Hypochondrie

Ach
wie tut sie weh
die Hypochondrie
die Krankheit der Krankheiten

Zwickt es mal länger in der Brust
dann vergeht einem bald die Lebenslust
der Beginn einer Lungenembolie?
Oh Gott
nein lass sein
zwickt es gar brustlinks
dann muss es das Herz in Not sein
welche Pein
nein lass sein
oder ist es gar ein Infarkt
der sich ankündigt?

Ach
wie tut sie weh
die Hypochondrie
die Krankheit der Krankheiten

Sticht es an der Seite
ist es wohl Seitenstechen
aber
was wenn ich dabei
gar nicht renne?
Mag die Leber nicht mehr
oder eine der Nieren?
Das wäre weniger schlimm
denn da gibt’s ja zwei
manchmal kann da auch was mit
der Milz sein oder der Galle
furchtbar all diese üblen möglichen
Krankheiten

Ach
wie tut sie weh
die Hypochondrie
die Krankheit der Krankheiten

Und dann dieses Gepfeife im Ohr
Tinnitus oder gar Hörsturz?
Grausig nichts mehr hören zu können
keine Musik
unvorstellbar
oder der Beginn dieser teuflischen
morbiden Morbus Menière Krankheit?
Himmel sei mit mir
bloß das nicht

Ach
wie tut sie weh
die Hypochondrie
die Krankheit der Krankheiten

Und schliesslich immer diese
verdammten Kopfschmerzen
fast wie Migräne
aber ist es doch nicht vielleicht
gar ein böser Tumor im Kopf
das Gehirn betreffend?
Fatal wäre ein Glioblastom
fast immer tödlich
was mach ich bloß?

Ach
wie tut sie weh
die Hypochondrie
die Krankheit der Krankheiten

 

 

 

 

© finbarsgift

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Poesie, Texte.

110 Kommentare zu “Hypochondrie

  1. dieMondin sagt:

    Ohne den Hypochondern wäre die Pharmaindustrie schon bald am Ende 😉

  2. Alleine die Einbildung von Krankheiten ist schon ein schweres Leiden 😀 Danke für deine humorigen Zeilen lieber Lu 🙂

  3. Art of Arkis sagt:

    Von nichts kommt nichts!

  4. Hach, ja… Vortrefflich formuliert. 😉 Einen kleinen Hypochonder nenne auch ich mein Eigen. 😉 Seitdem ich das erkannt habe, vermeide ich zumeist das Lesen in medizinischen Foren. 😉
    Herzliche Montagsgrüße!

  5. Trotz schwierigen Themas habe ich gelacht ob des Humors in den Zeilen. Ich mag das sehr!
    Liebe Mittagsgrüsse aus Dresden.

    Sylvia

    • finbarsgift sagt:

      *lächel*

      Ja, liebe Sylvia, schon zu Zeiten Molières wurde über Hypochonder gelästert und gelacht, obwohl jenen so absolut gar nicht zum Lachen zumute ist!

      Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

  6. schlingsite sagt:

    Diese aufflackernden Lichtpunkte in manchen Beiträgen sind wohl eine neue Funktion von WordPress.

  7. Sternchen sagt:

    Man nimmt sich so viel Lebensqualität……..wenn’s passiert, passiert’s, dann kümmert man sich um das Problem…und gestorben wird nicht so schnell…, meist häufiger mental;-)…….pointiert geschrieben, Lu!

  8. Anna-Lena sagt:

    Ganz wunderbar geschrieben, lieber Lu. Mir fallen gleich mehrerer Leute meines Bekanntenkreises ein, denen ich das in die Hand drücken könnte. All ihr Reden dreht sich nur noch über ihre Befindlichkeitsstörungen…

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    • finbarsgift sagt:

      …das kann ich mir gut vorstellen, liebe Anna-Lena, ich kenne da auch einige Personen in meinem Umfeld…

      Dankeschön *freu*
      Herzliche Frühlingsgrüße vom Lu

  9. ingeborgthoring sagt:

    Krankheiten sind in aller Munde … stöhnen ist möglicherweise salonfähig

  10. kowkla123 sagt:

    soll ja auch eine Krankheit sein, aber eine richtig „Gute“, Glück, schönen Frühlingsanfang und alles Gute wünsche ich dir

  11. franhunne4u sagt:

    „Herr Professor, der Hypchonder von Zimmer 8 ist gestorben!“
    „Na, jetzt übertreibt er aber!“

    Dieser Oldie but Goldie drängt sich mir immer auf, wenn ich etwas von Hypochondern lese – und dann fallen mir immer die Momente ein, in denen ich das Einhorn hinter dem Hufgetrappel der Ponies vermute (das ist eine verbogene Metapher aus dem Medizinstudium. Professor an die Studenten: „Wenn Sie Hufe hinter sich hören, denken Sie erst an Pferde, dann an Zebras!“ – Ich denke zunächst an Einhörner … was sagt das über mich?)

    Neuerdings habe ich allerdings gelernt: Ich sage mir jetzt immer, ich bilde mir das alles nur ein, bzw. es ist nur psychosomatisch, also nicht eingebildet (der Schmerz ist real), aber ohne physikalische Ursache. Das funktioniert. Wie, wenn man sich klar macht, dass Globuli Zuckerkügelchen sind und Wasser kein Gedächtnis hat. Auf einmal wirkt Meditonsin nicht mehr …

    • finbarsgift sagt:

      Das ist eine gute Art, seine Psyche „zu trainieren“, was du neuerdings machst, richtig!

      Klar sind psychosomatische Symptome schmerzhaft, das sollen sie ja auch sein!
      Damit will deine Biomaschine dir mitteilen, das „irgendetwas nicht so recht im Lot ist“…

      und dann beginnt das große Forschen, was okay ist, allerdings sollte es nicht ausarten zu Krankheiten wie Münchhausen Syndrom oder eben Hypochondrie.

      • franhunne4u sagt:

        Bei mir ist derzeit wegen meines Katers, den ich einschläfern lassen musste und einer etwas eigenwilligen Waschmaschinenlieferung ein wenig „Stress“ in der Bude. Prompt hat mein Daumengrundgelenk gemeckert – das hat es schon mal, vor Jahren, als der Kater in Narkose gelegt werden musste für eine Untersuchung … Ich bin seitdem sehr viel skeptischer, ob manche Beschwerden bei mir eine organische Ursache haben.

        • finbarsgift sagt:

          Muss ja nicht…die Probleme mit dem Kater tun deiner Seele, deiner Psyche weh und verletzen sie wohl sogar, was Schmerzen bereitet…

          wo die sich genau manifestieren ist nebensächlich, ob als Kopfschmerzen oder Schmerzen im Daumengrundgelenk, egal…

          • franhunne4u sagt:

            Und dabei kann ich mit Trauer und Verlust umgehen, schon seit meiner Jugend. Ich „erlaube“ mir, zu weinen und zu trauern.
            Dieses „Training“ meiner Psyche ist ein wenig wie das Training, mit wiederkehrenden Alpträumen umzugehen … Man stellt sich das Szenario vor dem Schlafengehen intensiv vor und, da man wach ist, findet man auch einen Ausweg, der muss nicht mal logisch sein. Wenn man das oft genug macht, verschwindet der Alptraum.

  12. Das trifft den Punkt sehr genau. Eingebildete Krankheiten bereiten nicht weniger Leiden als die tatsächlichen. Placebos heilen schließlich auch richtige Krankheiten. Unser Gehirn kann sich offenbar Krankheit ebenso wie Genesung einreden.

    • finbarsgift sagt:

      Klar, Hypochondrie ist eine schwerwiegende Krankheit, aber eben eher der Psyche, als eine körperliche, obwohl sie sich auch oft in schmerzhaften psychosomatischen Symptomen manifestiert.

      Ich sehe das mit den Placebos immer eher als Gag an, denn „irgendwas einzunehmen mit null Wirkstoff“ und fest daran zu glauben, dass es positiv auf den Körper wirkt, aktiviert eben auch noch den letzten Rest Selbstheilungskräfte, und die heilen ja bekanntlich am allerbesten!
      (Beispiel hierzu sind die Kwasi-Placebos in Sachen Homöopathie…)

      • Genau. Wenn es gelingt, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, dann hat ein Placebo das erreicht, was der Arzt an Vertrauen in seine Behandlung ebenfalls benötigt. Das Zusammenspiel von Physis und Psyche ist bei Krankheiten – wann eigentlich nicht – offenbar ziemlich wichtig. Die Psyche kann uns körperlich krank und wieder gesund machen – was widerum nicht heißen soll, dass wir mit positivem Denken jede körperlichen Krankheit besiegen.

  13. ellilyrik sagt:

    Schließe mich dem Kommentar von @freidenkerin an.
    Ich erlebe es ähnlich, lieber Lu!
    Klasse geschrieben. Herzgruß Elke

  14. Corona sagt:

    Und bei jedem Wehwechen ganz schnell mal googeln, und dann oh weh oh…Krebs und sämtliche Geschwüre, mein Leben geht dem Ende zu, morgen bin ich tot…😅

  15. lesenbiene sagt:

    Was für ein trauriges Leben doch, wenn man nur in sich reinhorcht und sämtliche Krankheiten verspürt, von denen man gerade hört. Auf eine Art sind diese Menschen ja wirklich krank und sie vergessen dabei, wie schön das Leben ist….. Und das kann es auch mit Krankheiten sein!
    Ja und irgendwann müssen wir doch alle mal sterben….

    LG Biene

    • finbarsgift sagt:

      Da hast du vollkommen recht, liebe Biene!
      In der Tat ist Hypochondrie eine schwere (psychische) Krankheit, die sich oft in deutlichen psychosomatischen Schmerzen äußert…
      Die Angst vor dem Tod ist eben auch immer mal wieder da und kann große Schmerzen bereiten, auch über länger (Depression…)
      LG Lu

  16. Tempest sagt:

    Ja und Dr. Google macht alles noch schlimmer.

  17. bruni8wortbehagen sagt:

    Huch, sooo viele eingebildete Krankheiten.
    Gleich fühle ich mich kranker als eben noch 🙂
    Sofort geht mir auch Molière mit seinem eingebildeten Kranken im Kopf herum… Spätestens seit damals wissen wir darum *g*, doch vom Wort Hypochondrie wußte ich damals noch nichts *g*. Das lernte ich dann schnell noch dazu.
    Trotz allen Lächelns ist sie sehr ernst zu nehmen, die Hypochondrie, die echte Schmerzen verursacht, denn Einbildung kann stark sein und nicht immer klappt es mit Placebos, sie zu heilen, denn die nächste *echte* Krankheit ist vermutlich schon unterwegs. Es sei denn, die Ursache des Übels konnte tatsächlich schon erkannt und auch behoben werden…
    Einsamkeit ist mit Sicherheit sehr oft die Ursache und das Netz hilft dann weiter beim Auffinden immer weiterer schlimmer Krankheiten. Es hat so viele in petto

    Sehr humorvoll hast Du sie ins Gespräch gebracht, lieber Finbar, und es gibt darüber noch so viel mehr zu sagen…

    • finbarsgift sagt:

      Natürlich ist eine ausgewachsene Hypochondrie eine schwerwiegende Krankheit, vor allem auch psychischer Art, liebe Bruni, das ist klar…und nicht einfach ist es, damit umzugehen…geschweige denn, sie zu heilen.

      Dankeschön für den feinen Kommi,
      hab einen schönen Tag!

      • bruni8wortbehagen sagt:

        Und manchmal haben wir selbst Anflüge von ihr ☺😊

        • finbarsgift sagt:

          sicherlich…kommt allerdings auch darauf an, wie intensiv diese „Anflüge“ sind…

          • bruni8wortbehagen sagt:

            bei mir halten sich diese Ausfüge in Grenzen, aber kleine Ausflüge erlaube ich mir schon mal *g*

            Als ich jünger war, nerven mich Gespräche über Krankheiten, echte oder eingebildete, immer sehr. Heute erkenne ich, warum es geschieht… Durch das Mitteilen löst sich mitunter schon etwas Hypochondrisches und verliert an Wichtigkeit …

            • finbarsgift sagt:

              Yep, so sehe ich das auch…

              • bruni8wortbehagen sagt:

                und deshalb kann ich über meine kleinen Anflüge von Hypochondrischem auch lächeln, es sei denn, ich erkenne sie nicht 🙂

                • finbarsgift sagt:

                  …oder „der kleine Anflug“ bereitet dir Todesangst…

                  • bruni8wortbehagen sagt:

                    tja, aber vielleicht ist es dann auch so, daß du nach vielen Jahren des Erfahrens in der aktuellen Situation ziemlich genau weißt, es ist wieder dieses Hypochondrische, das ich in Ruhe vorüberziehen lassen muß.
                    Raus aus der Wohnung und tief in die Wiesen atmen für eine längere Zeit, bis sich der Knoten wieder gelöst hat, wie immer dann…
                    Ich habe es mal sehr drastisch bei mir erlebt und hoffe, daß ich daraus gelernt habe, lieber Finbar.

                    Einen wunderschönen Morgen wünsche ich Dir

  18. Flowermaid sagt:

    … der Hypochonder und ‚Peter und der Wolf‘ haben eines gemeinsam… irgendwann nimmt man sie nicht mehr ernst… ich hoffe so, auch nur den Hauch von Humor hinter deinen feinen Zeilen verspürt zu haben Lu

  19. bernard25 sagt:

    Bonjour ou bonsoir

    A bientôt l’arrivée du printemps

    Le beau temps nous est promis

    Le soleil se rapproche

    Chaque jour un peu plus

    Là on se sent mieux , le moral reviens

    Certains vont jardiner

    Les arbres et les fleurs vont fleurirent

    (lilas , tulipes ,muscaris ect…)

    Nous allons respirer le bon air

    Sentir ce beau parfum de printemps

    Entendre le chant des oiseaux et voir les premières hirondelles

    Belle journée ou soirée

    Bisous Bernard

  20. Da hast Du ein schwieriges Thema mutig in die Hand genommen. Dein Ton und Humor machen das Tabu zugänglich. Hat mir gut gefallen.
    Herzlich. Priska

    • finbarsgift sagt:

      Das klingt schön und freut mich, liebe Priska, ja, ein immer weiter verbreitetes Fänomen, vor allem auch wegen des Internetzes und der Möglichkeit zu Tausenden von Krankheiten die Symptome in Nullkommanix abzufragen…
      nicht immer beruhigend…
      Herzlich, Lu

  21. Lächel bis ich grad zum Lesen komme ist schon alles gesagt zu deinem Eintrag;)
    …wenn auch nicht von jedem, wie Valentin vlt bemängeln würde
    …“Der Hypochonder von Zimmer 5 ist gestorben“ “ Jetzt übertreibt er aber wirklich!“

  22. gkazakou sagt:

    wahr, wahr. ich hatte eine hypochondrische Freundin (amtlich bestätigt, wie sie selbst ironisch verkündete), die wegen all der Untersuchungen, die sie über sich ergehen ließ, schließlich tatsächlich bös erkrankte….

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