Die große Kunst der Deutlichkeit (Kalász)

Zusammen halten, verdichten, Zeichen deuten,
üben, wie man beschützt, was man liebt,
vor falscher Nähe, vor ihrer Rauheit und Schärfe,
aber auch vor der entmutigenden Tristesse der echten.
Es bedarf nicht viel, die alte Heroldsregel
der 200 Schritte anzuwenden:
Hängen Sie ihren Entwurf
des Wappens der Liebe
draußen an einen Baum,
gehen Sie exakt so viele Schritte zurück,
als nötig sind, um Sehnsucht zu spüren,
und mit weit aufgerissenen Augen
wenden Sie sich dort um.

© Orsolya Kalász

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21 Kommentare zu “Die große Kunst der Deutlichkeit (Kalász)

  1. ele21 sagt:

    „entmutigende Tristesse der echten (Nähe)“ ????? Ouuups – welch ein Irrtum…

  2. bruni8wortbehagen sagt:

    so weit zurückgehen, um dann aus der Entfernung ein Quentchen von Sehnsucht zu spüren
    und mit Entsetzen erkennen, daß das Entfernen ein nicht wieder gutzumachender Fehler war?
    Ist es so gemeint? Ich habe Probleme mit dem Verstehen, lieber Finbar

    Oder heißt es, die Sehnsucht zu spüren und sich dann entsetzt von ihr abwenden?

    Wie verstehst Du es denn?

  3. dieses gedicht klingt für mich sehr deutlich nach großer enttäuschung. es gefällt mir, es ist toll geschrieben, und der inhalt… ja, der bewegt mich.
    die „entmutigende tristesse echter nähe“ impliziert, so verstehe ich es, dass diese nähe nie von bestand ist und dass der bevorstehende verlust hier direkt mit gefühlt wird.
    deshalb auch das abwenden von der liebe und der sehnsucht danach. zumindest der versuch im gedicht. 😉
    ich finde dieses gedicht wirklich beeindruckend.
    danke fürs teilen, lieber lu!
    sei herzlichst gegrüßt
    von diana

    • bruni8wortbehagen sagt:

      hm, es würde bedeuten, daß echte Nähe entmutigend wäre …
      Wobei ich bei echter Nähe eigentlich immer eine gute sehe, eine gewinnbringende, liebe Diana,
      deshalb hänge ich so, weil es allen meinen Gedanken zuwiderläuft,

      • nein, das ist sie natürlich nicht, also, für mich auch nicht, liebe bruni, aber – und so interpretiere ich die tristesse hier – da ist das wissen, sie wird niemals von dauer sein. (und wenn es erst der tod ist, der die nähe durchbricht. dann kann zwar auch noch eine nähe bestehen, die aber doch gänzlich anders geartet ist.)

  4. Art of Arkis sagt:

    Es bringt wunderbar diese Ambivalenz zum Ausdruck; Gefühle lassen sich eben nicht konservieren, alles befindet sich ständig in oszillierender Bewegung. Was ich über das Gedicht sage, wie ich es reflektiere, sagt etwas über mich aus.

  5. ingeborgthoring sagt:

    eine gute Gebrauchsanweisung, ein Beipackzettel für gelingende Liebe

  6. Flowermaid sagt:

    … ‚es muss sich lösen, was sich binden will’… schon die Alchemisten wussten das und es ist immer mit erkennendem Schmerz verbunden…

  7. Sternchen sagt:

    wunderbare Zeilen…..so ist es ! Nur durch Abstand spürt man die fehlende Nähe! So verstehe ich das…

  8. Karin sagt:

    …..und sie wendet sich um, geht (vielleicht) wieder auf ihn zu…

  9. Poeta sagt:

    Ein tolles Gedicht, lieber finbar, über Nähe, Distanz, Sehnsucht und unsere oft sinnlosen Entwürfe von Liebe und Nähe.

  10. gkazakou sagt:

    die „weit aufgerissenen Augen“ sind es, die mir Eindruck machen. Wie sieht man denn, wenn man die Augen weit aufreißt? Offenbar anders, als wenn man sie beobachtend zusammenkneift oder einen Gegenstand mit weichem Blick umfängt. In die aufgerissenen Augen stürzt das Objekt hinein, und du hast keine Möglichkeit der Kontrolle und Gegenwehr. Probier es mal aus.

  11. Die Angst vor Nähe, das Verlangen nach Nähe. Die Sehnsucht nach Geborgenheit, die Erfahrung von Zurückweisung…. ein Gefühlkarussel, dem wir uns nicht entziehen können. Nähe birgt die Gefahr von Liebesentzug…

  12. thiessenjak sagt:

    Schönes Gedicht!

  13. magguieme sagt:

    Ein Wappen der Liebe… das wäre mal eine Aufgabe… Herzliches zu dir!

  14. ingeborgthoring sagt:

    … Augen in der Todesstunde

  15. War ein paar Tage weg.

    „üben, wie man beschützt, was man liebt,
    vor falscher Nähe, vor ihrer Rauheit und Schärfe,
    aber auch vor der entmutigenden Tristesse der echten.“

    Erste Zeile gefällt sehr.
    Die letzte Zeile: Was ist traurig und entmutigend an der echten Liebe? Daß sie nicht rüberkommen mag? Daß der Beitrag nicht sichtbar wird? Oder ist Nähe manchmal enttäuschend, weil man gerade da Enttäuschung spüren mag, weil sie soviel verspricht?

  16. Ulli sagt:

    Lieber Lu, das trifft so sehr mein Momentaniges, dass ich nur DANKE sagen kann!
    herzlichste Grüsse, Ulli

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