Die menschliche Sexualität (Strauß)

 

Die menschliche Sexualität ist eine Sisyphosiade, ein Impotenz-Traum. Unentwegt strebt sie einem Höhepunkt von Natur entgegen, zu dem es uns hinaufzieht mit Versöhnung versprechender Kraft. Jedoch den Höhepunkt seiner Natürlichkeit zu erleben, ist dem Mängelwesen nicht verstattet: es erreicht ihn nie. Oder etwa in der kurzen, eine halbe Sekunde währenden Bewußtseinstrübung auf dem Überroll des Orgasmus? Und wenn es, wie die meiste Zeit, zur glücklichen Ohnmacht nicht langt, die Seligkeit zwei Zentimeter flacher ausfällt? Das Glück schafft Maßstäbe und Werteskalen, das Relative ist immer zur Stelle und erkennt keinen wirklichen Höhepunkt an. Auch daher das schallende Gelächter des Teufels, das, einem alten Wort zufolge, nach jedem Beischlaf uns verhöhnt.

 

 

 

 

© Botho Strauß

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41 Kommentare zu “Die menschliche Sexualität (Strauß)

  1. Na ja, ich erlebe das anders…😊
    Herzliche Grüße an Dich, Lu.

  2. sternchen sagt:

    manchmal erscheint es mir so, als ob für Intellektuelle Sexualität „nicht intellektuell“ genug ist 😉

  3. bruni8wortbehagen sagt:

    Was für ein Text. Ich gestehe, daß ich mich über ihn leicht amüsiere, lieber Finbar
    OK, es ist ein gutes Wortegebilde, aber eines wird völlig außer acht gelassen und da kann der Teufel lachen so viel er will, es gibt eine Seligkeit, nach der der Mensch strebt, die sich an anderen Dingen orientiert, z.B. an einem innigen Gefühl, das zwei Menschen sich vereinigen läßt und wenn dieser irrsinnig gute Orgasmus auch fehlen könnte, kann eine Seligkeit entstehen, die für beide Partner das Schönste ist, was sie kennen – in diesem Moment, der für SIE Erfüllung ist.

    Es geht nicht um Zeitmessen, es geht um das innigste Gefühl zwischen zwei Menschen und das sollte nicht zerpflückt werden

  4. Myriade sagt:

    Ach, der Teufel lacht aber sicher noch viel lauter über Leute, denen nie irgendetwas gut genug ist 🙂

  5. ingeborgthoring sagt:

    … das Göttliche im Menschen setzt Maßstäbe

  6. Flowermaid sagt:

    … wer zwischenmenschliche Körperlichkeit zur sportlichen Disziplin kürt muss wohl früher oder später zu diesem Ergebnis kommen… 😉

  7. Irgendwie mag ich zu Sexualität NICHTS sagen. Es ödet mich an, was dazu zu bekunden.
    Nur das:
    Sie ist eine Farbe, eine Qualität, die die allermeisten von uns „bitter“ benötigen und die merkwürdigerweise zum „Salz des Lebens“ reichen kann.

  8. …auch für mich natürlich wohlgemerkt.

  9. refoexac sagt:

    Wie wahr. In der Realität ist nicht voll los, meist wird beim erzählen übertrieben und die wahre Sexualität spielt sich ausschliesslich in der Fantasie ab. Ohne Fantasie wäre der Mensch echt aufgeschmissen. Irgendwie.

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