Das Universum der Lotosesser (Sjón)

 

Die Lotosesser waren eine Gruppe von Leuten, deren Weltanschauung ganz von der Philosophie französischer Dichter – wie Baudelaire, de Nerval, Gautier oder de Musset – geprägt war. 

Außerdem veranstalteten sie Gelage, über die viele Geschichten kursierten (davon allerdings nur wenige aus eigener Anschauung), und deren Gäste sich von diesen Arzneikräutern in ferne Welten davontragen ließen, körperlich wie geistig gesehen, schnell und sanft.

Auch Fridrik war bei diesen Treffen ein regelmäßiger Gast; und einmal, als man gerade aus einer solchen vernebelten Achterbahnfahrt wieder auftauchte, berichtete er seinen Reisegefährten:
– Ich habe das Universum gesehen! Es besteht aus lauter Versen!

 

 

 

© Sjón (Sigurjón B. Sigurdsson)

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40 Kommentare zu “Das Universum der Lotosesser (Sjón)

  1. quersatzein sagt:

    Nach so einem Zaubertrank muss man ja die Sterne sehen und die Verse dazu! 🙂
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. Anna-Lena sagt:

    Wird man nur so zum wahren Dichter und Denker? 🙂
    Amüsierte Grüße in den jungen Morgen,
    Anna-Lena

  3. magguieme sagt:

    Ganz kurz las ich die Ich-Form ganz persönlich an dich adressiert *lach*
    Liebe Grüße!

  4. Der Rausch ist in allen Kulturen als Erweiterung des Bewusstseins vorhanden.

  5. Rausch … Rauschebart … Denker … gibt es Zusammenhänge, habe ich mich gerade gefragt

  6. Ist doch eigentlich auch logisch, dass das UniVERSum aus VERSen besteht. 😆
    Liebe Regengrüße aus München!

  7. kowkla123 sagt:

    da hab ich wieder dazu gelernt, möge es ein gutes Wochenende werden, das wünsche ich uns, Klaus

  8. herrlich, das gefällt mir!! 😀

  9. TeggyTiggs sagt:

    …ach, wie schön, wer möchte nicht in einem Universum aus Versen leben…

    …lieber jedoch noch in einem, in dem die Verse in Musik gefasst sind…

  10. www.wortbehagen.de sagt:

    Das Universum sollte aus Versen bestehen? *schmunzel sehr*
    Meinst Du, ich werfe unaufhörlich Blicke mitten ins Universum, lieber Finbar?
    (Er sagte ja nicht, aus lauter sehr guten Versen *g* )

    Der Rausch der Sinne, der auf so vielfältige Weise gesucht wird.
    Vermutlich so lange schon, wie es den Menschen gibt. …

  11. christahartwig sagt:

    Wer nun die Honigsüße der Lotosfrüchte gekostet,
    Dieser dachte nicht mehr an Kundschaft oder an Heimkehr:
    Sondern sie wollten stets in der Lotophagen Gesellschaft
    Bleiben, und Lotos pflücken, und ihrer Heimat entsagen.
    Aber ich zog mit Gewalt die Weinenden wieder ans Ufer,
    Warf sie unter die Bänke der Schiff‘, und band sie mit Seilen.
    Drauf befahl ich und trieb die übrigen lieben Gefährten,
    Eilend von dannen zu fliehn, und sich in die Schiffe zu retten,
    Daß man nicht, vom Lotos gereizt, der Heimat vergäße.
    Und sie traten ins Schiff, und setzten sich hin auf die Bänke,
    Saßen in Reihn, und schlugen die graue Woge mit Rudern.
    Also steuerten wir mit trauriger Seele von dannen.“
    aus Homer, Odyssee

    Diese Geschichte findet praktische eine Fortsetzung in diesem Satz:

    So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom –
    und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu.
    Schlusssatz aus Francis Scott Fitzgerald „Der große Gatsby“

  12. refoexac sagt:

    Die Kabbalisten sind wohl der gleichen Meinung. 😉 Verse könnte man auch als Programm interpretieren, Ich wette es ist kein C oder gar C++. So wie es sich darstellt ist es zusammengeschustert. Also Basic. Und keiner weiss mehr, zu welchen Zeilennummern all die GOTO’s hinführen. Ist wie Ostereier suchen 😂

  13. …. was Zeus und Hera recht war…..;)

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