Die innere Burg (Marc Aurel)

Denke daran,
dass deine herrschende Vernunft,
wenn sie, in sich selbst gesammelt,
sich selbst genügt und nichts tut, was sie nicht will,
unüberwindlich wird, auch wenn sie einmal
ohne genügenden Grund Widerstand leistet.

Wieviel mehr also dann,
wenn sie mit Grund und
mit Bedacht über etwas urteilt?
Deshalb ist die denkende Seele,
von Leidenschaft frei,
gleichsam eine Festung.

Denn der Mensch hat keine stärkere Schutzwehr,
wohin er seine Zuflucht nehmen könnte,
um fortan unbezwinglich zu sein.
Wer nun diese nicht kennt, ist unwissend;
wer sie aber kennt, ohne zu ihr seine Zuflucht
zu nehmen, ist unglücklich.

Marc Aurel,
Selbstbetrachtungen,
Achtes Buch,
Spruch 48

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47 Kommentare zu “Die innere Burg (Marc Aurel)

  1. hafenmöwe sagt:

    Hört sich gut an, ich dachte ich hätte es verstanden… – wenn ich jetzt aber nachdenke, dann verstehe ich nicht, warum die sich selbst genügende, in sich selbst gesammelte und herrschende Vernunft Widerstand leisten sollte (gegen sich selbst?)… – Denk denk. Das ist das mit der Philosophie. Sie meint mitunter etwas ganz Bestimmtes.
    Schön, mal etwas sinnvolle Ablenkung zu haben, oder viel mehr Hinlenkung. Danke dir, Lu. Ich werde weiter nachdenken .Und mal Aurel lesen. (Ps: „Der Tod des Bienenzüchters“ – das war ja ain Tip von dir, oder..- das Buch war wunderbar zu lesen).

    • finbarsgift sagt:

      Schöner Kommi, der mich seeehr freut! 🙂

      Marc Aurels Selbstbetrachtungen sind ja ein sehr kleines Büchlein, aus zwölf Abschnitten bestehend, mit jeweils einer kleinen Reihe von Sprüchen…
      es sind Sprüche, die Marc ursprünglich nur für sich selbst geschrieben hat, nicht für andere,
      das muss mann/frau vorab wissen, finde ich…

      aber im Laufe der Jahrhunderte, und mit Hilfe eines Mönchs im Mittelalter, der Marcs alte, zerfledderte Original-Papyrusrollen abschrieb und somit die Textinhalte für die Nachwelt erhielt, Gott sei ihm gedankt, wurden Marcs Sprüche immer bekannter.

      Seine Selbstbetrachtungen sind im public domain komplett eingestellt (Gutenbergprojekt) und für jeden dort lesbar, auch downloadbar ohne Kosten:
      http://gutenberg.spiegel.de/buch/des-kaisers-marcus-aurelius-antonius-selbstbetrachtungen-1479/1
      (bitte mit Abschnitt 2 beginnen und erst nach Abschnitt 12 dann Abschnitt 1 (eine Art Selbstbiografie von Marc) lesen).

      Heutzutage sind Marcs Selbstbetrachtungen zu einem beliebten Selbstberatungsbuch in Sachen (stoischer) Philosophie geworden (außer mir waren z.B. auch Helmut Schmidt und Anton Tschechow große Fans des Philosophen Marc Aurel)…

      Der französische Philosoph Pierre Hadot, selbst ein großer Fan von Marcs menschlicher, naturnaher, ja fast buddhistischer Philosophie, schrieb ein dickes Buch über Marcs Büchlein, mit dem Titel „Die innere Burg“:

      https://www.amazon.de/Die-innere-Burg-Pierre-Hadot/dp/3821806427/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1490270451&sr=8-1&keywords=Die+innere+Burg+Pierre+Hadot

      Es ist antiquarisch wertvoll und ich bin sehr glücklich ein Exemplar zu besitzen 🙂

      Liebe Mittagsgrüße vom Lu

      • Meermond sagt:

        Danke. Hab gestern meine Nachtlektüre ausgelesen und werde mit Kapitel 2 beginnen.
        🌻

      • hafenmöwe sagt:

        sag, diese Nachricht rettet mir den heutigen Abend. Heute war dringend nach etwas zumute, was außer der Reihe ist und wo es über das groooße Gaanze geht. Pierre Hadot -die innere Burg – hört sich nach dem an, was gerade so gar nicht bei mir auf dem Weg liegt, aber unbedingt trotzdem gelesen werden will. Von mir natürlich. Grüße von Doris

      • Carrie Shawl sagt:

        Danke für die Links! Ich hatte nämlich auch das Gefühl es zunächst verstanden zu haben und dann wieder nicht. Habe nun das Kapitel 2 angefangen und denke, es kann ganz interessant werden. Ob ich alles gelesen bekomme, weiß ich nicht, aber manchmal braucht man ja von etwas nur homöopathische Dosen 😉

        • finbarsgift sagt:

          Seeehr gerne!

          Du hast es doch schon selbst geschrieben, wie Marc Aurel Gedanken am besten zu lesen sind: täglich eine kleine Dosis davon…
          also maximal ein paar Sprüche alle ein bis zwei Tage…
          ICH genieße das, immer noch!

          In der heutigen Zeit mit den smarten Telefonen das ja immer und überall kein Problem mehr,
          mit dem obigen Gutenbergprojekt-Link fest im IE eingespeist 🙂

          Liebe philosophische Morgengrüße vom Lu

    • finbarsgift sagt:

      PS:
      Ja, der Bienenzüchter ist ein tolles Buch, so wie alle anderen Teilbücher von „Risse in der Mauer“ des kürzlich verstorbenen Lars Gustafsson…

  2. ingeborgthoring sagt:

    Der Mensch, der in sich ruht, ist wie eine Festung. „Mich kann nichts mehr umhauen.“ Umgangssprachlich. Der eigene Standpunkt ist vorhanden. Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.
    Jetzt habe ich den Text nochmal gelesen, die Festung, das müsste Liebe sein. Liebe und Vernunft ist eins… stimmt das?

  3. ventisqueras sagt:

    grande, grandissimo, affascinante

  4. bruni8wortbehagen sagt:

    Ich heiße ihn herzlich willkommen. Endlich zeigt er sich mal wieder bei Dir, lieber Finbar, der
    berühmte Philosophenkaiser Marc Aurel

    Diesen Abschnitt über die Vernunft habe ich schon öfter mal gelesen und hing immer daran, daß er meint, die Vernunft könne auch mal ohne genügenden Grund Widerstand leisten.
    Wobei ich sagen muß, bei mir steht da: daß sie eine kriegerische Stellung einnimmt…
    In meinen Ohren hörte es sich an, als ob die Vernunft grundlos kämpferisch wird und ich grübelte hier sehr. *Widerstand leistet* klingt für mich etwas verständlicher…

    Meint er, daß genau aus diesem Grunde unsere Seele gewissermaßen eine Kontrollfunktion ausübt, völlig leidenschaftslos und die Vernunft auch mal über die Stränge schlagen kann?
    hm, ausweiah, DAS klingt jetzt aber sehr seltsam, lieber Finbar
    Da komme ich ohne Deine Hilfe nicht klar …

    Ich muß sehr an Deine nächtlichen Gespräche mit dem Marc denken *lächel*

    • finbarsgift sagt:

      Darum geht es in diesem Spruch nicht wirklich, liebe Bruni, denn zentral ist hier der folgende Satz circa in der Mitte des Spruches:
      „Deshalb ist die denkende Seele, von Leidenschaft frei, gleichsam eine Festung.“

      Das ist ja eben auch, woher die typische Aussage über Stoiker kommt: die haben aber die Geduld weg, oder: die sind ja völlig leidenschaftslos, im Gegensatz zu den Epikuräern…

      MIR gefällt es aber, Herr meiner Sinne zu sein, und nicht mich voller Leidenschaft zum Beispiel in irgendeiner Liebe zu verlieren…
      aber da sind ja bekanntlich die Menschen ziemlich unterschiedlich gepolt 🙂

      Liebe Morgengrüße vom Finbar

      • bruni8wortbehagen sagt:

        Jetzt sitze ich hier und bin so am Schmunzeln, daß mich die Tasten ganz scheel ansehen und nicht wissen, wie sie meine Reaktion einordnen sollen *g*
        Dacht ichs mir doch fast 🙂 , daß es dieser Satz ist, der sich vordrängt.
        Dazu hätt ich gleich geschrieben, aber ich traute mich nicht so recht, daß ich immer dachte, die Seele ergibt sich nicht immer der Vernunft, sondern singt oft ein Lied direkt an der Vernunft vorbei, weil sie sonst leiden würde…
        Tja, lieber Finbar, sagt mir nun der Marc, und somit auch Du, daß ich halt kein Stoiker bin?

        Liebe sehr ernsthafte Schmunzelgrüße von mir

  5. …ich bin also nicht nur
    Sondern mach mich unabhängig…in mir ruhend…
    Mich mal ins Denkstübchen zurückziehe..
    Nicht ohne dir ein wunderbares Frühlingswochenende zu wünschen
    Liebste Sonnenscheingrüße

  6. Sternchen sagt:

    Ich hätte Marc gern persönlich kennengelernt, ob er mir die Sache mit Allmutter Natur hätte näherbringen können….wer weiss….Deine MA Beiträge sind einer meiner liebsten, lieber Lu!

  7. thiessenjak sagt:

    Ein schönes Bild eines von seiner Philosophie überzeugten Menschen.

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