Sex kills (Mitchell)

I pulled up behind a Cadillac
We were waiting for the light
And I took a look at his license plate
It said, „Just Ice“
Is justice just ice?
Governed by greed and lust?
Just the strong doing what they can
And the weak suffering what they must?
Oh, and the gas leaks
And the oil spills
And sex sells everything
Sex kills
Doctors‘ pills give you brand new ills
And the bills bury you like an avalanche
And lawyers haven’t been this popular
Since Robespierre slaughtered half of France!
And Indian chiefs with their old beliefs know
The balance is undone, crazy ions
You can feel it out in traffic
Everyone hates everyone
And the gas leaks
And the oil spills
And sex sells everything
Sex kills
All these jack-offs at the office
The rapist in the pool
Oh, and the tragedies in the nurseries
Little kids packin‘ guns to school
The ulcerated ozone
These tumors of the skin
This hostile sun beating down on
Massive mess we’re in
And the gas leaks
And the oil spills
And sex sells everything
And sex kills
Sex kills
Sex kills
Oh, sex kills
Sex kills
Songwriter: Joni Mitchell
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Manchmal hängt das Leben eben an einem seidenen Faden

 

Dabei hatte meine Bergtour ganz harmlos angefangen, in der Früh beim Verlassen der Pfeishütte mitten im Karwendelgebirge, 1920 Meter über dem Meeresspiegel, bis zu der ich von Mittenwald aus am Vortag schon gewandert war und wo ich übernachtet hatte.
Denn endlich wollte ich den höchsten Berg dieses feinen kleinen Teilgebirges der Nordalpen besteigen, die Birkkarspitze, Höhe 2749m, und von dort aus noch die drei Ödkarspitzen direkt nebenan dann überkweren, bevor es fast tausend Höhenmeter hinab ins Haupttal des Karwendelgebirges gehen sollte.

Nach einem prächtigen Berghüttenfrühstück machte ich mich somit voller Tatendrang als langjähriger, erfahrener Bergwanderer auf den Weg. Ein enger Pfad führte hurtig bergan, den zu dieser Morgenzeit noch viele, schlafsteife Feuersalamander, in den Bergen auch Alpensalamander genannt, bevölkerten, die zwar allmählich von der Morgensonne geweckt wurden, aber sich trotzdem nur sehr langsam zur Seite bewegten, wenn ich vorbeikam, sodass ich gut aufpassen musste, keines dieser schönen Tierchen zu zertreten.

Der Weg zum Gipfel der Birkkarspitze war nicht allzu schwer, zumindest für einen geübten und ausdauernden Bergwanderer wie mich, der zuvor wohl schon an die hundert anderer Alpengipfel bestiegen und erklettert hatte, wie zum Beispiel den geliebten Hochvogel, den verschneiten Thaneller, die rutschige Höfats, die felsbröckelige Klimmspitze und den Großen Widderstein am Ende des kleinen Walsertals.

Da kroch während des zügigen Gehens – ziemlich überraschend für mich – langsam und stetig der Nebel aus dem Haupttal von der anderen Seite hoch und überkwerte den oberhalb von mir liegenden Hauptkamm des Karwendelgebirges immer mehr, vor allem als ich mich nur noch so circa einhundert Meter unterhalb der Gipfel der erwähnten Berge befand.
Bald konnte ich den markierten Weg im Fels nicht mehr sicher ausmachen, ging bzw. kletterte aber trotzdem so schnell wie möglich weiter, kwasi wie ein Kamäleon. Das war auch absolut notwendig, denn von meiner gebirgigen Umgebung sah ich bald gar nichts mehr!

Plötzlich stolperte ich – wohl aus lauter Übervorsicht – über einen kleinen spitzen Felsen, stürzte zu Boden und schlitterte auf einer relativ großen, schrägen, nassglatten Felsplatte in über 2700 Metern, also kurz vor dem Gipfel der Birkkarspitze, bis zu ihrem Ende. Erst dort kam ich zum Stillstand, glücklicherweise, weil ich einen anderen kleinen Felsen fassen und fest umarmen konnte. Meine Beine hingen in der Luft. Mein Herz klopfte wie wild. Ich atmete erschrocken mehrmals tief durch, zog mich dann hoch wie an einer Reckstange und stand sehr langsam und äußerst vorsichtig wieder auf.

Es war hier oben seit einigen Minuten überall ein schier undurchdringlicher Nebel mit einer Sichtweite von unter 2 Metern entstanden und ich steckte mittendrin.
Meine Knie zitterten nach diesem Fall gehörig im Sechsachteltakt, vor allem, als ich zudem bemerkte, dass ich mich direkt am Rand jenes Abgrunds befand, der fast tausend Meter senkrecht in die Tiefe des Karwendelhaupttals hinabreichte.

Manchmal hängt das Leben eben an einem seidenen Faden.

 

 

 

 

© finbarsgift

Kurznachricht aus meiner Lesepraxis

Thema Fauna:

  • Leonie Swann: Gray
    (Spannender Krimi voller Papageienhumor)
  • Isabel Bogdan: Der Pfau
    (Teambildungsworkshop auf einem schottischen Anwesen mit Tieren)
  • Die Geschichte der Bienen
    (Großartiger Sachbuchzukunftsroman)
  • Marie-Sabine Roger: Das Leben ist ein listiger Kater
    (Zauberhaft humaner Humor – krank im Krankenhaus)

Thema Poesie:

  • Jan Wagner: Regentonnenvariationen
    (Hat mich von Anfang an gefesselt und mitgerissen bis zum Ende)
  • Ragnar Helgi Olafsson: Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können
    (Prächtig eigenwillig und faszinierend philosophisch)
  • Kurt Marti: Der Traum, geboren zu sein
    (Poesie ist Moral: hier wird gezeigt, warum – voller Menschlichkeit)

Thema (Auto-)Biografien:

  • Julian Barnes: Der Lärm der Zeit
    (Originelles über das Leben des Komponisten Schostakowitsch)
  • Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie
    (Unglaubliches über Boris Sidis und sein Wunderkind William James)
  • Karl Ove Knausgard: Lieben
    (Soghaft liebesautobiografisch)
  • Thomas Melle: Die Welt im Rücken
    (Gnadenlose Abrechnung mit sich selbst)

Thema Liebe:

  • Laura Mercuri: All dein Schweigen
    (fast schon ein Liebesmärchen, sehr schön (und traurig))
  • Tomas Espedal: Wider die Natur
    (Schwere Kost, doch faszinierender Lesestoff)
  • Ian McEwan: Am Strand
    (zum Brüllen (liebes-)komisch)
  • Eva Baronsky: Manchmal rot
    (Tolle Ideen, die aber nicht für einen Schluss reichten)

Diverse Themen:

  • Lars Gustafsson: Doktor Wassers Rezept
    (Jemand gibt sich für einen anderen aus: tragikomisch)
  • Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße
    (Faszinierende Jugendfantasy )
  • Carlos Ruiz Zafon: Das Labyrinth der Lichter
    (Zu episch, aber trotzdem ein spannender Krimi)
  • Jaume Cabré: Die Stimmen des Flusses
    (Eines der lesenswertesten Bücher der Weltliteratur)

Dauerbrenner:

  • Marc Aurel: Selbstbetrachtungen
    (Mein Buch des Lebens)
  • Hans Jonas: Das Prinzip Leben
    (Über das Buch des Lebens)

© finbarsgift

Das Leben ist schmal und hoch (Andersen)

 

Ein Zündholz flackert im Weltraum
wirft kurz sein Licht auf ein Gesicht
bevor es ausgeht
Im Dunkeln nähern sich unsere Hände
berühren sich leicht bevor sie steif werden
Worte werden ausgeschickt
Einige erreichen ein Ohr
bestehen vielleicht eine zeitlang
Der Länge nach gemessen ist das Leben kurz
senkrecht gemessen unendlich
eine zitternde Fiber im Muskel des Todes
Küsse sofort
bevor dein Kuß einen Totenkopf trifft
Bald bist du niemand
aber jetzt hast Du Lippen
und Zündhölzer.

 

 

 

 

© Benny Andersen

14.2.

 

Unser Kahn glitt langsam durch das grüne Wasser des Sees. Ich ruderte und du sahst mir von gegenüber in die Augen und lächeltest. War es der Granet Lake oder der Lac des Îles? Auf jeden Fall war es in Canada! Irgendwo zwischen den Niagarafällen und Montreal waren wir damals gelandet.

In Philadelphia war die sommerliche Hitze unerträglich gewesen und wir waren mit unserem dunkelblauen Superbeetle gen Norden geflüchtet, solange, bis wir europäisch-erträgliches Klima vorfanden. Und plötzlich waren wir über Maine in Canada gelandet, sozusagen übers Ziel hinausgeschossen. Und in North Bay endete dann sogar noch die Straße nach Norden. Weiter ging es von dort aus nur mit Cessnas. Wir mussten deswegen lachen wie blöd! Weißt du noch?

Wir liebten uns damals wie am ersten Tag, obwohl wir schon viele Jahre zusammen waren. Komisch, dass ich mich gerade heute Nacht daran erinnere, wie wir auf diesem kleinen grünen See im Sommer ruderten und gegenübersaßen und uns anlächelten.

 

 

 

© finbarsgift