre schwer krank geworden.
Und so hatte ich von diesem Land, das ja eigentlich aus über fünfzig ziemlich verschiedenen Ländern besteht, schon nach stark drei Jahren genug, gab völlig entspannt und überzeugt meine wertvolle Green Card zurück, und wanderte wieder aus, dieses Mal nach Europa, wo ich eben doch viel eher beheimatet bin als in den USA, und dies wohl auch lebenslang bleiben werde.

 

 

 

 

© finbarsgift

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Texte.

152 Kommentare zu “Lautverschiebung

  1. dieMondin sagt:

    Sehr schön 😀 Eine geniale Erinnerung. Danke, dass wir daran teilhaben dürfen.
    Sonnige Wintergrüße
    von Ulrike

    • finbarsgift sagt:

      Das klingt schön, liebe Ulrike, herzlichen Dank, sehr gerne!
      Ab und zu kann ich meine Klappe nicht halten und muss mal wieder was aus meinem bisherigen Leben berichten…
      Schön, wenn es dir dann gefällt 🙂
      Liebe Mittagsgrüße vom Lu

  2. ananda75 sagt:

    Hallo 🙂

    Da ich ein „schlechter Follower“ bin, mich aber durchaus immer freue, wenn Menschen bei mir vorbei kommen 🙂
    kriegste hier auch mal meinen Text zum Thema 😉

    Mit einem lieben Gruß
    Ananda ❤

    https://ananda75.wordpress.com/2016/10/07/an-meine-stillen-follower/

  3. bruni8wortbehagen sagt:

    Ein toller Text, lieber Finbar, den ich gut verstehe *lächel*, obwohl dieses vermalledeite th mit ein Grund ist, warum ich meinen Mund lieber in deutscher Sprache öffne 🙂 🙂

    Gut, daß Du wieder da bist und das schon so viele Jahre nun, obwohl es schon so einige Punkte gibt, die Du bestimmt immer sehr vermissen wirst.
    Leider passt im Leben selten mal alles und einige Dinge sind halt wie sie sind und wir müssen uns darin zurecht finden…

    Herzliche Mittagsgrüße von Bruni an Dich

    • finbarsgift sagt:

      Sehr wahr, liebe Bruni, der Inhalt deines Kommentars!

      Ich kehrte nach Europa zurück, NICHT nach D!
      Mit der Mentalität der Deutschen komme ich immer noch nicht klar, und insbesondere auch mit ihrer Nazi-Vergangenheit, mit der ich absolut nix zu tun habe!

      Ich wurde rein zufällig in D geboren, im Osten, wie du weißt, und ich sehe mich NUR als Europäer, der nach drei Jahren USA und nach zehn Jahren in der CH, nun wieder im Ländle lebt.

      Ich bin ein absoluter EU-Fan…
      kann also keine von diesen Rechtsradikalen-Strömungen a la AfD oder Brexit oder Le Pen nachvollziehen…

      für mich ist das alles einfach nur schrecklich, Rückschritt, erzkonservativ,

      nicht zu verstehen, nicht in diese Welt passend, das sogenannte vereinigte globale Dorf!

      Herzliche Mittagsgrüße vom Finbar

  4. lapismont sagt:

    Wir wurden eigentlich immer schnell als Deutsche erkannt. Im Arches-Nationalpark gab uns der Parkwächter automatisch einen deutschen Guide. Wir hatten legiglich „Four“ gesagt.
    Und das th bringt mich immer noch zum Verzweifeln. Aber ich kann auch kein Rachen-R.

  5. die situation ist mir bekannt 🙂 Ich werde öfter mal als belgierin einsortiert! Damit kann ich leben…

  6. Meermond sagt:

    Marvelous!
    Im Dänischen gibt es einen Laut, der wie ein Kuddelmuddel aus „th“ und „l“ klingen soll. Soll.
    Man hält mich für eine Holländerin…
    Na servus 😉

  7. Hochachtung
    Ein kleiner Einblick in einen beeindruckenden cv
    Native speaker mit landsmannschaftlicher Einfärbung 😉
    Doch ich denk auch wir hören ob ein Ausländer sein Deutsch im Ländle oder an der Waterkant gelernt und geübt hat

    • finbarsgift sagt:

      Dankeschön *freu*
      Über meinen bisherigen Lebenslauf brauche ich mich nicht zu beschweren 🙂

      Auf jeden Fall, da sind die Unterschiede relativ gesehen sogar viel größer als zwischen dem American English von East und West Coast

  8. wunderbarst, schmunzel!
    sehr gern gelesen!
    liebe wintergrüße an dich, lieber lu,
    von diana

  9. conma sagt:

    Hihi, da wohnst Du jetzt also wirklich in Schweden, Südschweden 😉

  10. kowkla123 sagt:

    du bist ja echt viel rum gekommen in der Welt, aber in der Heimat ist es doch am schönsten, schönen Donnerstag wünsche ich dir

  11. franhunne4u sagt:

    Ich war nur einmal in Amerika, ist schon einen Tag her – 2004 wars. Und ich wurde von manchen Leuten gefragt, ob ich aus Großbritannien stamme. Mein TH scheint nicht das Problem gewesen zu sein. Eher mein erlerntes British English. (Schulenglisch ist weitgehend Britisch).

    Andersrum, wenn ich im Vereinigten Königreich unterwegs war, bekam ich auch schon mal zu hören, aus welchem amerikanischen Bundesstaat ich käme. Ich scheine also auch einige Amerikanismen eingepflegt zu haben. (Ja, der Einfluss amerikanischer Singer-Songwriter ließ sich nicht leugnen.)

  12. feldlilie sagt:

    Thotho, dath Ti-Äitsch itht altho der Bemethungthgrad dafür, ob man Ami itht…

    • finbarsgift sagt:

      *haha* not really 🙂

      aber wenn man als Deutscher einem Amerikaner in seinem besten Schulenglisch vom Bodensee erzählt und dabei folgendes sagt:
      „Ser iss ä Britsch ower se Rhein“, dann gucken die halt blöd und sagen: are you from Germany?! *hihi*

  13. Ach, Lu, Deine herrlichen Zeilen erwecken Erinnerungen, wohnten mein Mann und ich doch 5 Jahre in Kalifornien. Ich bin erstaunt, dass auch Deutschland mit Schweden verwechselt wurde. Ich dachte immer, dass die Schweizer ein Exclusivrecht hatten, da Sweden und Switzerland phonetisch ähnlich sind.
    Sei herzlich gegrüßt. Priska

  14. ingeborgthoring sagt:

    Vielleicht waren es handelsübliche Standardfragen mit integriertem Lob … Spannend, wie vergleichbar Personen auf Sprache, Aussprache reagieren. Weitergedacht möglicherweise auf Hautfarbe, Körpermerkmale usw. Prägungen sitzen tief.

  15. maribey sagt:

    Wir lesen uns schon einige Zeit und dann darf ich wieder Neues von dir erfahren. Spannend dein Lebenslauf, der hier miteinfließt, und der Blick über den Tellerrand.

    • finbarsgift sagt:

      Das klingt schön, liebe Marion, Dankeschön für deine Worte.

      In der Tat erzähle ich halt tatsächlich from time to time immer wieder mal „aus meinem Leben“ wenn mir danach ist, so auch hier…

      Hab einen schönen Rest des Tages, herzlich, Lu

  16. Ulli sagt:

    Ich wurde in Norwegen immer gefragt, ob ich aus England käme, because of my English, claro, oder 😉
    lieber Lu, danke für den Einblick in eine Episode deines bunten Lebens
    herzlichst
    Ulli

  17. Mitzi Irsaj sagt:

    Eine schöne Erzählung, lieber Lu. Es ist immer wieder schön, deinen Erinnerungen zu folgen.

  18. Wie dir erschienen die Staaten wohl vielen lange Zeit als Symbol für Freiheit und fast unbegrenzte Möglichkeiten. Es hat einige amerikanische Präsidenten und viele Kriege und Berichte aus dem Inneren des Landes gebraucht, um dieses Bild zu korrigieren. Aber du kannst die amerikanische Ignoranz jetzt wenigstens mit der europäischen vergleichen.

    • finbarsgift sagt:

      Das stimmt, aber es beherrscht mich nicht mehr so wie damals…

      Meine Dinge des Lebens werden inzwischen kaum mehr von Po-litik und Wirtschaft beeinflusst,

      I am living my very own life…

      Liebe Abendgrüße vom Lu

      • Schön, wenn du das so von dir sagen kannst! Grüße zurück aus dem trüben und kalten Warendorf von Manfred

        • finbarsgift sagt:

          Es hat mich viiiiel Lebenserfahrung, auch der allerübelsten Art gekostet,
          das für mich so hinzubekommen, es war sehr schwer und dauerte lange!
          Sehr geholfen haben mir dabei Marc Aurel, der ewig Untote,
          und Jon Kabat-Zinn, vor allem als ich 2004 im Tal meines Lebens war…
          Dir einen schönen Abend, Lu

  19. So wurde aus Finbar kurzerhand Findus. Alter Schwede! ^^
    Es war interessant, aus einem weiteren Kapitel deines Lebens zu hören, Lu. Dieses Annehmen von ortstypischen Lauten, Betonungen und Klangmelodien passiert ganz schnell und ist einem selbst meist gar nicht als so heraushörbar bewusst Doch kaum bist du in einer anderen Gegend, schon bekommen die Einheimischen das alles spitz. Ganz offensichtlich haftet einem meist der unmittelbar davorliegende Aufenthalts- oder Herkunftsort an.
    Freut mich jedoch, dass du dich Richtung Europa zurückorientiert hast und nicht nur aufgrund der wertvollen Green Card und des einmal gefassten Entschlusses, in die USA auszuwandern, ewig (unglücklich) dort geblieben bist.
    Musste gerade angesichts deines Kommentars mit Bayreuth und Beirut schmunzeln … ^^

    LG Michèle

    • finbarsgift sagt:

      Deine erste Zeile bringt mich zum Lächeln *fein*

      Ja, das war eine wichtige Sache, dort nicht „auf Biegen und Brechen“ zu bleiben!
      Allerdings war mein europäisches Ziel bei der Rückkehr von den USA eindeutig Europa, nicht D (aus den bereits genannten Gründen eingangs im Eintrag), und so wählte ich einen relativ neutralen Boden aus, nach ein paar Bedenkwochen zuvor auf Kreta, und zwar die CH, wo ich dann auch fast zehn Jahre lang lebte und arbeitete.

      Das ist aber auch wirklich irre gewesen damals, das mit Beirut und Bayreuth! *hehe*

      Liebe Abendgrüße vom Lu

  20. Anna-Lena sagt:

    Das wusste ich ja noch gar nicht, lieber Lu, dass du mal jenseits des Großen Teiches gelebt hast.
    Nun, was deinen Sprachsound betrifft, scheinst du ein Naturtalent zu sein.
    Congratulations 🙂 !

    Herzlich,
    Anna-Lena

    • finbarsgift sagt:

      Sagen wir mal so, liebe Anna-Lena, zuerst gefiel mir Französisch viel besser, es klang viel schöner und war wesentlich logischer in der Aussprache!

      Doch irgendwann siegte der Wunsch in mir, alles von Edgar Allen Poe im Original lesen zu können und dann siegte letzten Endes das Englische über das Französische 🙂

      Save your day, carpe diem, Lu

      • Anna-Lena sagt:

        Ich hatte in der 5. und 6. Klasse Französisch (vor gefühlten 100 Jahren), dann kam bis zum Abi Latein als Fremdsprache neben Englisch und dann entwickelte ich eine Leidenschaft für Spanisch und ging zur VHS. Das würde ich gern wieder auffrischen, nun habe ich ja Zeit.

        Buenas noches 😉 .

        • finbarsgift sagt:

          Das klingt gut, liebe Anna-Lena, Spanisch hat mich auch immer interessiert, überhaupt finde ich alle romanischen Sprachen vom Klang her die schönsten auf der Welt…
          Viel Spaß und Erfolg!
          Hab ein schönes Wochenende!

          • Anna-Lena sagt:

            Da gebe ich dir recht, lieber Lu, wobei ich Spanisch vom Klang her lieblicher als Italienisch finde.
            Und auf meiner Lieblingsinsel kam ich mit meinen geringen Kenntnissen immer gut durch.

            Auch dir ein schönes Wochenende 🙂 .

  21. Madame Hava sagt:

    Schöne Geschichte von Sprache und Zuhause, Suchen und Finden… Allerdings meine ich, hast du dir einige dichterische Freiheiten gelassen, was den Gegenstand deiner Lehre angeht? Ich kann mir vorstellen, wie du vergleichende Liteaturwissenschaften unterrichtest oder meinetwegen Kunstgeschichte, aber doch nicht Mathematik? Das wäre so unfair vielseitig begabt, wo ich zum Beispiel immer noch mit den Grundlagen von Funktionen kämpfe!
    Falls aber das so seine Richtigkeit hat, vielleicht gibst du einer Künstlerin private Nachhilfestunden, die sich in diesem Leben unbedingt noch mit ihrer alten Feindin, der strengen Dame Mathematik, aussöhnen möchte? 🙂

    • finbarsgift sagt:

      Auf eine feine Art und Weise hast du mich zum Lächeln gebracht 🙂

      Nein, nein, das stimmt schon alles!
      Während meiner Jugend war die Mathematik meine einzige große Liebe und sie half mir über viel familiäre Unliebe hinweg…

      Und die Auswanderung in die USA war letzten Endes auch eine Flucht vor meinem Elternhaus, einfach so weit weg wie möglich, nur die Mathematik darf mit!

      Nachhilfe in Mathe habe ich übrigens schon seit meinem elften Lebensjahr gegeben, seither habe ich mir zusammen mit ihr immer meinen Lebensunterhalt verdient, auch dafür eignet sie sich sehr gut…

      Have a pleasant day, lots of greetings from me to you, Lu

      • Madame Hava sagt:

        Lots of greetings to you, too, Lu!
        Ich kann mir gut vorstellen, dass die Mathematik in ihrer Klarheit und Verlässlichkeit eine gute Freundin abgibt.
        Und manchmal läuft man tatsächlich nicht vor seinen Problemen davon, wenn man davonläuft, sondern gibt sich selbst die Chance für einen Neuanfang und mehr Freiheit. Kenne ich auch…

        • finbarsgift sagt:

          …freut mich für dich 🙂

          Oh ja, sie und die bezaubernde Musik sind ganz wundervolle Freundinnen, die allerbesten, weltweit!

          Hab einen schönen Tag!
          Liebe Wintergrüße vom Lu

  22. Guten Abend lieber Lu, ich kann dein wunderbares „Tee äitsch“ fast bis hier hören 😉 Du kommst sicherlich aus Oxfort 😀 Beste Abendgrüße zu dir 🙂

  23. Aurian sagt:

    Hoechst interessant. Ich gehe ja auch hin und wieder als Schwedin durch aber meistens als Russin. Ganz oft werde ich auch auf meinen starken Akzent angesprochen, den ich aber UNBEDINGT behalten soll, weil er so GORGEOUS ist. Ich weiss nie, ob das ein Kompliment sein soll oder ob ich lieber die Klappe halten sollte. Wie dem auch sei, ich kann gut verstehen, wenn man es hier nicht lange aushaelt. 😀

    • finbarsgift sagt:

      If your accent is gorgeous, then stick to it 🙂
      Denn daaaas ist sicher ein Kompliment!

      Als Russin?
      Das klingt spannend!
      Warum meinst du?

      Schöner Kommentar, der mich sehr gefreut hat!
      Wirst du für immer in den USA bleiben?

      Liebe Morgengrüße vom Lu

      • Aurian sagt:

        Weiss nicht, warum ich als Russin identifiziert werden. Vielleicht klingt mein Englisch genauso abgehackt und vergewaltigt, wie deren Englisch? Ich hoffe nicht. Aber man kann sich immer schlecht selbst beurteilen bei solchen Sachen. Ich bleib auf jeden Fall dran an meinem Akzent.:-D Einmal bin ich auch schon gefragt worden, ob ich aus London käme … wieso gerade London????

        Ob ich für immer hier bleibe, weiß ich nicht. Dazugehörig fühle ich mich selten aber zurück mit zwei schulpflichtigen Kindern und ohne Rentenversicherung etc. ist auch schwierig. Mal abwarten, was sich politisch tut. Im Notfall werde ich Prinzessin und kaufe mir eine Südseeinsel oder ein Stück vom Mond.

  24. Flowermaid sagt:

    … ein Blumenmädchen war immer schon in europäischer… silikonsicher Entwicklungshilfe aktiv… Vollmond… ich bin raus

  25. chris sagt:

    Es sind schon verschiedene Staaten, aber so verschieden, wie die Europäischen, eben doch nicht. Und zwischen den Städten ist viel Nichts, viel Wüste, Berge, unbewohntes Land, vor allem im Westen. Da lobe ich mir doch unser fein strukturiertes Europa. Allein das, eigentlich auch aus Kleinstaaten gebildete Deutschland, mit seiner reichen Kulturlandschaft, aus Theatern, Orchestern, Bibliotheken, so unglaublich unterschiedlichen, alten Städten auf engstem Raum (verglichen mit den Staaten) mit mannigfaltigen Traditionen und Dialekten. Mich zieht nichts mehr über den Atlantik, schon gar nicht jetzt. Viele Leute wissen gar nicht, wie gut wir es hier haben und wie uns andere Länder beneiden um unsere Kultur. Aber die Jugend macht mir etwas Sorgen – viele sind so ungebildet, zumindest nur noch Fachidioten. Wo finden sich heute die Universal-Gelehrten von einst? Warum wollen plötzlich alle auswandern, das ist irgendwie in Mode zur Zeit?!

    • finbarsgift sagt:

      Hmmm…ich weiß das auch nicht wirklich.

      Die übermütige Sturm-und-Drang-Zeit verleitet vielleicht dazu, die „Welt kennen zu lernen“, alles total easy heutzutage mit den erschwinglichen Fliegern immer und überall…
      ich war damals ja auch sehr jung!

      Fein und absolut richtig, deine Anmerkungen zu den USA und Europa, Dankeschön dafür!
      Alles auch Gründe, wegen derer ich unbedingt wieder nach Europa zurück wollte…

      hab einen schönen Tag!

      • chris sagt:

        Ja, wir hatten es mit dem Reisen noch schwerer, was uns aber nicht davon abgehalten hat. Ich bin früher z.B. gerne im Sommer mit dem Inter Rail Ticket kreuz und quer durch Europa getingelt, nur mit einem Rucksack. Geschlafen wurde im Zug oder am Strand, vielleicht auch mal in der Jugendherberge. Die Kids heute sind verwöhnt, da muss es natürlich ein Hotel sein. 😉

        • finbarsgift sagt:

          Sie sind maßlos verwöhnt! Flieger und Hotels, bezahlt alles von Mama und Papa, unglaublich!

          • chris sagt:

            Und natürlich die Autos. Ich hatte meinen ersten Wagen mit 22, natürlich uralt. Heute gibts mit 18 einen Neuwagen vor die Tür, von Oma gesponsort. Ich habe auch meinen Führerschein selbst gezahlt mit Jobs neben der Schule.

            • finbarsgift sagt:

              So war das bei mir auch!

              Das ist abartig, hier sehe ich immer wieder Abiturientinnen mit einem zum Abi geschenkten Porsche Cayenne herum fahren…

              • chris sagt:

                Vor dem Abi schon, die fahren ja mit dem Auto in die Schule während der Oberstufe. Unsereins ist noch gelaufen oder Rad gefahren. Nur die Lehrer hatten Autos. Im Winter sind wir Bus gefahren, das war das höchste der Gefühle. 😉

              • bruni8wortbehagen sagt:

                Also ich weiß nicht, ich sehe in HD so viele alte Fahrräder und sehe die Studenten, die mit ihnen hin- und herfahren. Da ist keiner, der mit einem Porsche ankommt.
                Und ungebildet kommt mir keiner dieser fleißigen jungen Leute vor. Ich bin oft sehr beeindruckt von ihrem Wissen.
                Die anderen gibt es auch, klar, aber wirklich nicht nur. Wir sollten es um Himmels Willen nicht verallgemeinern.
                Mein erstes Auto hatte ich mit 18, mein Vater mußte damals meinen Kreditvertrag mit unterschreiben. Das Autochen war gebraucht und das sind heute auch noch viele.

  26. nandalya sagt:

    Mich wird vermutlich niemand fragen, ob ich aus Schweden komme. 😉

    • finbarsgift sagt:

      Das glaube ich dir sofort *g*

    • chris sagt:

      Aber vielleicht fragen sie dich: „kommst Du aus Vietnam“?
      Auf Japan wird wahrscheinlich niemand kommen, oder?
      Du bist ja auch nicht wirklich Japanerin, sondern in
      Deutschland sozialisiert. Also, was bist Du?

      Ich denke auf diese Diskrepanz wollte Lu hinweisen:
      was sind wir, was scheinen wir zu sein, was möchten
      wir vielleicht sein oder zu was werden wir im Laufe
      unseres Lebens… ein weites Feld ! 🙂

      • nandalya sagt:

        Ich bin ich. Immer. Wenn, werde ich entweder für eine Chinesin oder Koreanerin gehalten. Frechheit das, oder? 😀

        • chris sagt:

          oder so – ausgerechnet Korea und China, die sind ja beide nicht so gut auf Japan zu sprechen…aber wie gesagt, die Persönlichkeit zählt und nicht das, was im Pass steht – ich mag ja die Japaner, obwohl sie auch ihre Macken haben… 😉

  27. bernard25 sagt:

    Bonjour ou Bonsoir ★* *★

    Ce jour
    J’écoute Le Vent

    Me souffler des mots puissants et attachants
    A mon oreille il est venu me murmurer

    Des élans d’amitié avec des envies de liberté

    Me dire combien notre amitié compte entre toi et moi
    Une Amitié avec un grand A
    je te souhaite une excellente journée ou soirée‘
    Une douce belle journée si je suis de journée

    Ou une tendre nuit si mon passage est du soir

    Gros bisous

    Bernard

  28. Sternchen sagt:

    Mir ist aehnliches passiert. Ich wurde auch fuer eine Schwedin gehalten. Fuer mich kaeme nur New York als Wohnort infrage. Ich habe damals die interessantesten Menschen dort kennengelernt und mehr sehr intellektuelle Diskussionen gefuehrt als in der Zeit davor und danach. Aber ein paar km ausserhalb ist es schon anders

  29. kowkla123 sagt:

    auch wenn es schneit und stürmt, genieße das Wochenende

  30. gkazakou sagt:

    Lieber Finbar, dieser Text hat in mir geklungen wie eine heitere heilende Melodie über einem großen Schmerz. Danke.
    Als ich die Frage las, ob du aus Schweden kommst und stutztest, nicht gleich antwortetest, – da fiel in diese kleine Pause hinein mein ganzes Lebensunglück. Wie sehr wollte ich als Holländerin, als Polin, Russin oder Dänin durchgehen. Warum, warum, musste ich nur Deutsche sein?! Nun, ich bin es, ich verleugne es nicht mehr. Und ich ertrage dann auch, schon gleichmütig geworden, die nächste Frage danach, was ich von der Berliner Politik halte….
    Sei herzlich gegrüßt! Gerda

    • finbarsgift sagt:

      Dann bist du ja, liebe Gerda, mit der Anerkennung deines Deutschtums inzwischen weiter als ich, denn ich tu mir damit immer noch seeeehr schwer.

      Wenn’s ginge, dann wäre ich gerne ab sofort von Geburt aus Pole, Tscheche, Holländer, Franzose oder Schweizer!

      Immerhin bin ich nach insgesamt mehr als dreizehn Jahren im Ausland wieder fähig gewesen nach Süddeutschland zurück zu kehren, aber sich wo Wohlfühlen, das ist was anderes!

      Herzlichen Dank für deinen wundervoll passenden Kommentar!
      Liebe Wintergrüße – sturmumtobt – from me to you, Lu

    • chris sagt:

      Also,Polin oder Russin möchte ich gerade nicht sein,
      so doll ist ja die Politik da auch nicht. 🙂 Ich hatte im
      Ausland nie Probleme, mich als Deutsche zu outen.
      Wie viele Amerikaner schämen sich jetzt für Trump,
      man würde doch nie auf die Idee kommen, sie mit
      diesem Dummkopf zu identifizieren. Und ich habe
      auch keine der hiesigen Regierungsparteien ge-
      wählt, den Schuh zieh ich mir bestimmt nicht an.

  31. magguieme sagt:

    Was kann ich noch sagen, was nicht schon viele vor mir hier zum Ausdruck gebracht haben? Dennoch will ich mit dir teilen, wie mich diese Geschichte, dieser Rück- und Einblick gefreut und selbst zum Schmunzeln gebracht hat. Und Französisch sprichst du auch noch. Ein richtiger Weltenwandler, der überall zurecht kommen kann!
    Lass es dir gut gehen. In deinen Erinnerungen und im Jetzt!

    • finbarsgift sagt:

      Das klingt sehr schön, liebe Marga, herzlichen Dank für deine feinen Worte 🙂
      Hab ein schönes Wochenende und lasse es dir auch gut gehen, im hier und jetzt und überhaupt!

  32. vivilacht sagt:

    ich kann dich da gut verstehen. Mich fragte man auch immer wieder, woher ich bin. Und wenn ich Deutschland sagte, da meinte man dann, ich haette aber keinen deutschen Akzent, eher einen englischen. Sogar heute noch werde ich manchmal gefragt, wenn wir mit anderen Englisch reden. Und gerade hier bei uns im Land,wo doch sooo viele aus dem Ausland kommen, da hoert man ja alle moeglichen Akzente.

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