Auge der Zeit (Celan)

 

Dies ist das Auge der Zeit:
es blickt scheel
unter siebenfarbener Braue.
Sein Lid wird von Feuern gewaschen,
seine Träne ist Dampf.

Der blinde Stern fliegt es an
und zerschmilzt an der heißeren Wimper:
es wird warm in der Welt,
und die Toten
knospen und blühen.

 

 

 

© Paul Celan

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46 Kommentare zu “Auge der Zeit (Celan)

  1. karfunkelfee sagt:

    Zum Niederknien schön…der Paul…
    Muss meinen traurigen Sohnemann trösten, ein junger großer Musik-Held (Linkin’Park) ist just an den Nebenwirkungen des Ruhms und an Übermenschlichung gestorben…
    Einen guten Morgen für Dich✨🦋

    • finbarsgift sagt:

      Ja, ich habe es auch schon mitbekommen…
      Dabei hat er auf dem Southside Festival hier vor kurzem kwasi um die Ecke noch so beeindruckend gesungen,
      aber Drogen zu konsumieren ist eben auf Dauer nicht besonders lebensdienlich…

      Die Lyrik von Paul Celan ist über jeden Zweifel erhaben — kwasi wie von einer anderen Welt, und immer noch und immer wieder hochaktuell!

      have a pleasant day, dear poetry friend! 🙂

      • karfunkelfee sagt:

        Mein Sohn konnte ihn noch erleben, es war sein erstes Musikidol, das sich umbrachte. Die nehmen Drogen um diesen Personality-Wahn um ihre Person besser aushalten und ertragen zu können…das ist das Schlimme…manche schaffen es nicht. Sechs Kinder… 41 Jahre…das Leben noch vor sich. Ein Elend ist das mit dieser Vergötterungsmaschinerie der Poppkultur.

        Du hast das mit Celan schön gesagt. So ist es nämlich…☺️

  2. Anna-Lena sagt:

    Tiefsinnig und ausdrucksstark. Danke fürs Teilen.
    Mit lieben Freitagmorgengrüßen
    Anna-Lena

  3. Ruhrköpfe sagt:

    moinsen lieber Lu, sehr schöne Verse, danke dir 🙂

  4. fraggle sagt:

    Immer wenn ich Texte von Celan lese, denke ich für einen kurzen Augenblick: „Celan? Hat der nicht gemalt?“ Irgendwie ist mein Hirn nicht in der Lage, Celan und Cézanne auseinanderzuhalten. 🙂

    Abgesehen davon: Die Lyrik ist meine Sache nicht, aber diese Zeilen hier, die mag ich.

    • finbarsgift sagt:

      *schmunzel*
      Cézanne ist ja nun auch zweifellos der berühmtere Künstler von diesen beiden…

      Ich weiß…*lächel* Dann freut es mich umso mehr!
      LG vom Lu

  5. gkazakou sagt:

    ich liebe auch dieses Celan-Gedicht, das ich als Motto über ein Kapitel meines Schwanenromans stellte:

    Nacht. Und alles ist da:
    der See, die Bäume, der Kahn;
    die Kreise im Wasser.

    Weiß
    schimmerts vorbei an der Weide:
    ein Mädchen,
    das eilt.

    Der einzige Schwan kommt vorüber.

    Wie, wenn ein zitternder Stern
    sich schälte aus seinem Feuer
    und fiel‘ in den See?
    In die Wasserrose?

    Ob das Rotkehlchen stürbe?
    (Paul Celan)

  6. Myriade sagt:

    Ach, ich verstehe überhaupt nicht, warum Celan nicht zu den ganz Großen gerechnet wird. Eindrucksvollste Sprache und nicht religiös.

  7. Ulli sagt:

    Lieber Lu, hier lese ich den Unterschied: Zeilen, die ich wieder und wieder lesen kann, die in mir nachschwingen, im Kontrast zu Zeilen, die zwar schön sind, aber nichts mehr…
    hab Dank und einen feinen Tag
    herzlichst
    Ulli

  8. Art of Arkis sagt:

    … über Paul Celan seiner Lyrik, seinem Leben und Lebensende etwas zu sagen , finde ich ignorant und arrogant! Sein Werk spricht für sich und sich selbst! http://www.evolve-magazin.de/radio/gottes-zerstreute-funken-juedische-mystik-bei-paul-celan/

  9. www.wortbehagen.de sagt:

    Er erlebte jede seiner Zeilen, hinter jedem seiner Worte stand er und die Ästhetik seiner Zeilen ist über jeden Zweifel erhaben.
    Wenn ich Herzklopfen kriege bei Lesen und Wiederlesen, dann weiß ich, hier schrieb einer, den ich zu Anfang auch sehr unterschätzte. Bis ich mehr von ihm las und intensiver, eindringlicher, da packte er mich

    Auch das von Gerda dazugestellte Gedicht zeigt sehr deutlich sein Können

  10. ellilyrik sagt:

    Danke, für die wunderbaren Zeilen, lieber Lu!
    Herzgruß Elke

  11. großartig… für mich ist celan auch ein ganz großer, der unglaublich intensive bewegende gedichte geschrieben hat.
    danke, lieber lu!
    sei lieb gegrüßt von mir 🙂

  12. Das geht runter wie Öl. *seufz*
    Herzliche Grüße von Bärbel

  13. kowkla123 sagt:

    unglaublich viel nachzudenken, genieße das Wochenende

  14. bmh sagt:

    das Gedicht beeindruckt mich auch sehr, bewegt mich und weist immer eindringlicher auf nicht Wiedergutzumachenes hin.

    …es wird warm in der Welt
    und die Toten
    knospen und blühen…

    Ich grüße dich, lieber Lu

    Herzlich
    Barbara

    • finbarsgift sagt:

      So ist es, liebe Barbara,
      für mich hat ja der Dritte Weltkrieg schon am 11. September 2001 begonnen; er breitet sich immer weiter aus und könnte durchaus so lange wie der Hundertjährige Krieg im Vierzehnten Jahrhundert dauern, mit einem grandiosen Atombomben-Finale zum Ende der zündelnden Menschheit…
      Herzliche Morgengrüße
      vom Lu

      • bmh sagt:

        Diese Gedanken können uns heutzutage leicht heimsuchen, lieber Lu.
        Ich habe die auch, allerdings diszipliniere ich mich immer wieder erneut, damit ich weiterhin die Blumen blühen sehe, das Grün der Bäume und und und.
        Aber Du machst es bestimmt genau so.

        Ich wünsche Dir einen ganz schönen Morgen.
        Herzlich
        Barbara

        • finbarsgift sagt:

          Natürlich, liebe Barbara…
          ich lasse mir doch das bissle Leben nicht mit Endzeit vermiesen!
          Das haben die Leute im Vierzehnten Jahrhundert ja auch nicht,
          und die hatten auch noch zusätzlich neben dem hundertjährigen Krieg
          die mieseste Rattenplage samt Beulenpest am Hals!!
          Hab es schön 🙂
          Herzlich, Lu

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