Kerben (Jentzsch)

 

Ich hatte ein gutes Leben.
Es hat keinen Krieg gegeben,
In den ich hätte ziehen müssen.
Ich badete noch in den Flüssen
Zschopau und Elbe.
Ich sah die Limmat, die Aare,
Kindheit und Mannesjahre
Sind nicht dasselbe.
Einmal bin ich ausgerissen.
Ich wollte wissen,
Wo die Lichtelfen wohnen,
Und wurde wieder eingefangen
Mit Armen wie Stangen
Zum Nüsseschlagen.
Was soll ich euch sagen?
Ihr dürft euch nicht schonen.
In den Gärten die Feuerbohnen
Haben blauschwarze Schalen.
Ich litt Höllenqualen,
Ich hörte die Racheengel singen,
Ich war der barmherzige Samariter,
Als ich die Wunden des Sängers salbte.
Ich sah ein Kalb, das kalbte.
Ich spürte den Irrsinn des Lebens,
Ich baute mein Haus vergebens.
Nachts erscheint mir der Schnitter
Ferner als in den dunklen Tagen.
Ich denke an die letzten Dinge,
Nagel, Hanf und Schlinge.
Geht jetzt, die Käuzchen schreien,
Ich tanze mit mir Tango zu dreien.
Sechs Bretter hat ein guter Schragen.
Ich habe euch nichts mehr zu sagen.

 

 

 

 

© Bernd Jentzsch

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44 Kommentare zu “Kerben (Jentzsch)

  1. Das bringt so einige Saiten in mir zum Klingen …

  2. kowkla123 sagt:

    darüber denke ich nun auch nach, wünsche einen positiven Dienstag für dich. Viel Freude bei Allem was du vorhast, Klaus

  3. Ulli sagt:

    Lieber Lu, ich komme gerade von Gerda und mir ist gerade wieder bei den ersten Zeilen mulmig geworden, wie schon so oft in den letzten Wochen. Bis hierher können wir uns glücklich schätzen, wir haben keinen Krieg erlebt, nur an den Folgen des letzten getragen, was aber kein Vergleich ist. Mögen wir stark sein und bleiben und mögen wir uns erheben und daran erinnern, dass es Zeiten gegeben hat, in denen es eine große Überschrift gegeben hat: Nie wieder Krieg – oder make love, not war. Klar, all das hat sich gewandelt und Kriege toben Mithilfe von deutschen Waffen und mittlerweile auch wieder mit deutschen Soldaten, wenn auch nicht auf diesem Boden. Das Bestreben heißt für mich: nie wieder Krieg, nirgendwo, dafür trete ich ein, auch wenn weiterhin mit den Säbeln gerasselt wird und Bomben geworfen, hierhin darf ich nie ermüden!
    Herzlichste Grüße, Ulli

    • finbarsgift sagt:

      Liebe Ulli, komme ja auch von Gerda und habe dort folgenden Kommi hinterlassen:
      „Der Meinung, dass der dritte Weltkrieg in Vorbereitung ist, bin ich ja schon lange,
      wobei ich ja sogar so weit gehe, weiterhin zu behaupten, dass er seit dem neunten September Zweitausendeins schon im Gange ist…
      aber erst wenn Europa wieder mit dabei ist, wird man ihn so nennen, wohl weil ein Weltkrieg erst dann Weltkrieg genannt werden darf…“
      Hab einen – trotz allem Welttheater – schönen sonnigen Frühlingstag!
      Herzlich, Lu

  4. Buh!
    Voll, voller, am vollsten!
    Das Leben wie im Braus, bald ist es aus…

  5. ein tolles gedicht, das hat klang und rhythmus!
    stark.
    herzliche grüße, lieber lu!

  6. Erinnerungen, als wolle er Abschied nehmen,
    ein letztes, abschließendes, endgültiges Abschiednehmen
    und hier finde ich feine Zeilen, die mir den Träumer zeigen, von dem ich hoffen würde,
    daß ihn alle Menschen in sich tragen

    *Einmal bin ich ausgerissen.
    Ich wollte wissen,
    Wo die Lichtelfen wohnen,*

    doch dann holte ihn das Leben wieder ein, trist und traurig für meine Ohren

    *Und wurde wieder eingefangen
    Mit Armen wie Stangen
    Zum Nüsseschlagen *

    Doch da ist eine Erinnerung, an die ich mich klammere
    *Ich sah ein Kalb, das kalbte.*
    Es sind also auch die guten da, die hellen, die weitertrugen

    So wird es uns allen gehen, dunkle und helle tragen wir in uns und wer Leid nicht kennt, weiß nicht, was Liebe ist. Erst, wenn wir durch tiefe, dunkle Täler müssen, werden uns Licht und Helles deutlich bewußt.´

  7. Flowermaid sagt:

    … also Bruni ich bin
    da ganz nah an deiner Seite in Wort und Empfindung… Danke

  8. Dunkle Bilder und Anspielungen, die unter die Haut gehen. Es sind die Wörter/ Wörterkombinationen die Emotionen hervorrufen. Wow.
    Was wartet auf uns? Auf was warten wir?

  9. gut dass die Sonne scheint….
    so kann ich diese dunklen Bilder besser ertragen
    von außen betrachtet ein gutes Leben, aber so dunkel im Innern….

  10. ellilyrik sagt:

    …deine Zeilen bedrücken mich irgendwie…,
    vielleicht weil sie so wahr sind….? Beeindruckende Zeilen, lieber Lu!
    Nachdenkliche Grüße, herzlichst Elke.

  11. Videbitis sagt:

    Sprachlich und formal sehr schön, inhaltlich allerdings: Welcher der beiden Wölfe wird hier gefüttert? 😉

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