Drachenfrieden  (C. M. Hafen)

 

Heute ist es ein altes Wort, lange her. Drachenfrieden. Nerina, dachte Mersan, vielleicht erzählt gerade jetzt eine Ahne am Feuer vom Drachenfrieden und meint dich, wenn sie vom irren Drachen erzählt. Dabei hast du nur die Veränderung gebracht, den Wandel der Geschichte, letztlich … mich.

„Da sind wir nun“, sagte er zu Hangameh und schluckte schwer. Diese ein oder zwei Schritte, die er schon gegangen war, standen ihr noch bevor. Zu gegebener Zeit würde er ihr seine Wörterbücher zeigen, seine langen Listen, die er angelegt hatte, seine Chronik der mowarischen Sprache.

Hangameh würde immer ein Kind bleiben. Sie mochte altern, vielleicht sogar die Zeit spüren, wenn sie weit genug von Mora entfernt war. Doch ohne Wurzeln, ohne Vergangenheit oder Zukunft konnte niemand erwachsen werden. Bei ihm war das anders. Die Sprache veränderte sich dauernd. Altes und Neues verband sich, ergab neue Wörter, andere verschwanden. Es gab viele, die standen nur noch in seinen Büchern und wurden nicht mehr genutzt. Das machte ihm aber nichts aus. Manchmal verwendetet er eines, das er gerne mochte, in einem Gespräch und schaute dann zu, wie es die Küste hinauf und hinunter wanderte, bis jemand zu ihm kam und das Wort zurückbrachte. Es war ein Kreislauf. Es war schön und nie zu Ende.

 

 

© C. M. Hafen
Auszug aus „Drachenfrieden“ – Band 3 der Reihe „Das Drachenvolk von Leotrim“,
Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des O´Connell Press Verlags.

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59 Kommentare zu “Drachenfrieden  (C. M. Hafen)

  1. bruni8wortbehagen sagt:

    Lieber Finbar, ich stutze, lese und staune
    Was ist das? Worte, die ich gar nicht kenne und die mir alle so bekannt vorkommen.
    Wie kann das sein?
    Sie reden mit mir, ich verstehe sie nicht, denke ich und verstehe doch alles was hier steht.
    Es erinnert mich und doch habe ich keine Erinnerung.
    Der letzte Satz, lieber Finbar, spricht das, was ich soooo gut kenne oder zu kennen meine.
    Ich nehme eines, schicke es in die Welt und wenn es wieder bei mir ankommt, weiß ich, es ist
    eines von mir. Kann es sein, daß ich mal endlich aufwachen sollte? 🙂
    Aber ich bin doch wach *g* Dachte ich bis eben …

    Und dann kommt mir endlich eine Erleuchtung *lächel*

  2. bruni8wortbehagen sagt:

    noch verschlinge ich etwas anderes; aber ich nähere mich jetzt ziemlich schnell dem Ende
    und bin dann wieder frei für neue Kost 🙂

  3. Poeta sagt:

    Sehr schöner Buchtipp, lieber finbar!

  4. kowkla123 sagt:

    ich glaube, das könnte mich interessieren, alles Gute wünsche ich dir für das Wochenende

  5. ellilyrik sagt:

    Lieber Lu,
    Du hast mich neugierig gemacht!
    Werde mir das Buch besorgen.
    DANKE und alles Liebe, herzlichst Elke

  6. nandalya sagt:

    Drachen mag ich. Aber das hast du bestimmt gewusst. 🙂

  7. Christiane sagt:

    Okaaaaaaaaaayyyyyy, wenn du sagst, dass das gut ist, dann seh ich mich mal danach um. Danke für den Tipp!
    Liebe Grüße
    Christiane

  8. schreiblaune sagt:

    Ich freue mich sehr! Herzliche Grüße zu dir und ein feines Wochenende gewünscht. :*

  9. Ulrike Sokul sagt:

    Was für eine überaus leseveführerische Textpassage, lieber Lu.
    Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht genug Lesefutter im Vorratskämmerchen, jedoch bei philosophischen DRACHEN werde ich schwach … 🙂
    Gibt es den DRACHENFRIEDEN auch als ECHTE Bücher oder nur als Datei-Buch?

  10. Flowermaid sagt:

    … da wir hier sozusagen in einem Drachennest leben… ist diese Leseprobe eine willkommene Anregung für meine Abistress geplagte Tochter…

  11. TeggyTiggs sagt:

    …Worte sind eine feine Sache…Worte erfinden sollte ein Schulfach sein, verschollene Worte auffinden auch…und daraus einen Klangteppich weben, der ins Drachenland trägt…

    liebe Grüße!

    • finbarsgift sagt:

      Neologismus als Schulfach, liebe Schreibfreundin, weeelch herrliche Idee!!! 🙂

      • TeggyTiggs sagt:

        …ja, nur leider ist den Lehrern heute wichtiger, nach Rechtschreibfehlern zu jagen und den Kindern damit jede Freude an der Sprache zu vermiesen…wie schade!

        • finbarsgift sagt:

          Nicht nur nach Rechtschreibfehlern, auch nach sogenannten Ausdrucksfehlern, die oft seeehr vage subjektiv beurteilt werden…

          • TeggyTiggs sagt:

            Du sagst es…früher durfte jeder schreiben, wie er/ sie wollte, das barg sehr viel mehr Möglichkeiten der Gestaltung und des Ausdrucks…und machte sicher mehr Spaß!
            …vielleicht erforderte das Lesen und Verstehen dann etwas mehr Zeit, doch waren die individuellen Möglichkeiten unendlich größer…leider hat die Sucht nach Optimierung, Gleichmacherei und Zeit zu sparen dies abgeschafft…

  12. Hm,
    nun hab ichs bestimmt viermal gelesen…und finde keinen Zugang🤔

  13. Corona sagt:

    Da werde ich mir mal die Leseprobe runterladen. Jetzt lese ich eine andere Reihe fertig.
    Bin jetzt mal wovon meinem Zombiewahn weg und lese derzeit auch in einer Fantasywelt.

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