Im Spätrot (Celan)

 

Im Spätrot schlafen die Namen:
einen
weckt deine Nacht
und führt ihn, mit weißen Stäben entlang-
tastend am Südwall des Herzens,
unter die Pinien:
eine, von menschlichem Wuchs,
schreitet zur Töpferstadt hin,
wo der Regen einkehrt als Freund
einer Meeresstunde.
Im Blau
spricht sie ein schattenverheißendes Baumwort,
und deiner Liebe Namen
zählt seine Silben hinzu.

 

 

© Paul Celan

Advertisements

17 Kommentare zu “Im Spätrot (Celan)

  1. mickzwo sagt:

    Sehr schön. Dieser Celan darf nicht vergessen werden. Der wird immer besser, je öfter man ihn liest.

  2. aaaah einfach großartig. er ist definitiv einer meiner lieblingsdichter! ❤

  3. www.wortbehagen.de sagt:

    Es ist die Schönheit seiner Worte, die besticht

    Kristall

    Nicht an meinen Lippen suche deinen Mund
    nicht vorm Tor den Fremdling
    nicht im Aug die Träne

    Sieben Nächte höher wandert Rot zu Rot
    sieben Herzen tiefer pocht die Hand ans Tor
    sieben Rosen später rauscht der Brunnen.

    • finbarsgift sagt:

      Ja, die Schönheit der von ihm ausgesuchten Worte ist sicher mitentscheidend…
      Dankeschön für sein Kristall!

      • www.wortbehagen.de sagt:

        *lächel*, was kann es denn noch sein?
        Der tiefe, hinter wundervollen Metaphern verborgene Sinn, in die er die Schönheit bettet?

        Einen schönen restlichen guten Morgen, lieber Finbar

  4. Videbitis sagt:

    Die „Todesfuge“ ist das beste Gedicht, das ich überhaupt kenne – aber diese berührt mich leider überhaupt nicht, ich finde es eher kitschig: „Südwall des Herzens“, „schattenverheißendes Baumwort“ – also echt, das ist keine Poesie, sondern Blödsinn, so empfinde ich das jedenfalls. Tja – so kann’s gehen.

    • finbarsgift sagt:

      Ich verstehe dich…
      Und mit der Todesfuge hat du wahrscheinlich recht!

    • www.wortbehagen.de sagt:

      Na ja, beim Südwall der Herzens macht er das, war manchmal wichtig ist, er wird fast überschwänglich, seine Gefühle übermannen ihn während des Schreibens, aber so kommt an, wie es einem zumute sein kann, wenn das Herz beteiligt ist.

      Dann setzt er das schattenverheißende Baumwort dagegen und liegt hier nicht die Ruhe verborgen, die Du im Schatten eines Blätterdaches findest?

      So empfinde ICH seine anrührenden Worte. Jeder empfindet sie wohl etwas anders, aber in die Nähe von Kitsch kommen sie nie

      • Videbitis sagt:

        Zuerst war ich empört: Wie kann der Dichter der „Todesfuge“ nur sowas schreiben? Daher meine (zu) harsche erste Reaktion. Nun habe ich das Gedicht wieder und wieder gelesen und finde es inzwischen unfreiwillig komisch, und ich fühle Spott in mir aufsteigen.
        Mit neue Wortschöpfungen und Wortverbindungen begibt sich ein Dichter auf unsicheres Gelände, die Assoziationen des Lesers können sehr unterschiedlich ausfallen: Südwall z.B. erzeugt in mir das Bild einer Straße in Köln-Sülz, wo ich manchmal mit dem Rad durchfahre, eine unwirtliche Gegend, die mit Herzgefühlen so gar nichts zu tun hat. „Baumwort“ finde ich ganz und gar unglücklich, augenblicklich entsteht in mir das Bild eines riesigen uralten knorrigen Baumes, der sprechen kann mit einer dunklen, gewaltigen Stimme wie die Bäume in einer Fantasygeschichte, das hat nichts Zartes oder Zärtliches. Der gewollt hohe Ton des Gedichts und die unglücklichen Bilder, die die Wörter in mir erzeugen, ergeben eine Mischung, die lachhaft ist. Dem Werk ist das Kunstwollen und sein Scheitern zugleich immanent (so erscheint es mir jedenfalls) – das ist eine mögliche Definition von Kitsch.

        Aber ich finde es ehrlich gut, daß Du das anders empfindest und Dich das Gedicht anrührt – gut natürlich für Dich, aber auch für das Gedicht.

        Viele Grüße!

        • www.wortbehagen.de sagt:

          Über Lyrik und ihre Metaphern zu *streiten* ist müßig. Ich denke, Du solltest über Celans Leben lesen. Es hilft verstehen.
          Liebe grüße an dich von bruni

          • Videbitis sagt:

            Da bin ich ganz Deiner Meinung, ich wollte auch gar nicht streiten, sondern nur erklären, warum das Gedicht mich nicht anspricht. Aber ich finde, ein gutes Gedicht sollte sein wie ein Monument: Es sollte für sich stehen, auch ohne die biographischen Hintergründe des Verfassers. Die „Todesfuge“ ist so ein Gedicht – das dann allerdings neugierig macht auf den, der es geschrieben hat. Das Gedicht oben reizt mich dazu leider gar nicht.

            • www.wortbehagen.de sagt:

              Neugierig sollte ein Gedicht machen, das stimmt *lächel*, aber bei der Todesfuge handelt es sich tatsächlich um ein Denkmal, ein Jahrhundetwerk und es wurde aus tiefer Verzweiflung geboren
              Kein Mensch ist imstande, unentwegt Jahrhundertwerke zu produzieren und nicht jedes gute Werk wird so anerkannt, wie es das verdient hätte.
              Bei der Todesfuge zeigt sich sein Genius und doch wurde es lange verkannt, so viel ich weiß.

              (Mich reizen oft nicht mal meine eigenen Sachen, wenn ich sie wiederlese und bei anderen denke ich, ach, doch nicht so übel *g*)

              Eines steht fest, er war ein großer Dichter, lieber Videbitis, dessen Werke unvergessen sein werden, auch wenn sie kontrovers aufgefaßt wurden

  5. Flowermaid sagt:

    … ein Name… Wortgebundenden im lieben… herausgenommen aus einer Welt der Namenlosen…

  6. kowkla123 sagt:

    es liest sich toll, schönen Samstag wünsche ich, genieße den Tag ohne Kummer und Sorgen, Klaus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s