like in sadness flying lost eagles

o
n
on
on on
on on on
life’s bitterness
swirls in craziness
while all the demons
with their longing hearts
expand to soulless ghosts
like in sadness flying lost eagles
through mournful skies
no moon somewhere
no planet anywhere
no light in sight
no nothing
nowhere
no no no
no no
no
n
o

© finbarsgift

bussard

hoch fliegt der bussard übers land
die winde der welt ausnutzend
kaum ein sperriger gedanke
kreuzt seinen weiten flug

stiller als die atmosphäre
segelt er dahin wie erddrachen
auf der ewigen suche nach
nahrung für die unendlichkeit

bittere kälte irritiert ihn nicht
wenn er reste einer beute erbricht
dünner nebel steigt gen himmel
menschen wirken wie gewimmel

© finbarsgift

Stille Dialektik (Harig)

Der eine lebt riskant, der andre lebt gesund.
Der erste schöpft sich kühn die nukleare Kraft
aus dem Getreidebrei, aus dem Gemüsesaft
und steigert ganz enorm den Cäsiumbefund.

 
Der andere ergreift die Flasche aus Burgund,
in der seit Jahr und Tag, geheim und zauberhaft
und lange vor dem GAU der Geist der Rebe schafft.
Er setzt den Römer an und trinkt mit seinem Mund.

 
Was einmal Trinken war ist seitens der Reklame
abscheulich pervertiert zur Flüssigkeitsaufnahme:
was nutzt ein flacher Schluck in zeitgemäßer Hektik?

 
Es wirkt der Alkohol aus dem vergornen Treber
erweiternd aufs Gemüt und schrumpfend auf die Leber:
alternativer Hast folgt stille Dialektik.

© Ludwig Harig

Es ist halt schön (Busch)

Es ist halt schön,
Wenn wir die Freunde kommen sehen. –
Schön ist es ferner, wenn sie bleiben
Und sich mit uns die Zeit vertreiben. –
Doch wenn Sie schließlich wieder gehen,
Ist’s auch recht schön. –

© Wilhelm Busch

Luftfeuerwassererde

Gedanken wie Wolkenfetzen
zum Horizont hin hetzen
Symbol der Zerrissenheit
des Menschen Eitelkeit

Tief in des Planeten Gluten
Lavamassen mächtig fluten
Symbol der Beweglichkeit
des Lebens Entschlossenheit

Über der Wasser Ozeane
still dahingleiten Pelikane
Symbol der Gewissheit
der Liebe Unbesiegbarkeit

Über Hügel und Wiesen
wehen des Windes Brisen
Symbol der Winzigkeit
in des Kosmos Raumzeit

© finbarsgift

schrei der schneeeule

den schrei der schneeeule
kann ich hören
– ein tiefes bellendes hu –
von den weiten der tundrischen
arktis tönt er bis zum turm
auf dem roten berg

zartleise kommt er hier an
dem flügelschlag eines
tagpfauenauges klangverwandt
beim flugschweben von
sommerblüte zu sommerblüte

der schrei der schneeeule
ergreift mein herz viel mehr
– verursacht keinen herzschmerz –
als das unerträglich laute gelärme
der menschen in ihrer erbärmlich
selbstherrlichen arroganz
bei der künstlichen unterteilung
der absolut kontinuierlich
dahingleitenden raumzeit des
kosmos in sogenannte jahre

© finbarsgift

free floating thoughts

free floating thoughts
between darkblue skies
and water horizons

pounding hearts of desire
drifting offshore somewhere
search for wild windkisses

free floating thoughts
swimming and diving next
to huge singing whales

sun rays keep on changing
flamboyant lavender to lava
fields of glorious love

© finbarsgift

​weiterung (Enzensberger)

wer soll da noch auftauchen aus der flut,
wenn wir darin untergehen?

noch ein paar fortschritte,
und wir werden weitersehen.

wer soll da unsrer gedenken
mit nachsicht?

das wird sich finden,
wenn es erst so weit ist.

und so fortan
bis auf weiteres

und ohne weiteres
so weiter und so

weiter nichts

keine nachgeborenen
keine nachsicht

nichts weiter

© Hans Magnus Enzensberger

​Blick um Blick (Goethe)

Wenn du dich im Spiegel besiehst,
Denke, daß ich diese Augen küßte,
Und mich mit mir selbst entzweien müßte,
Sobalde du mich fliehst:
Denn da ich nur in diesen Augen lebe,
Du mir gibst, was ich gebe,
So wär ich ganz verloren;
Jetzt bin ich immer wie neugeboren.

© Johann Wolfgang von Goethe

Ein Weihnachtswunsch (Tucholsky)

 

Die Zeit vergeht.
Die kleinen Lichter flammen.
Ein Duft von Knistertannen weht.
Ich reim mir dies und das zusammen …
Die Zeit vergeht.

Wie festtags Seine Augen glänzen,
wie Er leis lacht vor Wohlergehn
inmitten Tannennadelkränzen –
Ich weiß es nicht. Ich hab es nie gesehn.

Ich seh nur durch das Lichtgeflimmer
Ein seidenweiches blondes Haar.
Und auf mich sieht im Kerzenschimmer
Ein unvergeßlich Augenpaar.

 

 

© Kurt Tucholsky